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Kasseler Stadtverordnete zu documenta-Eklat: Gibt es den gemeinsamen Nenner?

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Von: Matthias Lohr, Andreas Hermann, Florian Hagemann

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Alle mit einer Stimme: Ob so auch die von der Stadtverordnetenversammlung geplante Resolution zur documenta ausfallen wird, ist noch unklar. Unser
Alle mit einer Stimme: Ob so auch die von der Stadtverordnetenversammlung geplante Resolution zur documenta ausfallen wird, ist noch unklar. © zeigt eine frühere Abstimmung in der Stadthalle. archivFoto: andreas fischer

Viele, aber nicht alle Fraktionen wollen in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung am Montag ein einheitliches Bild zur documenta abgeben.

Kassel – Aller Voraussicht nach wird der Antisemitismus-Eklat bei der documenta fifteen am Montag in der Kasseler Stadtverordnetenversammlung eine größere Rolle spielen als gedacht. Nach dem Gespräch der Generaldirektorin Sabine Schormann mit den Fraktionsvorsitzenden am Montagabend zeichnen sich neue Entwicklungen für die Sitzung ab.

Wie die Fraktionen am Dienstag berichteten, soll Schormann auch in der Stadtverordnetenversammlung über die Hintergründe des Eklats und ihre Bemühungen berichten. Auch das Kuratorenkollektiv Ruangrupa könnte zu der Sitzung in der Stadthalle kommen.

In der von Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) einberufenen Sitzung hatte Schormann ein halbstündiges Statement vorgelesen, in dem es um die Aufarbeitung des Antisemitismus-Eklats ging.

Für die Stadtverordnetensitzung liegen bislang zwei unterschiedliche Anträge zum Thema vor. Der SPD-Antrag will unter anderem „alle Verantwortlichen“ dazu aufrufen, eine Diskussion über eine Änderung der Organisationsstruktur der Gesellschaft erst nach Abschluss der laufenden Ausstellung zu führen. Der Antrag von Grünen, CDU und FDP will unter anderem den Magistrat als documenta-Gesellschafter damit beauftragen, umgehend Gespräche mit Bund und Land Hessen zu suchen. Politische Interessen seien für die Dauer der Kunstausstellung hintanzustellen.

SPD-Fraktionschef Wolfgang Decker zeigte sich indes zuversichtlich, dass die Ausarbeitung eines gemeinsamen Antrags gelingen werde. Es sei wünschenswert, dass die Stadtverordneten ein geschlossenes Bild abgeben und sich damit von den politischen Tönen aus Berlin und Wiesbaden absetzen. Schormanns Statement am Montagabend sei gut angekommen.

Fraktionsvorsitzender Steffen Müller von den Grünen lobt zwar auch, dass nun transparent aufgeklärt werde, aber seiner Ansicht nach „wäre es gut gewesen, wenn das früher passiert wäre“. Für den Antrag von Grünen, CDU und FDP sieht er keinen Änderungsbedarf. Die SPD sei herzlich eingeladen, sich diesem Antrag anzuschließen.

CDU-Fraktionschef Michael von Rüden nannte Schormanns Stellungnahme am Montagabend nachvollziehbar. Er setzt jetzt auf zwei Schritte, die dazu beitragen sollen, die documenta aus der Krise zu führen: Schormann soll im Stadtparlament Stellung beziehen – und: Die Stadtverordnetenversammlung soll ein möglichst einheitliches Bild abgeben. Deshalb kann er sich auch vorstellen, dass der gemeinsame Antrag der CDU mit den Grünen und der FDP noch harmonisiert werde.

Nach Angaben des FDP-Fraktionsvorsitzenden Matthias Nölke, der bei dem Gespräch mit Schormann am Montagabend selbst nicht anwesend war, müsse sich aber vor allem die SPD bewegen. Er hält es für angebracht, dass der Bund wieder in die Kontrolle eingebunden wird und die documenta weiterhin finanziell unterstützt.

Violetta Bock von den Linken findet ein solidarisches Zeichen für die documenta wichtig. Parteipolitik müsse hintenanstehen. Diese Solidarität müsse auch praktische Konsequenzen haben – etwa bessere Arbeitsbedingungen auf der documenta. Auch die mittlerweile nicht mehr in Kassel vertretene Star-Künstlerin Hito Steyerl hatte „unterbezahlte Arbeitsbedingungen“ kritisiert.

AfD-Fraktionschef Sven R. Dreyer hält es für sehr wahrscheinlich, dass eine gemeinsame Resolution entwickelt wird. Wenn diese vorliege, werde die AfD sehen, wie sie damit umgehe. Auf Distanz ging Dreyer zu Forderungen aus der Landes- und Bundespartei, die documenta bis zur Aufarbeitung des Eklats zu schließen. Es dürfe keinen Abbruch geben.

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