Sorge um Zukunft

Kasseler Stadtarchiv braucht einen neuen Standort

Blick auf die Kasseler Markthalle von der Wildemannsgasse
+
In der Kasseler Markthalle befindet sich das Stadtarchiv.

Die Zukunft des Kasseler Stadtarchivs ist ungewiss. Wenn die Markthalle wie geplant umgebaut wird, muss das Archiv umziehen. Noch gibt es allerdings keinen neuen Standort.

Kassel – Das Kasseler Stadtarchiv wird gern als Gedächtnis der Stadt bezeichnet. In den vergangenen Monaten arbeitete dieses Gedächtnis allerdings auf Sparflamme. Wegen Corona ist das Archiv momentan sowieso geschlossen. Da macht es auch nichts, dass sich dringend nötige Reparaturarbeiten verzögert haben. Über mehrere Wochen war nämlich der Aufzug, der die Depotflächen im Keller mit dem Leseraum drei Etagen höher unter dem Dach verbindet, außer Betrieb. Das Archiv war deshalb nur sehr eingeschränkt nutzbar.

Wer zum Beispiel wissen wollte, was der frühere Oberbürgermeister Willi Seidel in seinen umfangreichen Tagebuchaufzeichnungen über den Wiederaufbau Kassels notiert hat, kam an das Material einfach nicht heran. „Wenn wir historische Dokumente über 64 Treppenstufen nach oben tragen würden, wäre das konservatorisch nicht zu verantworten“, sagt Archivleiter Dr. Stephan Schwenke. Nach der Coronapause sollte das kein Problem mehr sein, denn die Arbeiten am Aufzug sollen in den nächsten Tagen beendet werden.

Susanne Völker, Kulturdezernentin Kassel

Und trotzdem ist die Zukunft des Archivs weiterhin ungewiss. Wenn die Markthalle wie geplant um- und ausgebaut wird, muss die Stadt einen neuen Standort finden. Das ist alles andere als einfach. Denn das Stadtarchiv verfügt über enorm viel Material, das sich mit all den historischen Fotos, den gut 900 000 Meldekarten früherer Bewohner, den Plänen, Dokumenten, den Verwaltungsakten und den Nachlässen über beeindruckende 1,3 Depot-Kilometer erstreckt. Wer damit umziehen will, braucht viel Vorlauf und eine Perspektive.

Die lässt noch auf sich warten, eine konkrete Lösung für das Stadtarchiv gibt es derzeit nicht. Noch nicht, wie Kassels Kulturdezernentin Susanne Völker betont. Denn man sei sich durchaus bewusst, welchen Wert das Stadtarchiv hat und was die Anforderungen für die kommenden Jahre sind.

Gesucht wird ein Standort, der ebenfalls zentral gelegen ist. Klingt nicht so schwierig, ist es aber. Denn für die tonnenschweren Lasten, die allein durch das Depot entstehen, eignen sich viele vorhandene und vielleicht leer stehende Gebäude ohne teure Umbauten nicht. Fachleute sehen auch einen Standort in feuchter Fuldanähe kritisch. Zudem wird es auch darum gehen, den bislang mühsamen Zugang über mehrere Etagen zum Leseraum barrierefrei zu gestalten.

„Wenn wir umziehen, dann brauchen wir schätzungsweise neun Monate Vorbereitungszeit“, sagt Archivleiter Dr. Stephan Schwenke. Was für eine große logistische Herausforderung da besteht, habe man zuletzt beim Umzug des Archivs des Landeswohlfahrtsverbandes (LWV) gesehen. (Von Thomas Siemon)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.