Kasseler Stadtbaurat will mehr Fotovoltaik-Anlagen auf den Dächern durchsetzen

Kassel. Künftig soll in der Stadt kein neues Gebäude ohne Solardach oder Dachbegrünung geplant und gebaut werden. Das will Kassels Stadtbaurat Dr. Joachim Lohse durchsetzen. Derzeit fehlt aber der Stadt die gesetzliche Ermächtigung, Solardächer für Bauherren verbindlich vorzuschreiben.

Der entsprechende Paragraf der hessischen Bauordnung sei „handstreichartig“ aus dem Gesetz gestrichen worden, kritisiert Lohse, der auf Vorschlag der Grünen in das Amt des Stadtbaurats gewählt wurde. Hintergrund der Aktion der Landesregierung, die viele Fachleute „schier fassungslos“ zurückgelassen habe, sei der Streit um die Solarsatzung in der Stadt Marburg gewesen. Lohse geht davon aus, dass Solardächer mit Hilfe der Novellierung von Baugesetzbuch und Baunutzungsverordnung in zwei bis drei Jahren wieder verbindlich vorgeschrieben werden können.

Dr. Joachim Lohse Foto: Herzog

Bis dahin werde man in Kassel die Stromerzeugung durch Fotovoltaik auf Hausdächern „ermöglichen und fördern, wo wir nur können“, sagt Lohse. Die Stromerzeugung aus Sonnenkraft sei ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz. In Kassel werde bisher nur ein Bruchteil der realistischen Solarstrom-Erzeugung genutzt. Etwa ein Viertel der vorhandenen Kasseler Dachflächen sei für die Fotovoltaik nutzbar, weil die Dächer nach Süden ausgerichtet seien und die erforderliche Neigung aufweisen würden. 25 Prozent seien „das realistische Potenzial“, erklärt Lohse. Nur drei Prozent der geeigneten Dachflächen würden aber derzeit zur Stromerzeugung genutzt.

Diesen Zustand will Lohse gern verändern. „Ich wünsche mir, dass es gelingt, die Debatte ganzheitlich zu führen“, sagt der parteilose Stadtbaurat. In Kassel werde zu Recht die schlechte Atemluft beklagt. Die hohe Schadstoffbelastung der Luft unter anderem mit Feinstaub oder Stickstoffdioxid müsse unbedingt weiter verringert werden. „Man wird aber sofort diffamiert“, hat Lohse selbst erfahren, wenn man gegen die Luftbelastung aktiv werden wolle.

Die Begrünung von Flachdächern werde inzwischen in allen neuen Bebauungsplänen vorgegeben als „Ausgleichsmaßnahme“ laut Baugesetzbuch. Die Dachbegrünung sei wichtig, um das Kleinklima in der Stadt zu verbessern und eine Überwärmung zu verhindern. In Dänemark oder England finde bereits ein Umdenken statt, in Deutschland sei man aber nicht auf der Höhe des Standes der internationalen Debatte.

Von Jörg Steinbach

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