Botschafter für Reformationsjubiläum

Kasseler TV-Anwalt Posch: „Martin Luther ist ein Vorbild“

Christopher Posch

Kassel. Der TV-bekannte Anwalt Christopher Posch unterstützt als Botschafter das Reformationsjubiläum. Im Interview spricht er über die Bedeutung der Reformation heute.

Der Kasseler gehört zu mehr als 20 Prominenten, die die evangelische Kirche für diese Rolle gewonnen hat – darunter auch Jürgen Klopp und Eckhart von Hirschhausen. Wir sprachen mit Posch über seinen Glauben und die Bedeutung der Reformation und Martin Luthers heute.

Warum werben Sie für das Reformationsjubiläum?

Christopher Posch: Weil es ein Jubiläum ist, das gefeiert und bekannt gemacht werden sollte. Viele Gedanken von Martin Luther sind heute aktueller denn je. Jeden Tag wird uns so viel vorgesetzt an Nachrichten und teilweise falschen News im Internet. Luther hat die Dinge hinterfragt – daran können wir uns ein Beispiel nehmen. Wir sollten uns trauen, selbst zu denken. Gerade wenn es um die einfachen Botschaften geht, die Populisten ihrem Publikum einflüstern wollen.

Was ist also nach 500 Jahren die Botschaft der Reformation?

Posch: Für mich steht die Reformation dafür, dass man die Dinge nicht immer einfach so hinnehmen muss, wie sie sind, sondern aufbegehren sollte, wenn man Fehlentwicklungen bemerkt. Martin Luther war nicht der Einzige, dem Missstände in der Kirche in seiner Zeit aufgefallen sind. Aber er war einer der wenigen, die sich getraut haben, den Mund aufzumachen. Er ist für seine Überzeugungen eingetreten.

Gibt es da auch Bezüge zu Ihrem Beruf als Anwalt?

Posch: Ich habe bewusst einen Beruf gewählt, in dem ich für Minderheiten eintrete, für Menschen, die dem Staat ausgeliefert sind. Ich setze mich gern für diese Menschen ein. In gewisser Weise ist Luther also auch beruflich ein Vorbild für mich. Ich finde, dieser Mann ist bewundernswert – egal, welchen Beruf und welche Religion man hat.

Wieso sind Sie evangelischer Christ?

Posch: Meine Eltern sind evangelisch, und so habe ich mich auch konfirmieren lassen. Ich bin zwar kein überdurchschnittlicher Kirchgänger, aber die Kirche ist mir grundsätzlich wichtig. Viele Leute sagen heute, der Glaube bedeute ihnen nichts. Aber wenn es mal eng wird und sie in einer Notlage sind, sind sie plötzlich schnell bei Gott. Ich finde, wenn man zu Gott spricht, ist das auch ein Sortieren der eigenen Gedanken. Man hört selbst genauer in sich rein.

Beten Sie oft?

Posch: Nicht regelmäßig, aber immer, wenn mir danach ist. Ich finde, es hängt nicht vom Beten oder vom Kirchgang ab, ob man ein guter oder schlechter Christ ist.

Was bedeutet es für Sie, Christ zu sein?

Posch: Mir geht es vor allem ums Menschsein. Und dazu gehören für mich christliche Werte: sich für Schwache einzusetzen, hilfsbereit zu sein, nicht engstirnig und voreingenommen zu sein, jedem Menschen eine Chance zu geben. Solche Werte gibt es nicht nur im Christentum, sondern auch in anderen Religionen. Für mich spielt die Konfession eine Nebenrolle. Am Ende beten wir alle zu demselben Gott.

Sie sind Vater. Wie erklären Sie ihrer zehnjährigen Tochter, was die Reformation war?

Posch: Meine Tochter ist katholisch, wie meine Frau auch. Aber wir haben uns natürlich schon darüber unterhalten, welche Rolle die katholische Kirche zu Martin Luthers Zeit hatte. Das fand sie interessant. Mein Ziel ist aber nicht, irgendwen zu reformieren oder für die evangelische Kirche zu werben.

Für mich haben alle Religionen ihre Berechtigung. Aber was Luther gemacht hat, ist auch für alle interessant, ob Christ, Muslim, Jude oder Atheist. Luther hat seine Meinung gesagt und ist dafür hohe Risiken eingegangen. Das sollte uns daran erinnern, was für ein hohes Gut es ist, dass wir heute frei unsere Meinung äußern dürfen. Viele nehmen das als selbstverständlich hin. Aber Menschen wie Martin Luther haben dafür gekämpft.

Zur Person

Christopher Posch (41) ist als Rechtsanwalt und Fachanwalt für Strafrecht einem bundesweiten Fernsehpublikum bekannt – und unter anderem durch die RTL-Sendung „Ich kämpfe für Ihr Recht“ . Der gebürtige Kasseler hat Jura in Marburg und Köln studiert. Seit 2008 betreibt er mit seinem beruflichen Partner Moritz Frank, seinem Vater und weiteren Anwälten eine Kanzlei in Kassel. Sein Vater Dieter Posch war früher Wirtschafts- und Verkehrsminister in Hessen. Christopher Posch ist verheiratet und hat eine Tochter. In seiner Freizeit treibt er gerne Sport: Boxen, Laufen und Skifahren.

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