Kasseler Verein BOB ist pleite -Insolvenzverfahren abgewiesen

Tilman Roos

Kassel. Die Idee war faszinierend: Besucher von Gaststätten sollten einen aus ihrer Mitte auswählen, der sie sicher mit dem Auto nach Hause bringt - er sollte auf Alkohol verzichten. Auch auf Initiative der HNA wurde die Aktion BOB ins Leben gerufen. Und viele machten mit.

In mancher Kneipe, Gaststätte und Disco bekam der „Bob“ unter den Besuchern alkoholfreie Getränke billiger oder sogar umsonst kredenzt.

BOB in Kassel wird es aber künftig nicht mehr geben. Denn ein unabhängig von den Initiatoren der Aktion gegründeter BOB-Verein ist pleite. 33.000 Euro betragen die Schulden, ein beantragtes Insolvenzverfahren wurde mangels Masse abgewiesen. Die Gläubiger gucken in die Röhre.

Die heutige Vereinsvorsitzende Sandra Sellner hat inzwischen gegen den früheren Vorsitzenden Tilman Roos Strafanzeige wegen Veruntreuung und Unterschlagung von Vereinsgeldern gestellt. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Sandra Sellner: „Zwischen 2009 und 2011 wurde Misswirtschaft betrieben. Es wurde Geld ausgegeben, das der Verein gar nicht hatte.“

So stehe man unter anderem in der Kreide beim Finanzamt wegen nicht gezahlter Körperschafts-, Umsatz- und Kfz-Steuer. Bei der Sparkasse, weil Raten für den Dienstwagen des früheren Vorsitzenden Tilman Roos – ein acht Jahre alter Audi A 6 – nicht bezahlt worden seien, bei Versicherungen, weil für das Auto nicht gezahlt wurde und bei der Stadt Kassel, weil Strafzettel noch offen seien.

Der frühere Vorsitzende Tilman Roos sieht das anders. „Eigentlich ist Bob nicht pleite“, sagt er, und die 33.000 Euro Schulden seien „eine Lüge“. Roos: „Wir haben zwischen 5000 und 7000 Euro Schulden.“ Darüber kann Sandra Sellner nur lachen. Allein der A 6 für Tilman Roos habe im Jahr mehr gekostet, als man einnahm.

Es stimme, dass er einen A 6 als Dienstwagen für den ehrenamtlichen Job gehabt habe, sagt Tilman Roos. Den habe er aber nicht verlangt, sondern man habe ihm das Auto aus Kostengründen gegeben: „Es wurde gesagt, das sei günstiger, als wenn ich jeden Kilometer mit 30 Cent abrechne.“ 23.000 Euro kostete der Wagen, finanziert von der Kasseler Sparkasse.

Sandra Sellner findet es tragisch, dass in Kassel eine gute Idee wie BOB so in den Schmutz gezogen wurde. „Für mich ist die Sache gegessen“, sagt sie. Am 24. Mai gibt es noch eine Mitgliederversammlung.

Von Frank Thonicke

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