Nach vierwöchigem Umzug

Neue Ära für eine Übergangszeit: Kasseler Stadtbibliothek im Victoria-Haus wiedereröffnet

Stellten den Besuchern beim Wiedereröffnungsfest die neuen Räumlichkeiten vor: (von links) Heike Lämmerhirt, Susanne Hanke, Sonja Göppert und Ana Maric, vier von insgesamt rund 20 „Bibliothekslotsen“, die am Samstag beim Tag der offenen Tür im Einsatz waren. Fotos: Fischer

Kassel. Eine neue Ära ist für die Stadtbibliothek Kassel angebrochen. Nach vierwöchigem Umzug vom Rathaus in das schräg gegenüberliegende Victoria-Haus hieß Bibliotheksleiter Knut Hoffmann am Samstagvormittag hunderte Besucher am neuen Standort willkommen.

Der Umzug der rund 67.000 Medien und 40 Mitarbeiter war wegen der anstehenden Sanierung des Rathaus-Karlsstraßenflügels nötig geworden.

„Jetzt sind wir erst mal hier angekommen“, freute sich Hoffmann. Der um 200 Quadratmeter vergrößerte Publikumsbereich der Stadtbibliothek ist nun im Erd- und im Untergeschoss des Victoria-Hauses an der Kreuzung Obere Königsstraße/Fünffensterstraße zu finden. Klar ist bereits, dass die gerade bezogenen Räume nicht für die Ewigkeit sein werden. Der rund 1,5 Millionen Euro teure Umzug in das Hochhaus gegenüber dem Rathaus ist nur für eine Übergangszeit gedacht.

Die Suche nach einer „neuen und permanenten Heimat“ für die Stadtbibliothek sei eines der vorrangigen Ziele, die der Magistrat für eine nachhaltige Kulturpolitik in Kassel benannt habe, betonte Kulturdezernentin Susanne Völker bei der Eröffnungsfeier. Die Bibliothek könne schon wegen ihres Platzbedarfs nicht auf Dauer im Victoria-Haus bleiben und auch nach der Sanierung des Karlsstraßenflügels nicht in das Rathaus zurückkehren. Ob für sie aber ein Neubau errichtet werden solle oder eine bestehende Immobilie genutzt werden könne, stehe noch nicht fest, betonte Völker auf Anfrage. Die Stadt führe Sondierungsgespräche. Das Finden des künftigen und dann dauerhaften Bibliothek-Standorts betrachte man als mittelfristiges Ziel, erklärte die Dezernentin.

„Das kann sich sehen lassen“: Kulturdezernentin Susanne Völker (rechts) lobte bei der Wiedereröffnungsfeier den raschen Umzug und die neuen Räume der Stadtbibliothek im Victoria-Haus.

Für die nächsten Jahre wird die Stadtbibliothek demnach ihren Standort im Victoria-Haus haben. Die Wiedereröffnung in den neuen Räumen ist am Samstag mit einem Tag der offenen Tür gefeiert worden.

Willkommen im Wohnzimmer

Die Stadtbibliothek als „öffentliches Wohnzimmer“ – diesen Begriff hat Knut Hoffmann geprägt. Die Worte des Bibliotheksleiters hat Kulturdezernentin Susanne Völker am Samstag bei der Wiedereröffnungsfeier aufgegriffen. Institutionelle Orte – wie Rathäuser und auch Bibliotheken – müssten sich dem Bürger stärker öffnen, meinte Völker. Die Stadtbibliothek am neuen Standort im Victoria-Haus solle zu einem Ort der Begegnung, der Interaktion und des Austauschs werden, wünschte sich die Dezernentin bei ihrer Eröffnungsrede vor zahlreichen Besuchern.

Umzug in nur vier Wochen

Als sportlichen Umzug in kürzester Zeit lobte Völker den Wechsel von Medien und Mitarbeitern von der einen Straßenseite zur anderen innerhalb von vier Wochen. Mit den neuen Räumlichkeiten zeigte sie sich ebenfalls sehr zufrieden. „Das ist eine Bibliothek, die sich sehen lassen kann.“ Völker ging bei der Gelegenheit auch auf die aktuelle Entwicklung zum Verzicht auf die Kulturhauptstadt-Bewerbung ein. Die Entscheidung sei dem Magistrat nicht leicht gefallen. Es gäbe aber gute Gründe dafür, davon Abstand zu nehmen und sich stärker den Lösungen für konkrete Kulturprojekte widmen zu können.

