Städtische Werke sperren jedes Jahr 2000 Anschlüsse

Kasseler Stromkunden zahlen schlechter

Kassel. Dieses Frühjahr erhöhen bundesweit 200 Energieversorger die Strompreise, auch die Städtischen Werke Kassel. Laut Verbraucherschützern haben immer mehr Menschen Probleme, ihre Stromrechnung pünktlich zu begleichen. In Kassel hat sogar jeder fünfte Kunde Zahlungsschwierigkeiten.

Das teilte die Sprecherin der Städtischen Werke, Heidi Hamdad, auf Anfrage der HNA mit. Etwa 20 Prozent der 120 000 Stromkunden hätten Zahlungsprobleme, was sich unter anderem an den 100 000 Mahnungen zeige, die die Werke jedes Jahr verschicken. Auch die Zahl der Privatinsolvenzen nehme zu: Im vergangenen Jahr waren es 60 im Monat – zehn mehr als noch 2010. „In solchen Fällen können wir das ausstehende Geld meistens abschreiben“, sagt Hamdad.

Bei erheblichem Zahlungsrückstand kann der Zähler gesperrt werden. Damit drohen die Werke jährlich 15 000-mal. In 2000 Fällen – das sind etwa 1,7 Prozent der Kundschaft – wird tatsächlich der Strom abgestellt.

Zum Vergleich: Eon Mitte, Stromversorger im Altkreis Kassel, lässt nicht einmal ein halbes Prozent seiner Kunden im Dunkeln sitzen, weil die Rechnung nicht beglichen wurde. Das sagte der Eon-Vertriebssprecher René Schneider. Der Konzern beliefert nach unbestätigten Angaben etwa 700 000 Menschen in der Region mit Strom.

Dass die Zahlungsmoral in der Stadt schlechter sei, habe einen einfachen Hintergrund, sagt Hamdad: „Da macht sich das soziale Gefüge in Kassel bemerkbar.“

Trotz der steigenden Strompreise nutzen wenige Menschen die Möglichkeit, den Anbieter zu wechseln. Noch immer sind vier von fünf Kunden bei ihrem lokalen Stromversorger. Als die Städtischen Werke zum 1. März die Preise erhöht haben, kündigten zwar mehr Kunden als sonst. „Aber dramatisch gespürt haben wir das nicht“, sagt Hamdad.

Von Marcus Janz

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