100 Beschäftigte demonstrierten auf dem Opernplatz

Kasseler Verkaufspersonal im Streik

+
Kampf für bessere Bezahlung im Einzelhandel: Auf dem Opernplatz demonstrierten rund 100 Mitarbeiter der Branche für ihre Forderungen.

Mit einem ganztägigen Warnstreik haben am Freitag Beschäftigte der Galeria Kaufhof, von Ikea und weiteren Unternehmen ihren Forderungen zur Tarifrunde im hessischen Einzelhandel Nachdruck verliehen.

Die Gewerkschaft Verdi hatte zu einer Kundgebung auf dem Opernplatz aufgerufen, wo sich ab dem Vormittag etwa 100 Teilnehmer versammelten.

Zum größeren Teil waren dies Mitarbeiter des Kaufhofs, wo sich nach Angaben von Betriebsratschef Walter Mayer etwa 90 Prozent der diensthabenden Belegschaft dem Streik angeschlossen hatten. Dennoch hatte das Kaufhaus wie gewohnt ab 9.30 Uhr geöffnet.

„Wir streiken nicht gegen unseren Arbeitgeber“, betonte Mayer dazu. Vielmehr wollten die Kaufhof-Gewerkschafter mit der Aktion ein Beispiel geben, denn in dem Kaufhaus gelte als einer der wenigen Innenstadtgeschäfte noch der Tarifvertrag des Einzelhandels. Etwa zwei Drittel der Handelsunternehmen in der City hätten sich daraus verabschiedet – „Tendenz steigend“, merkte Verdi-Sekretär Manuel Sauer an.

Während der Kundgebung auf dem Opernplatz nannte Sauer als ein Beispiel unter vielen den Warenhaus-Nachbarn C&A, der seinen Angestellten „schon seit Jahr und Tag“ keine Tariflöhne mehr zahle. Mit einem zu geringen Einkommen hätten Mitarbeiter des Einzelhandels keine Chance, einen annähernd ausreichenden Rentenanspruch zu erarbeiten. Vor diesem Hintergrund fordert Verdi, die Stundenlöhne in der Branche um einen Euro anzuheben.

„Ein Euro mehr bedeutet einen Schritt aus dem Prekariat heraus“, sagte die stellvertretende Verdi-Bezirksgeschäftsführerin Gisela Horstmann unter Beifallsjubel und Fahnenschwenken. Meist seien Frauen betroffen; viele langjährige Verkäuferinnen drohten mit Renteneintritt in die Grundsicherung zu rutschen.

Der DGB-Regionalvorsitzende Michael Rudolph sagte, bessere Löhne im Einzelhandel seien auch ein Gebot der Gerechtigkeit: Die Einkommensschere zwischen Industrie- und Dienstleistungsberufen werde immer größer. „Der Zuwachs an Kaufkraft darf nicht am Ladentresen enden“, so Rudolph, er müsse auch bei den Menschen dahinter ankommen.

Dem Warnstreik hatten sich auch etliche Mitarbeiter von Ikea in Waldau angeschlossen. Dadurch dürfte es am Freitag dort zu Engpässen im Lager und in einigen Abteilungen des Möbelhauses gekommen sein, sagte die stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Ute Porwol.

Auch von der Homberger Firma Bettenwelt, regionale Zentrale der Kette „Dänisches Bettenlager“, war eine größere Abordnung zur Kundgebung gekommen. Anschließend formierten sich die Teilnehmer zu einem Demonstrationszug durch die Fußgängerzone.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.