Möbliert, aber unbeliebt: Trinkraum sorgt weiter für Diskussionen

Kassel. Der Trinkraum-Container ist eingerichtet: Ein Blick durch die Fenster zeigt, dass sich im Raum Tische, Stühle, ein gebrauchtes Sofa und ein Kühlschrank befinden. Doch wann das Angebot wird, steht weiter in den Sternen. Zumal er in der Szene auf Ablehnung stößt.

 „Die Vorbereitungen befinden sich in der abschließenden Phase“, sagt Rathaussprecher Hans-Jürgen Schweinsberg. „Mehr ist derzeit nicht mitzuteilen.“ Im Klartext heißt das offenbar, dass die Eröffnung nicht mehr in dieser Woche stattfindet, wie zuletzt angekündigt.

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Ein paar hundert Meter vom verlassenen Container entfernt herrschte Donnerstag um 11 Uhr hinter dem Trafohaus am Lutherplatz bereits reger Betrieb. Etwa 30 Menschen, überwiegend Männer, haben sich an dem Treffpunkt der Trinker- und Drogenszene versammelt. Was halten die Menschen, für die der Trinkraum gedacht ist, von dem Angebot im Container? „Ich will da nicht hin“, sagt Rainer Brandt (49) mit Nachdruck. „Das ist ja sowas von unpersönlich.“ Er hat sich den Container schon angeschaut. Auf dem Lutherplatz fühle er sich wohl, sagt der Alkoholiker und Metahdon-Patient. Er zeigt auf die im Wind rauschenden Blätter der Bäume: „Hier ist es schön.“ Er wird lieber mal bei Regen nass, „als mich da unten in so einen Kasten zu setzen.“

Der 49-Jährige befürchtet, dass die Szene von dem Platz vertrieben wird, sobald der Trinkraum geöffnet ist. Er will bleiben. „Das ist ein öffentlicher Platz, ich versau’ hier nichts und mache nichts kaputt.“ Allerdings gebe es immer wieder „ein paar Bekloppte“, die Schlägereien anzettelten oder andere beklauten, räumt Brandt ein.

Frank H. findet die Idee der Stadt, einen Treffpunkt für alkoholkranke Menschen anzubieten „nicht schlecht gedacht“. Gerade im Winter sei es gut, sich nicht draußen treffen zu müssen. Den Container selbst und vor allem den Standort hält er allerdings für völlig ungeeignet. Schließlich liege direkt gegenüber ein Kinderspielplatz. „Wenn die Kinder die Leute saufen sehen, das ist doch ein schlechtes Vorbild“, sagt der 52-Jährige, den die Sucht seit 30 Jahren begleitet. Eine Ausweichmöglichkeit, um sich nicht mehr mitten in der Stadt treffen zu müssen, fände der Alkoholsüchtige gut. „Hier läuft jeder vorbei, das ist schon auch unangenehm, von allen gesehen zu werden.“ (rud)

Aus dem Archiv: Trinkraum findet in Container Platz

Rubriklistenbild: © Rudolph

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