Schon 120 wurden betreut

Kasseler Verein zeigt Flüchtlingen den Weg zum festen Job

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Gemeinsam an der Werkbank: (von links) Geschäftsführerin Claudia Esposito, Adem Osman Salih, Abrehe Mussie Habtom, Schreiner Karl Becker, Sozialbetreuer Arras Marika, Anter Ali Sino, Sleiman Mohammad und Amir Naif in der Werkstatt im Königstor. 

Kassel. Sie arbeiten täglich mit anerkannten Flüchtlingen. Der Kasseler Verein "Indimaj" hilft den Migranten, sich auf die deutsche Arbeitswelt einzustellen.

Der Kasseler Verein Indimaj bietet anerkannten Flüchtlingen sogenannte Arbeitsgelegenheiten an. Indimaj, das heisst auf Arabisch Integration. Ziel des Vereins ist es, die Migranten auf die deutsche Arbeitswelt vorzubereiten und sie anschließend in ein festes Arbeitsverhältnis weiterzuvermitteln.

Im Mai letzten Jahres wurde der Verein gegründet, mittlerweile haben mithilfe des Vereins bereits sieben Flüchtlinge einen festen Job gefunden. Insgesamt hat der Verein seit seiner Gründung rund 120 Geflüchtete betreut. 

Arras Marika arbeitet als Sozialbetreuer für Indimaj. Marika ist selbst Syrer, wuchs aber in Deutschland auf. „Viele Flüchtlinge können nicht richtig ausdrücken, was sie wollen“, sagt der Sozialbetreuer. Gründe könnten sprachliche oder kulturelle Barrieren sein. Deswegen sei vorteilhaft, dass er und seine Kollegen Persisch, Kurdisch und Arabisch sprechen. „Wir achten aber darauf, dass hier Deutsch gesprochen wird.“

Der Verein bietet montags bis freitags täglich zwei Gruppen an. Morgens treffen sich Frauen, um gemeinsam zu Nähen, Stricken und Backen. Am Nachmittag sind die Männer dran und feilen unter Anleitung von Schreinermeister Karl Becker an ihrem handwerklichen Können.

„Viele der muslimischen Frauen legen hier bei der Arbeit ihre Kopftücher ab. Die getrennten Gruppen machen es uns einfacher, mit den Frauen zu arbeiten, da sie so mehr aus sich herauskommen“, erklärt Marika. Demnächst sei auch eine gemischte Gruppe geplant. Alles was die Flüchtlinge produzieren, wird an Tafeln oder andere soziale Einrichtungen gespendet.

Weg in eigenständiges Leben

Bevor es ans Werken geht, steht jeweils eine halbe Stunde sogenannter Motivationsunterricht an. Dabei geht es um das Leben in Deutschland, Gesetze, Bräuche und Sitten.

„Wir möchten einen Weg aufzeigen, wie ein eigenständiges Leben in Deutschland geführt werden kann“, sagt Marika. Dabei nehmen nicht nur Flüchtlinge an dem Angebot teil, auch Osteuropäer sind dabei. „Wir stehen allen Migranten offen, die neu im Land sind und sich zurechtfinden müssen“, sagt Marika.

Die Teilnehmer der Arbeitsgelegenheiten werden vom Jobcenter Landkreis Kassel ausgewählt, das Jobcenter übernimmt auch die Finanzierung der Arbeitsgelegenheiten. Das Jobcenter Stadt Kassel teilte auf Anfrage mit, dass man einer möglichen Kooperation offen gegenüber stehe.

Unternehmen sind gefordert

Obwohl bereits einige Flüchtlinge in feste Jobs gebracht wurden, gibt es noch Luft nach oben: „Vielen Unternehmen fehlt die Geduld, die nötig ist, um die Migranten einzuarbeiten“, sagt Indimaj-Geschäftsführerin Claudia Esposito. „Dass diese Menschen mehr Zeit und Betreuung bei der Einarbeitung benötigen, ist doch völlig klar“, wirbt Esposito für Engagement der Unternehmen.

Indimaj bietet auch individuelle Beratung für Flüchtlinge bei der Job-Bewerbung an.

Weitere Infos gibt es unter www.indimaj.de oder auf Facebook.

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