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Kasseler Texmex-Kette Paco’s Tacos will raus aus der Talsohle

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Von: Axel Schwarz

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Express-Boxen statt Restaurants: Mit solchen Ständen – hier in einem Klagenfurter Einkaufszentrum – will die Texmex-Kette aus Kassel neue Franchise-Nehmer gewinnen. Die Argumente: Überschaubare Investitionen, geringer Personalbedarf.
Express-Boxen statt Restaurants: Mit solchen Ständen – hier in einem Klagenfurter Einkaufszentrum – will die Texmex-Kette aus Kassel neue Franchise-Nehmer gewinnen. Die Argumente: Überschaubare Investitionen, geringer Personalbedarf. © Paco’s Tacos

Das Franchise-Unternehmen ist in der Krise geschrumpft und will jetzt mit neuem Ansatz Partner gewinnen. Auch im Kasseler Stammlokal von Paco’s Tacos am Weinberg wurde das gastronomische Konzept geändert.

Kassel – Mit mexikanischen Speisen und einem originellen Markenauftritt zwischen Clubszene und Street Art wurde das Kasseler Gastro-Konzept Paco’s Tacos bis vor einigen Monaten als bundesweiter Franchise-Senkrechtstarter gehandelt. Dass es zuletzt offenbar nicht mehr so gut gelaufen ist, konnte das Publikum an Schließungsphasen und Standortaufgaben am Stammsitz erkennen.

Seit dem Jahresbeginn seien die Geschäfte „ins Stocken geraten“, sagen die Geschäftsführer Bastian Gerke und Pascal Mock und berichten, was sich seither verändert hat in dem Gastro-Unternehmen. Mit neuen konzeptionellen Weichenstellungen solle die Texmex-Marke wieder Wind in die Segel bekommen.

Beobachtern waren die Signale nicht entgangen: Das Stammlokal an der Frankfurter/ Ecke Tischbeinstraße war Ende Juli in eine zunächst unbestimmte „Sommerpause“ gegangen, der zweite Kasseler Standort an der Gottschalkstraße hatte Anfang August ganz geschlossen.

Herumgesprochen hat sich auch, dass die im Frühjahr 2021 bezogene schicke Franchise-Zentrale im Hallenbad Ost vor zwei Monaten aufgegeben wurde. „Wir waren mal 50 Mitarbeiter“, sagt Gründer „Paco“ Mock. Das habe sich auf die achtköpfige Crew des Südstadt-Standorts reduziert.

Daneben gibt es aktuell fünf „Paco’s Tacos“-Lokale, die in Mannheim, Jena, Hannover, Bochum und Bremen von Franchisenehmern geführt werden. Betreiber in Göttingen und für Kassel-Nord hätten aufgehört, neue Partner seien derzeit kaum zu gewinnen, sagt Bastian Gerke, da sich in der jetzigen Krise fast niemand hohe Ladenmieten, Bau- und Finanzierungskosten aufhalsen wolle. Ein Problem sei auch der Mangel an Gastro-Personal.

Deswegen werde jetzt ein anderer Expansionsweg versucht: mit sogenannten „Express“-Boxen, die etwa in Einkaufszentren aufgestellt werden und von zwei Personen betrieben werden können.

Solche Gastro-Stationen, die nach Geschäftsschluss durch Absenken des Deckenteils zugeklappt werden, lassen die „Paco’s Tacos“-Chefs in Finnland fertigen. Eine davon stand für ein paar Monate im Ratio-Land und zieht nun nach Hamburg um, eine weitere steht im österreichischen Klagenfurt in einem Einkaufszentrum des Betreibers ECE, mit dem die Kasseler Texmex-Gastronomen eine Rahmenvereinbarung haben.

Vier weitere Expressbox-Starts stehen laut Gerke und Mock kurz bevor. Das Konzept sei in der jetzigen Lage attraktiv für Betreiber, da diese weniger als ein Fünftel im Vergleich zu einem Restaurantstandort investieren müssten, kaum Personal bräuchten und bei dieser Betriebsform auch berechenbar Feierabend hätten, statt noch spätabends in einem Lokal stehen zu müssen.

Das „Paco’s Tacos“ an Kassels Weinberg hat seit Anfang Oktober wieder geöffnet und ebenfalls sein Konzept umgekrempelt. Als die documenta begann, „hatten wir sofort 40 Prozent Umsatzeinbruch“, erzählt Pascal Mock – die Leute seien lieber zu den angesagten Plätzen des Kunstsommers gewandert. Zudem hätten stark gestiegene Waren-Einkaufspreise offengelegt, dass man auf der Speisekarte zu günstig unterwegs sei.

Für das Südstadt-Lokal hat Mock nun Partner von der Braunschweiger Firma Mexway Food ins Boot geholt, deren Inhaberin aus Mexikos kulinarischer Hauptstadt Puebla stammt und authentische Familienrezepte beisteuert. „Wir haben alles schick gemacht und die Qualität deutlich angehoben, um höhere Preise durchsetzen zu können“, sagt Mock. Seither habe sich das Publikum des mexikanischen Restaurants komplett verändert.

Einen Wechsel gibt es auch in der Geschäftsführung von Paco‘s Tacos: Ersan Demirsoy alias DJ Demiro ist im vergangenen Jahr ausgestiegen – in gutem Einvernehmen, wie Gerke und Mock betonen.

Verbindungen gibt es wohl weiterhin: Im bisherigen Paco‘s Tacos an der Gottschalkstraße steht nach ihren Angaben in Kürze die Eröffnung von Demiros wiederbelebtem Bar-Konzept „Bei Unz“ bevor.

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