Sie sollten ihr Konfetti werfen

„Die Höhle der Löwen“: Deal mit Kasseler Start-up noch immer nicht eingetütet

Katja Filippenko, Christoph Trimborn und Philip Weyer werfen in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ ihr Saatgutkonfetti
+
Konfetti vor der Kamera: (Von links) Katja Filippenko, Christoph Trimborn und Philip Weyer werfen in der TV-Show „Die Höhle der Löwen“ ihr Saatgutkonfetti. Sie erhofften sich ein Investment von 200.000 Euro für 10 Prozent der Anteile an ihrem Unternehmen.

Am Montagabend (25.10.2021) regnete es Kasseler Konfetti in der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“. Nun gibt es Probleme beim Deal mit Ralf Dümmel.

+++ 15.30 Uhr: Nach dem geplatzten Deal mit „Die Höhle der Löwen“-Investor Ralf Dümmel hat sich nun auch Katja Filippenko von Saatgutkonfetti gegenüber der HNA geäußert: „Manchmal dauern Investorengespräche eben länger als die Dauer einer TV-Sendung“, sagte die 34-Jährige.

„Aber wir haben nach wie vor einen guten Draht zu Ralf und glauben, dass er ein guter Vertriebspartner ist, mit dem wir viel erreichen können.“ Über die Details der Zusammenarbeit müsse man sich jedoch noch einigen.
Das Unternehmen aus Kassel produziert biologisch abbaubares Konfetti, das mit Pflanzensamen versetzt ist.

„Die Höhle der Löwen“: Deal mit Kasseler Start-up geplatzt

Update vom Dienstag, 26.10.2021, 11.34 Uhr: Vor zweieinhalb Jahren ging das Start-up-Unternehmen aus Kassel mit ihrem biologisch abbaubaren Konfetti, mit dem zugleich Pflanzensamen gesät werden, auf den Markt. Kürzlich nahmen die Gründer an der TV-Sendung „Die Höhle der Löwen“ teil und warben für ihr Produkt. Investor Ralf Dümmel machte ein Angebot: 200.000 Euro für 20 Prozent der Anteile.

Die Gründer einigten sich mit Dümmel darauf, zunächst nur zehn Prozent abzugeben – später sollten dann weitere fünf Prozent der Anteile fließen, wenn der Investor das Produkt auch wirklich in 10.000 Filialen platziert. Nach Angaben von Gründerszene.de gibt es aber vorerst gar nichts – weder Geld noch Anteile.

Die Höhle der Löwen: Ralf Dümmel lässt Deal mit Start-up aus Kassel vorerst ruhen

„Wir sind uns über die strategische Ausrichtung bisher nicht einig geworden und deshalb ist der Deal nicht geclosed“, heißt es von Saatgutkonfetti-Mitgründerin Katja Filippenko auf Nachfrage des Online-Magazins. Unmöglich sei eine Finanzierung durch Ralf Dümmel aber nicht. „Wir haben uns intensiv auf die Ausstrahlung vorbereitet und werden uns dann noch einmal zusammensetzen und über eine gemeinsame Zukunft als Start-up und Investor sprechen. Wir sind weiterhin im Austausch“, so Filippenko.

Für Investor Ralf Dümmel ist es ungewöhnlich, einen Deal nicht zu vollenden, denn bislang sind alle von ihm geschlossenen Deals auch zustande gekommen.

