150 mobile Aufbereitungsanlagen sind auf dem Weg in das Krisengebiet

Kasseler Wasser-Rucksack rettet Leben auf Philippinen

Produktion auf Hochtouren: Am Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft machen Studentin Katerina Schimani und Christian Fortenbacher, wissenschaftlicher Mitarbeiter, weitere Wasser-Rucksäcke für den Einsatz auf den Philippinen fertig. Foto: Schachtschneider

Kassel. Der Taifun Haiyan auf den Philippinen hat über 4000 Menschenleben gekostet, Hunderttausende sind obdachlos geworden. Eins der drängendsten Probleme in den völlig verwüsteten Regionen ist jetzt die Versorgung der Menschen mit Trinkwasser. Dabei kommt eine Erfindung der Uni Kassel zum Einsatz und hilft, Leben zu retten: der Wasser-Rucksack Paul.

Einige Exemplare der mobilen Wasseraufbereitungsanlage sind bereits im Katastrophengebiet angekommen, bis Ende der Woche werden es 150 sein. Damit können bis zu 60 000 Menschen mit trinkbarem Wasser versorgt werden. So kann der Ausbreitung von Seuchen wie Typhus oder Cholera vorgebeugt werden, die sich häufig durch verunreinigtes Trinkwasser übertragen.

Filter stoppt Keime

Paul (Portable Aqua Unit for Lifesaving = tragbares Wassergerät zur Lebensrettung) ist am Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft unter der Leitung von Prof. Franz-Bernd Frechen speziell für den Einsatz nach Naturkatastrophen entwickelt worden. Der Wasser-Rucksack kommt ohne Energie und Chemie aus und kann auch in entlegenen Gebieten eingesetzt werden. Er wiegt nur 23 Kilogramm, kann von Laien problemlos bedient werden und bereitet täglich 1200 Liter Wasser auf. Herzstück des Geräts ist eine spezielle Filtermembran im Innern. Dabei handelt es sich um eine Art Sieb mit mikroskopisch kleinen Löchern, die zwar Wassermoleküle hindurchlassen, aber keine Krankheitserreger.

Gespendet hat die Rucksäcke für die Philippinen das Hilfswerk der Deutschen Lions, der Transport wird von dem Medikamentenhilfswerk „action medeor“ unterstützt. Weil dort stets 100 Pauls gelagert werden, konnten die lebensrettenden Wasser-Rucksäcke kurzfristig in das Krisengebiet verschickt werden, sagt Dr. Wernfried Schier vom Fachgebiet Siedlungswasserwirtschaft. Eine neue Order von 150 Pauls ist bereits am Fachgebiet eingegangen. In der Werkstatt an der Kurt-Wolters-Straße läuft die Produktion auf Hochtouren.

Wünschenswert wäre, sagt Schier, dass auch vor Ort in den Regionen, die regelmäßig von Wirbelstürmen oder Überschwemmungen bedroht sind, Lager für die lebensrettenden Geräte eingerichtet werden. „Dann könnte die Hilfe künftig noch schneller bei den Betroffenen ankommen.“

Es gibt ein Spendenkonto für den Wasser-Rucksack Paul: World University Service, Stichwort „Paul“, Kontonummer: 72 32 100, BLZ 370 205 00 (Bank für Sozialwirtschaft).

Von Katja Rudolph

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