Eines dieser Projekte soll eine „neue, attraktive und multimedial ausgestattete Stadtbibliothek“ sein, kündigten die Magistratsmitglieder vergangene Woche an. Schon jetzt versteht sie sich als Lernort und Informationszentrum. Und auch als einer der wenigen kostenfreien Aufenthaltsorte in der Stadt ohne Konsumzwang, eben als „Öffentliches Wohnzimmer“.

Am neuen Standort bietet die Bibliothek ihren Gästen den gewohnten Service und viel mehr – zum Beispiel auch ein Lesecafé mit Kaffeebar, den Parthenon-Sonderbereich. Besucher konnten sich beim Tag der offenen Tür ein Bild davon machen. Bibliothekslotsen führten durch die Räume und stellten die medialen Angebote vor. Kassels neues öffentliches Wohnzimmer ist ab sofort im Victoria-Haus zu finden – zumindest für die nächsten Jahre.

Veranstaltungen: Mehr Platz für große Auftritte

Mehr Platz als am früheren Standort im Rathaus hat die Stadtbibliothek nun im Erdgeschoss des Victoria-Hauses auch für öffentliche Veranstaltungen. Einen Vorgeschmack darauf erhielten die Besucher am Samstag beim Tag der offenen Tür mit zahlreichen Auftritten von Künstlern im neuen Lesecafé mit Kaffeebar. Unser Foto zeigt die Präsentation von Solotänzer Sebastian Zuber (Ensemble des Staatstheaters Kassel), der zu nicht nur die Bühne, sondern auch das Mobiliar nutzte. Wie Bibliotheksleiter Knut Hoffmann ankündigte, sind auch wieder Abendveranstaltungen geplant. Die erste soll zum Welttag des Buches (Montag, 23. April) zu Christine Brückner und Otto Heinrich Kühner stattfinden.

Medien: Von Bestseller bis Songbook

Am neuen Standort im Victoria-Haus bietet die Stadtbibliothek Medien aller Art auf rund 2100 laufenden Regalmetern an. Im Sortiment befinden sich rund 67 000 Bücher unterschiedlichster Sparten. Das Angebot reicht vom aktuellen Bestseller über Hörbücher, Medien für Kinder, Spielfilme, Musik-CDs, Songbooks bis hin zu Comics, Mangas und Graphic Novels.

Im Lesecafé können die Besucher bei einer Tasse Kaffee oder einem Glas Prosecco in tagesaktuellen Zeitungen und Zeitschriften blättern.

Virtuelle Welten: Schwebend durch den Parthenon

Zum Sonderbereich „Parthenon of Books“ gehört ein wechselnder Bücherbestand vom Parthenon der documenta 14. Dort kann man schmökern und erfahren, warum und wo die in Kassel gezeigten Werke verboten waren. Ganz exklusiv ist die Virtual-Reality-Station „Parthenon of Books“. Diese ist von Künstlerin Martha Minujin lizenziert und gibt es weltweit an nur vier Orten. Die in Kassel entwickelte Software der Firma Topotwin ermöglicht es, auf allen Ebenen bis in luftige Höhen durch den Parthenon zu schweben und ihn im Detail zu betrachten. Unser Foto zeigt (von links) Louisa Theis, Barbara Loserth, Bibliothek-Mitarbeiter Kilian Bürger und Barbara Loserth mit Computer-Brille vor dem Großmonitor.

Barrierefreiheit: Mit ÖPNV hin und mit Aufzug runter

Mit öffentlichen Verkehrsmitteln ist der neue Standort an der Ecke Obere Königsstraße/Fünffensterstraße gut erreichbar. Der Eingangsbereich der Stadtbibliothek im Victoria-Haus ist barrierefrei. Für Barrierefreiheit sorgt im Gebäude der neu installierte Aufzug, der die beiden öffentlich zugänglichen Bibliotheksstockwerke im Untergeschoss und im Erdgeschoss miteinander verbindet.

W-Lan und drei Arbeitsplätze

Das 440 Quadratmeter große Erdgeschoss der Stadtbibliothek im Victoria-Haus ist überwiegend mit W-Lan ausgestattet und versteht sich als Aufenthalts-, Veranstaltungs- sowie Servicebereich der Einrichtung. Die Kasseler Stadtbibliothek bietet im Publikumsbereich jetzt drei Internet-Arbeitsplätze für Besucher an.

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