Angeklagter soll Suizid begangen haben

Missbrauchskomplex Münster: Mann aus Kassel wegen 111 Taten angeklagt

Absperrband umgibt das Grundstück: Der Haupttatort in einer Kleingartenkolonie am Stadtrand von Münster im vergangenen Jahr.
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Absperrband umgibt das Grundstück: Der Haupttatort in einer Kleingartenkolonie am Stadtrand von Münster im vergangenen Jahr.

Der Prozess um den sexuellen Missbrauch von Kindern in Münster ist beendet. Auch ein Mann aus Kassel war beteiligt. Er ist mittlerweile verstorben.

Kassel/Münster – Der Prozess um den sexuellen Missbrauch von Kindern in einer Gartenlaube in Münster ist in dieser Woche zu Ende gegangen. Auch ein Kasseler war beteiligt. Er ist mittlerweile verstorben.

Hohe Haftstrafen und anschließende Sicherungsverwahrung lautet die Strafe für die vier verurteilten Männer. Der Drahtzieher, ein 28-jähriger IT-Techniker aus Münster, muss für 14 Jahre ins Gefängnis. Als das Pädophilen-Netzwerk im vergangenen Frühsommer aufgedeckt worden war, hatte die Polizei auch einen damals 43-jährigen Mann aus Kassel festgenommen. Auch er sollte seinen zwölfjährigen Neffen missbraucht und sich dabei gefilmt haben. Das hatte sich bei der Auswertung einer bereits gelöschten Festplatte ergeben. Die Taten sollen sich in einer Gartenlaube in Münster ereignet haben.

Missbrauchsfall Münster: Angeklagter aus Kassel soll sich das Leben genommen haben

Das Verfahren gegen den zu dem Zeitpunkt noch in Untersuchungshaft sitzenden Kasseler war vom Hauptkomplex abgespalten worden. Nach HNA-Informationen soll der 44-Jährige im Februar Suizid begangen haben. Auf Anfrage heißt es jetzt von einem Sprecher der Staatsanwaltschaft Kassel: Die Staatsanwaltschaft habe im Oktober 2020 vor dem Landgericht Kassel gegen einen damals 44-jährigen Mann aus Kassel Anklage erhoben. Dieser Angeklagte sei mittlerweile gestorben.

Die Obduktion des Toten habe keinerlei Hinweise auf ein Fremdverschulden erbracht. Zu weiteren Einzelheiten der Todesursache könne man wegen des Schutzes der Persönlichkeitsrechte des Gestorbenen keine Angaben machen.

Die Vorwürfe gegen den Mann wogen schwer: Mehrfacher sexueller Missbrauch und schwerer sexueller Missbrauch von Kindern, teilweise auch mit sexuellem Missbrauch von Schutzbefohlenen. Außerdem soll der Mann Kinderpornos erstellt haben. Auch Vergewaltigung sowie die Förderung sexueller Handlungen Minderjähriger wurden ihm vorgeworfen. 111 Taten standen in der Anklage. Termine für die Hauptverhandlung gab es noch nicht.

Missbrauchskomplex: 107 Taten sollen sich in Kassel ereignet haben

Nach dem Tod des Beschuldigten am 3. Februar wurde das Verfahren am 17. Februar vom Gericht eingestellt. 107 der Taten sollen zwischen September 2017 und Mai 2020 stattgefunden haben. In dieser Zeit soll der Mann seinen damals neun- bis zwölfjährigen Neffen in seiner Wohnung in Kassel missbraucht haben.

Einige Handlungen soll er zudem in Bildern und Videos festgehalten haben. Weil der Neffe möglicherweise bei einigen dieser Handlungen geschlafen hatte, hatte nicht nur der Vorwurf des sexuellen Missbrauchs, sondern auch der Vergewaltigung bestanden. Einige der Dateien soll der Beschuldigte dann dem Haupttäter aus Münster zur Verfügung gestellt haben.

Angeklagter aus Kassel soll Urlaub auf Sylt mit Drahtzieher verbracht haben

Weiter hieß es in der Anklage, dass der im Frühjahr gestorbene Angeklagte aus Kassel und der Drahtzieher aus Münster 2019 einen Urlaub auf Sylt verbracht hatten. Dorthin hatten der Kasseler seinen Neffen und der Mann aus Münster einen damals neunjährigen Jungen mitgenommen. Einige Tage später soll der Münsteraner in Kassel ein Hotelzimmer für sich angemietet und der Angeklagte seinen Neffen dorthin gebracht haben. Im Hotel soll es schließlich zu weiteren sexuellen Handlungen gekommen sein.

Im Juli 2019 reiste der Kasseler mit seinem Bekannten und zwei weiteren Männern nach Mallorca. Auch dort waren nach Angaben der Staatsanwaltschaft die beiden Kinder dabei, ebenso bei einem Aufenthalt in Willingen. Vier weitere Taten, die im Frühjahr 2020 stattgefunden haben sollen, betreffen einen damals zehnjährigen Freund des Neffen. Dem 44-Jährigen wurde hier vorgeworfen, die Kinder aufgefordert zu haben, sexuelle Handlungen an sich auszuführen, was er im Bild festgehalten hatte. (Kathrin Meyer)

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