Mitglieder zahlen einen Euro im Monat

Kasseler Verein hilft: So bekommen Sie Kontrolle über Ihre Daten

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Wollen mit dem Verein „Wer hat meine Daten“ Nutzern mehr Transparenz hinsichtlich ihrer im Internet umherschwirrenden Daten bieten: (von links) Björn Sänger, Schatzmeister des Vereins, und Lena Justen, stellvertretende Vorsitzende.

Kassel. Wer im Internet aktiv ist, hinterlässt zwangsläufig haufenweise Spuren. Der Verein "Wer hat meine Daten" will Usern die Kontrolle über die eigene Datenspur im Internet zurückgeben.

Online einkaufen und Urlaub buchen, mal eben mit der Kreditkarte oder per Onlineüberweisung zahlen, und schon quillt das Mail-Postfach mit Werbemails über. Wer kann da noch den Überblick darüber behalten, wo man seinen digitalen Fußabdruck hinterlassen hat?

Der neue am Kasseler Science Park ansässige Verein „Wer hat meine Daten“ (WHMD) will seinen Mitgliedern genau diesen Überblick und letztlich die Kontrolle über ihre Daten zurückgeben. Wie das gehen soll, erklären der Unternehmensberater und ehemalige Bundestagsabgeordnete für die FDP, Björn Sänger, Schatzmeister des Vereins, und Lena Justen von der Firma Fino, stellvertretende Vorsitzende von WHMD.

Das Online-Tool

„Was der ADAC für Autofahrer ist, wollen wir für Verbraucher in puncto Datenschutz sein“, beschreibt Sänger die Philosophie des im November gegründeten Non-Profit-Vereins. Digitale Pannenhilfe also. Die Pannen, das sind die Datenspuren, die der Nutzer beim Surfen hinterlässt. Ziel von WHMD ist es, dem Nutzer einen Überblick zu verschaffen, welche Unternehmen im Datendschungel Internet eigentlich welche Informationen von ihm haben und ihm die Möglichkeit zu geben, selbst entscheiden zu können, ob die Unternehmen diese Daten haben dürfen.

Möglich macht dies ein vom Verein entwickeltes Online-Tool. Ein Programm, das sich auf Wunsch merkt, wo der Nutzer wann welche Daten von sich preisgegeben hat – wenn er sich zum Beispiel bei Ebay, Zalando, Amazon oder Facebook registriert – und daraufhin eine Kartei mit einer Übersicht erstellt.

Die Rückwärtssuche

Aktuell kann sich das Tool nur merken, wo der Nutzer ab dem Zeitpunkt der Registrierung bei „Wer hat meine Daten“ Informationen wie Name, Anschrift, Geburtsdatum, Mailadresse, Handynummer und Bankdaten hinterlegt hat. In den kommenden Wochen soll es ein Update ermöglichen, die Kartei auch rückwirkend zu befüllen, also herauszufinden, wo man durch frühere Netzaktivitäten schon mal eine Panne hatte.

Die Kontrolle

Daten sind eine heiß gehandelte Ware im Netz. Björn Sänger drückt es so aus: „Nichts im Internet ist kostenlos, wer nicht real – also mit Geld – bezahlt, zahlt mit seinen Daten.“ Deshalb will der Verein in einem weiteren Schritt bis Sommer seinen Mitgliedern die Möglichkeit bieten, die Pannen selbst zu bereinigen und Einträge über das Tool zu löschen. Dadurch will WHMD dem Nutzer die Kontrolle über seine Daten zurückgeben.

Um Datenspuren zu identifizieren, muss das Tool jedoch wissen, um welche Daten es geht. Deshalb ist für die Nutzung und die Vereinsmitgliedschaft ebenfalls eine Registrierung nötig, bei der der Nutzer Angaben zu sich macht und diese mit einem Passwort verschlüsselt.

Der Verein versichert, dass er keine Möglichkeit hat, auf die Daten und die Kartei der Nutzer zuzugreifen. Sämtliche Prozesse liefen über verschlüsselte Rechner, würden also nicht von Menschen eingesehen, sagt Justen. Da Transparenz nicht nur für die Mitglieder, sondern auch dem Verein wichtig sei, wolle man zeitnah auch den Programmierungscode des Tools zur Einsicht freigeben.

Hintergrund: Darum ist WHMD ein Verein

“Mir geht es vor allem darum, eine Bewegung zu schaffen“, sagt Lena Justen. Eine Bewegung, in der sich die Verbraucher eine Selbstbestimmtheit über die Informationen, die Unternehmen von ihnen haben, zurückholen könnten. Dies sei für „Wer hat meine Daten“ als Verein wesentlich glaubwürdiger zu kommunizieren als als Firma, sagt Justen. 

Das bringe für die Mitglieder auch die gleichen Rechte und Pflichten mit sich, wie in jedem anderen Verein, sagt Björn Sänger. Sie könnten auf Mitgliederversammlungen etwa mitbestimmen, wofür ihre Mitgliedsbeiträge investiert werden sollen.

Service

Für den Mitgliedsbeitrag von einem Euro pro Monat können Interessierte dem Verein „Wer hat meine Daten“ beitreten und das Online-Tool nutzen. Zum Einstieg wird auch eine 30-tägige kostenlose und unverbindliche Testversion angeboten. Aktuell hat „Wer hat meine Daten“ 33 Mitglieder. Das Tool funktioniert bisher nur im Chrome-Browser von Google. In den kommenden Wochen soll es aber auch Versionen für Mozilla Firefox und andere Browser geben. Bis Mitte des Jahres sollen die Updates zur Kontrolle und Verwaltung der eigenen Daten folgen. 

Der Verein ist im Internet unter www.whmd.eu und www.facebook.com/werhatmeinedaten/ zu finden.

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