„Kasseler Waffen bringen Tod“

Interview: Dechant Harald Fischer kritisiert Panzerexport von Rheinmetall nach Algerien

Kassel. Der katholische Dechant Harald Fischer kritisiert den geplanten Panzerexport der Firma Rheinmetall nach Algerien. Wie berichtet, will der Kasseler Panzerbauer nicht nur 54 Radpanzer „Fuchs 2“ ins nordafrikanische Land liefern, sondern dort auch eine Fabrik für die Montage von über 900 weiteren Panzern bauen.

Herr Fischer, wieso meldet sich die katholische Kirche in der Sache zu Wort?

Harald Fischer: Die Grundbotschaft der Kirche ist eine universelle: Gottes Liebe gilt allen Menschen auf der Welt. Daher sind Themen, wo Menschenleben und der Frieden bedroht sind, Themen der Kirche. Mit dem Rüstungsexport werden Voraussetzungen geliefert, um Menschenrechte zu unterdrücken und Menschen zu töten. Gerade als Ortskirche in der Stadt, wo die Panzer hergestellt werden, können wir das nicht einfach hinnehmen.

Rheinmetall baut schon lange Panzer - wieso kommt Ihr Widerspruch gerade beim Algeriengeschäft?

Fischer: Die katholische Kirche hat immer wieder gegen die Rüstungsproduktion in Kassel Stellung bezogen. Zuletzt Anfang 2012 mit der Unterstützung der Unterschriftenaktion gegen Waffenexporte. Meine aktuelle Kritik bezieht sich vor allem auf den Export von Waffen außerhalb des Nato-Gebiets. In Algerien werden Menschenrechte verletzt, und das Land gehört zum Pulverfass Naher Osten. In Libyen haben wir zuletzt erlebt, dass deutsche Waffen, die an andere Länder verkauft wurden, auf einmal in Kriegsgebieten aufgetaucht sind. Es ist nicht auszuschließen, dass auch Algerien die Kasseler Panzer weitergibt.

Was fordern Sie?

Fischer: Wir brauchen dringend eine Initiative, die aus der Stadt der Rüstungsproduktion eine Stadt der Rüstungsumwandlung hin zu ziviler Produktion macht. Dafür könnte sie zum Beispiel einen Konversionsbeauftragten ernennen, der eine Ideenkonferenz einberuft, wie die Umwandlung ökonomisch verantwortlich eingeleitet werden kann.

Rheinmetall hat 900 Mitarbeiter in Kassel und ist ein großer Gewerbesteuerzahler. Kann die Stadt es sich leisten, gegen das Unternehmen mobil zu machen?

Fischer: Sollen wir es unseres lokalen Profits wegen gutheißen, dass Waffen hergestellt werden, die Tod und Vernichtung bringen? Das wirtschaftliche Argument ist moralisch nicht vertretbar. Ich möchte ausdrücklich betonen, dass die Kritik nicht die Mitarbeiter von Rheinmetall oder KMW (Krauss-Maffei Wegmann) meint. Sie sind auf ihre Arbeitsplätze angewiesen. Es sind politische Entscheidungen auf nationaler, internationaler, aber auch lokaler Ebene nötig, um Rüstungsexporte zu unterbinden.

Deutschland schickt Soldaten in Krisengebiete. Wie soll deren Sicherheit ohne Rüstungsproduktion gewährleistet werden?

Fischer: Diese Frage zeigt, wo das Grundproblem liegt: Mit der Entsendung von Soldaten in Krisengebiete werden zugleich Aktionen nötig, um diese Soldaten zu schützen. Der Kampf gegen Terrorismus kann aber nicht mit Waffen gewonnen werden, sondern mit dem Einsatz gegen Armut und Ungerechtigkeit. Die Verbesserung der Lebensbedingungen armer Menschen ist eine bessere Strategie als Geld für Panzer, Gewehre und Drohnen.

Planen Sie Protest-Aktionen?

Fischer: Mit der Unterschriftensammlung 2011/12 ist bereits der Appell von 2000 Bürgern an die Stadt und die Parteien ergangen, sich der Diskussion zu stellen. Ich bin überzeugt, dass der Wandel zu ziviler Produktion auf große Zustimmung treffen würde. Dass Kassel mit der documenta ein weltweites Zeichen für die schöpferische Gestaltungskraft des Menschen setzt, während hier gleichzeitig Güter hergestellt werden, die der Tötung und Unterdrückung von Menschen dienen: Das kann nicht das Ende der Diskussion sein.

Von Katja Rudolph

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