„Die Höhle der Löwen“: Start-up-Unternehmen aus Kassel stellt Idee vor 

Wie kam es zu der Idee, bei der „Höhle der Löwen“ mitzumachen?
Christoph Trimborn: Das war gar nicht unsere Idee. Die Produktionsfirma hatte uns angesprochen – schon vor über einem Jahr das erste Mal. Da waren wir aber unternehmerisch noch nicht so weit und haben abgesagt. Ende vorigen Jahres haben sie erneut eingeladen. Diesmal haben wir uns dafür entschieden, unsere Bewerbungsunterlagen einzureichen.
Was versprechen Sie sich von dem Auftritt in der Show?
Philip Weyer: Wir wollen damit unsere Idee noch bekannter machen. Schließlich geht es darum, unser Konfetti zu verkaufen. Und dafür ist es wichtig, dass auch möglichst viele Menschen Zugang dazu haben. Mit so einem TV-Format haben wir die Chance, ein richtig großes Publikum anzusprechen.
Also ist die Suche nach Investoren zweitrangig?
Weyer: Natürlich haben wir daran auch Interesse. Wir haben auch schon auf anderen Veranstaltungen gepitcht – also unsere Geschäftsidee präsentiert, und um Investoren geworben. Von Anfang an haben wir uns rein über den Verkauf des Konfetti finanziert. Jetzt müssen wir aber eine Menge investieren, unter anderem um neue Maschinen zu kaufen. Das geht mit einem Investor sehr viel schneller, als wenn man darauf hinspart.
Ist es nicht ein Widerspruch, wenn ein Start-up, dem es um Nachhaltigkeit geht, sich dem großen Geld und einer TV-Show im Privatfernsehen vorwirft?
Trimborn: Es kommt ja darauf an, wo das Geld hinfließt. Wir wollen es dafür nutzen, um mehr Saatgut in die Welt zu bringen und Umweltverschmutzung durch herkömmliches Plastik- oder Papierkonfetti zu vermeiden. Natürlich gibt es ein gewisses Spannungsfeld. Aber wir würden ja nicht um jeden Preis mit einem Investor gehen, nur weil er oder sie mit den Euroscheinen winkt.
Sie haben zuletzt Ihr Konfetti bei Aldi verkauft – also mit einem Discounter-Riesen zusammengearbeitet, der nicht gerade für ein Öko-Image steht. Haben Sie auch Kritik dafür eingesteckt?
Trimborn: Nein, eigentlich gar nicht. Es würde auch jeder Logik entbehren, zu sagen: Hier oder da verkaufen wir nicht. Das würde nur dazu führen, dass weiterhin vor allem normales Konfetti verkauft wird und die positive Wirkung unseres Saatgutkonfetti ausbleibt. Wir wollen ja gerade aus unserer Nachhaltigkeitsblase raus. Die Menschen erwischt man im Aldi, bei Netto – oder eben bei der „Höhle der Löwen“ vor dem Fernseher.
Ihr Unternehmen hat sich bislang prächtig entwickelt. Wie schwer ist es, aus eigener Kraft voranzukommen?
Trimborn: Schon schwer. Großaufträge wie der von Aldi haben uns für ein paar Monate einen gewissen Freiraum gegeben. Aber wir leben schon noch von der Hand in den Mund. Es ist kaum möglich, langfristig zu planen. Deshalb ist es schon hilfreich, wenn man ein gewisses Kapital im Rücken hat.
Weyer: Seit etwa einem halben Jahr haben wir schon einen Investor, einen guten Bekannten aus Frankfurt. So ein Business Angel bringt ja viel mehr mit sich als nur Geld. Es geht auch um die Erfahrung, die der- oder diejenige mitbringt.
Aber setzt man mit dem Verkauf von Firmenanteilen nicht auch ein Stück Autonomie aufs Spiel?
Weyer: Im Idealfall nicht, weil man an gemeinsamen Zielen arbeitet. Deshalb machen wir immer von Anfang an klar, dass uns der Impact – also die Wirkung, die wir mit unserem Konfetti erzielen wollen – wichtiger ist, als große Gewinne zu machen. Unsere Motivation ist es nicht, schnell zu wachsen, um möglichst schnell unsere Anteile zu verkaufen und reich zu werden. Aber wir wollen, dass möglichst schnell immer mehr Menschen unser nachhaltiges Konfetti nutzen. Dafür ist es auch wichtig, dass wir unsere Produktionskosten senken. Noch ist unser Saatgut im Vergleich zu normalem Konfetti ein sehr hochpreisiges Produkt, das sich nicht jeder leisten kann.
Im Trailer zur Sendung ist zu sehen, wie die Investoren sticheln, dass das Konfetti nur für Unkraut sorgt. Wie fies war die Jury?
Weyer: Der Vorwurf mit dem Unkraut ist nicht neu für uns. Mit solchen Einwänden wurden wir von Beginn an konfrontiert. Die Diskussion zeigt auch einen gewissen Generationenkonflikt: Viele ältere Leute wollen den Vorgarten schön gepflegt haben. Ökologisch gesehen macht es aber keinen Sinn, Pflanzen nach ihrer Schönheit zu unterscheiden. Wir arbeiten für unser Konfetti ausschließlich mit heimischen Pflanzen, die Nahrung für Bienen und andere Insekten bieten.
Trimborn: Genau das ist unser Haupt-Verkaufsargument. Wer das nicht versteht, mit dem werden wir auch geschäftlich nicht übereinkommen. Ein Investor, der zu uns passt, muss schon einen gewissen Idealismus an den Tag legen.
Die Sendung, die heute ausgestrahlt wird, ist schon länger aufgezeichnet. Sie dürfen vorab nichts verraten. Nur so viel: Würden Sie es wieder tun?
Weyer: Wir bereuen nichts (grinst). Wobei wir ja selbst noch nicht wissen, was von den umfangreichen Aufzeichnungen gezeigt wird und was nicht – und wie wir dabei rüberkommen.
Trimborn: Es ist schon komisch, dass das für uns alles schon so lange her ist. Aber jetzt wird es erst real.
Wie war die Erfahrung vor der Kamera?
Trimborn: Die ersten zehn Minuten waren wir ziemlich aufgeregt. Aber dann vergisst man die Kameras, und es war eigentlich ein relativ normales Investorengespräch. Wobei wir an dem Tag alle ziemlich müde waren. Am Vortag hatten wir gerade unseren Aldi-Großauftrag weggeschickt. Und am nächsten Morgen gingen in Köln die Aufzeichnungen in aller Frühe los. Wir hoffen, dass unsere Augenringe nicht so auffallen im Fernsehen.

(Katja Rudolph/Luisa Weckesser)

Ein Start-Up aus Göttingen konnte in der Show „Höhle der Löwen“ auf VOX mit einem nachhaltigen Produkt punkten. Das Unternehmen „Kulero“ überzeugte die Juroren

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.