Rundgang im Internet

Der Märchen-Weihnachtsmarkt in Kassel findet doch statt – eben virtuell

Der Kasseler Märchen-Weihnachtsmarkt findet – wie so vieles in diesem Jahr – nicht statt. So kann man trotzdem einen Rundgang mit Büdchen-Tour machen.

Kassel – Sie vermissen es, in der Adventszeit über den Kasseler Weihnachtsmarkt zu bummeln? Na, dann gehen Sie doch hin! Man braucht nicht mal Schal, Mütze und dicke Jacke anzuziehen für den Rundgang zwischen den Büdchen. Ab sofort kann der Märchenweihnachtsmarkt online besucht werden. Auf der neuen Internetplattform mein-weihnachtsmarkt.com ist der Kasseler Markt als erster bundesweit online gegangen.

Die Idee für das Projekt hatte Reiner von Aerßen, der mit seinem Mützenhaus seit vielen Jahren auf dem Kasseler Weihnachtsmarkt präsent ist. Schon beim ersten Lockdown im März habe er nach einer Alternative suchen wollen, falls die Märkte im Dezember coronabedingt nicht stattfinden könnten, sagt der 49-jährige aus Kempen (Nordrhein-Westfalen). So tat er sich mit einem Programmierer und einem Illustrator zusammen und kreierte – auch mit tatkräftiger Unterstützung von Kassel Marketing – eine Webseite, die vom Stil an die bei Kindern beliebten Wimmelbücher erinnert.

Wie ein Wimmelbild: Auf der Internetseite „Mein Weihnachtsmarkt“ kann man allen detailgetreu nachgezeichneten Buden einen virtuellen Besuch abstatten.

Kassel: Märchen-Weihnachtsmarkt findet virtuell statt

Detailgetreu sind dort mit Königsplatz, Friedrichsplatz und Opernplatz alle drei Standorte des Kasseler Marktes anwählbar und die einzelnen Stände zu entdecken, die unter normalen Bedingungen dort stehen würden.

Per Klick auf den jeweils individuell nachempfundenen Stand öffnet sich ein Fenster, in dem die Betreiber einen Eintrag machen konnten. So können die virtuellen Besucher Kontakt mit ihrem Lieblingsstand aufnehmen oder werden direkt auf eine Webseite oder einen Onlineshop verwiesen – oder aber auf eine echte Verkaufsstelle außerhalb des Weihnachtsmarkts. Einige Händler haben etwa Stände auf einem Wochenmarkt oder vor Einkaufszentren oder Möbelhäusern außerhalb der Innenstadt.

Nicht nur der Märchenweihnachtsmarkt wurde abgesagt, auch der Artistenzirkus Flic Flac, der für viele in Kassel zur Weihnachtszeit dazu gehört, pausiert in diesem Jahr wegen Corona.

Märchen-Weihnachtsmarkt in Kassel: Dieses Jahr im Internet

Wer einen Standbetreiber unterstützen will, kann mit ein paar Klicks per Online-Zahlungsdienst auch einen virtuellen Glühwein ausgeben – sprich: eine Spende überweisen – und sinnbildlich auf bessere Zeiten anstoßen.

„Die Situation ist für uns alle katastrophal“, sagt Reiner von Aerßen, der ausschließlich von der Weihnachtssaison lebt und nun hofft, dass wenigstens über seine Webseite muetzenhaus-shop.de ein wenig Umsatz reinkommt. Es gehe aber nicht in erster Linie darum, Existenzen zu retten, betont der Händler, sondern vor allem darum, „Solidarität zu erfahren“.

Wenn Kunden eine nette Botschaft hinterlassen und schreiben, dass sie im nächsten Jahr wieder da sein werden, „dann wissen wir, dass wir nicht vergessen sind“, sagt van Aerßen. Auch solche moralische Unterstützung sei in diesen Zeiten viel wert. Ziel sei nicht nur, dass möglichst viele Schausteller und Standbetreiber überleben, sondern auch der Weihnachtsmarkt als Kulturgut: „So ein Markt ist ja nicht nur eine Kaufinsel, sondern ein Treffpunkt, ein stimmungsvoller Begleiter in der schönsten Zeit des Jahres.“

In diesem Jahr gibt es die Buden des Kasseler Weihnachtsmarktes nur virtuell. (Symbolbild)

Kasseler Märchen-Weihnachtsmarkt dieses Jahr digital

Andrea Behrens von Kassel Marketing als Veranstalter des Weihnachtsmarkts ist begeistert vom virtuellen Weihnachtsmarkt. Die Plattform biete die Chance, dass Besucher, Standbetreiber und Veranstalter auch in Coronazeiten miteinander in Kontakt bleiben. Aber auch, wenn der Markt im nächsten Jahr hoffentlich wieder unter normalen Bedingungen stattfinden könne, biete die Seite einen Mehrwert – etwa, indem Besucher sich vorab einen Überblick über den Markt verschaffen oder unabhängig von einem Besuch ihren Lieblingsstand kontaktieren können.

Reiner van Aerßen hofft nun, das weitere der rund 2500 Weihnachtsmärkte bundesweit dem Kasseler Beispiel folgen und er noch vielen Standbetreibern zu Besuchern verhelfen kann – zumindest virtuell. (Katja Rudolph)

Wegen Corona wurde der Kasseler Weihnachtsmarkt abgesagt. Dasselbe Schicksal ereilten auch andere Weihnachtsmärkte in der Region, wie beispielsweise in Hann. Münden.

Rubriklistenbild: © Pia Malmus

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