Eines der ältesten privaten Weiterbildungsinstitute in Nordhessen ist zahlungsunfähig

Aus für Kasseler Sprachenschule

Aus für die Kasseler Sprachen- und Wirtschaftsschulen: Das traditionsreiche Bildungsinstitut im dritten Stock des Hauses Kurfürstenstraße 1 (Bild) in der Kasseler Innenstadt nahe am Kulturbahnhof ist zahlungsunfähig. Foto: Schachtschneider

Kassel. Die Kasseler Sprachen- und Wirtschaftsschulen haben den Schulungsbetrieb eingestellt. Eines der ältesten privaten Weiterbildungsinstitute in Nordhessen ist zahlungsunfähig. Über das Vermögen von Schulinhaberin Martina Gerhardt wurde das Insolvenzverfahren eröffnet.

Zuletzt waren dort noch sechs Lehrer und rund ein Dutzend Honorarkräfte beschäftigt. Mehrere Lehrkräfte hätten noch Geld von der Schule zu bekommen, berichtet ein Betroffener der HNA. Es gehe jeweils um 10 000 bis 20 000 Euro, weil zeitweise keine Gehälter gezahlt worden seien, erklärt der Mann, der anonym bleiben möchte. Er selbst habe noch 16 000 Euro von der Schule zu kriegen.

Die Chancen dafür stehen allerdings schlecht. Wenn am heutigen Mittwoch die Gläubigerversammlung zusammenkommt, wird es enttäuschte Gesichter geben. Die Gläubiger dürften weitgehend leer ausgehen, sagt der Insolvenzverwalter, Rechtsanwalt Dr. Martin Moderegger. Er sieht keine Möglichkeit, dass die Gläubiger einen ansehnlichen Teil ihrer Forderungen bekommen könnten: „Es wird keine große Quote geben.“

Die seit mehr als 100 Jahren bestehende Sprachen- und Wirtschaftsschule habe eine zu geringe Schülerzahl gehabt, erklärt Moderegger. Die Zahl der Schüler habe nicht ausgereicht, um wirtschaftlich dauerhaft bestehen zu können. Wegen des Geldmangels sei eine Eigensanierung nicht möglich gewesen.

Auch ein Verkauf der insolventen Bildungseinrichtung im dritten Stock des Hauses Kurfürstenstraße 1 und eine Weiterführung des Schulbetriebs unter neuer Leitung sei nicht infrage gekommen. „Es war kein Interessent da“, sagt Moderegger, der das Insolvenzverfahren bereits seit Juni führt.

Weil der Schulungsbetrieb nicht mehr fortzuführen war, wurde das Bildungsinstitut geschlossen. „Wir haben sofort zugemacht“, erklärt der Insolvenzverwalter.

Die Sprachen- und Wirtschaftsschulen wurden seit dem Jahr 2000 von Martina Gerhardt als Inhaberin eines Einzelunternehmens geleitet. Geboten wurden eine Berufsausbildung zur dreisprachigen Europasekretärin oder Fremdsprachenkorrespondentin, Sprachkurse in Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch, Einzelunterricht, Firmenschulungen und Übersetzungen. Seit 2002 hatte das Institut die Aktivitäten im Bereich der beruflichen Weiterbildung ausgebaut. Vor einem Jahr sollen aber die Deutschkurse für Migranten weggefallen sein.

Die ehemalige Sprachen-und Wirtschaftsschule Dr. Reitz gehörte viele Jahre zur Unternehmensgruppe Kasseler Bildungsinstitute Dr. Rainer Köllner. Nach der Insolvenz der Dr. Köllner-Gruppe im Jahr 2000 hatte Martina Gerhardt die Sprachen- und Wirtschaftsschule weitergeführt.

Von Jörg Steinbach

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