1. Startseite
  2. Kassel

„Amazon für Cannabis-Produkte“: Start-up von Kasseler Brüdern erhält Millionen von Rapper Snoop Dogg

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Matthias Lohr

Kommentare

Sehen sich als Wegbereiter der Legalisierung von Cannabis: Bislang vertreiben die aus Kassel stammenden Brüder Benedikt (links) und Jakob Sons mit ihrer Firma Cansativa medizinisches Cannabis.
Sehen sich als Wegbereiter der Legalisierung von Cannabis: Bislang vertreiben die aus Kassel stammenden Brüder Benedikt (links) und Jakob Sons mit ihrer Firma Cansativa medizinisches Cannabis. © Harald Schnauder

Für ihre Cannabis-Firma gaben zwei Kasseler ihre Jobs auf. Nun hat Cansativa eine Millionen-Finanzspritze von Rapper Snoop Dogg erhalten. Die Chefs warten auf die Cannabis-Legalisierung.

Kassel – Als Benedikt Sons noch Nachwuchsstürmer bei der Eishockey-Jugend in Kassel war und von einer Profi-Karriere bei den Huskies träumte, wärmte er sich oft zur Musik eines US-Rappers auf, der seine Firma nun reich macht. „Zum Einheizen haben wir damals Snoop Dogg gehört“, sagt der 33-Jährige. Karriere im Eishockey haben nur Teamkollegen wie Michi Christ gemacht, Sons wurde dafür ein erfolgreicher Geschäftsmann.

Vor fünf Jahren hat er mit seinem Bruder Jakob die Firma Cansativa gegründet. Das Start-up der beiden Wahl-Frankfurter ist Marktführer für medizinisches Cannabis. Ihre Produkte werden etwa Krebs- und Schmerzpatienten verschrieben. Diese Woche wurde bekannt, dass Cansativa seine bislang größte Finanzspritze in Höhe von 13 Millionen Euro erhält – das meiste Geld stammt von Casa Verde Capital, dem Investmentfonds von Snoop Dogg.

Kassel: Snoop Dogg investiert Millionen – PR-Coup für junges Cannabis-Unternehmen

Am Sonntag trat der Rap-Superstar und Marihuana-Liebhaber noch in der Halbzeitpause des Super Bowl auf. Nun ist er Geldgeber für eine junge Firma, die von der geplanten Legalisierung von Cannabis durch die Berliner Ampelkoalition profitieren will. Es ist auch ein PR-Coup. „Wir brauchen ein finanzielles Polster vor der Legalisierung von Cannabis, damit wir weiter investieren können“, sagt Jakob Sons, der eigentlich Anwalt ist: „Zudem sorgt das Investment für Aufmerksamkeit für das Thema.“

Er selbst wurde auf das Thema Cannabis aufmerksam, als er 2017 einen Mandanten vertrat, der Cannabis in seinem Firmennamen im Handelsregister eintragen wollte. Das war damals noch verboten und änderte sich erst, als der Gebrauch für medizinische Zwecke erlaubt wurde. Noch im selben Jahr eröffnete er mit seinem Bruder, einem Unternehmensberater, Cansativa. „Wir haben beide sichere Karrierewege verlassen“, sagt Benedikt Sons.

Wenn die Kinder ins Cannabis-Geschäft einsteigen, klingt das für Eltern nach einer Netflix-Serie und keiner guten Idee. „Aber auch unsere Familie ist überzeugt“, versichert Benedikt Sons, dessen Vater Hermann Sons viele Jahre Chefarzt am Klinikum war. Bislang vertreibt Cansativa als Großhändler Cannabis-Produkte, die Schwerkranken helfen – etwa als Tropfen oder Kapseln. Laut Benedikt Sons wird die Nachfrage immer größer: „Wir haben unseren Umsatz jedes Jahr mindestens verdoppelt, mittlerweile ist er achtstellig.“

Auch durch die Finanzspritze von Snoop Dogg und anderen Investoren soll die Zahl der Mitarbeiter in der Firmenzentrale in Mörfelden-Walldorf und in Frankfurt von 20 auf 50 erhöht werden. Bis Ende des Jahres könnten 50 weitere hinzukommen.

Kassel: Unternehmen als „Wegbereiter der Cannabis-Legalisierung“

Laut Jakob Sons ist Cansativa jetzt schon „das Amazon für Cannabis-Produkte“. Zudem sieht sich die Firma als „Wegbereiter der Legalisierung“. Über die wird seit Jahren gestritten. Befürworter erhoffen sich dadurch eine Schwächung des Schwarzmarkts und der damit verbundenen Kriminalität sowie eine Entlastung von Polizei und Justiz. Gegner warnen, dass der Schritt die Einstiegsdroge verharmlosen würde.

Alle neuen Informationen aus Stadt und Kreis erhalten Sie mit dem Kassel-Newsletter der HNA direkt in Ihr Postfach.

Jakob Sons ist überzeugt, dass die Theorie von Cannabis als Einstiegsdroge „wissenschaftlich überholt“ ist: „Eine Legalisierung würde dafür sorgen, dass man nicht mehr an dunkle Orte muss, um etwas zu kaufen.“ Auch die Qualität des Grases würde steigen. Bislang weiß niemand, was in dem Zeug ist, das einem etwa der Berliner Dealer im Görlitzer Park verkauft.

Selbst einen durchziehen tun die Brüder, die ihr Abi am Wilhelmsgymnasium gemacht haben, nicht, wie Jakob Sons sagt: „Wir haben beide viele Laster, aber Kiffen gehört nicht dazu.“ Fragt man ihn, ob bei Firmen-Meetings der Joint rumgeht, lacht er und sagt: „Das könnte ich mir nur vorstellen, wenn Snoop Dogg selbst mal vorbeischauen würde.“ (Matthias Lohr)

Auch interessant

Kommentare