Anfänge im 18. Jahrhundert am Altmarkt

250 Jahre Geschichte: Kasseler Weihnachtsmarkt ist älter als Königsplatz

+
Weihnachtsmarkt nach dem Krieg in Kassel: Dieses historische Bild zeigt den Weihnachtsmarkt unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg am Friedrichsplatz.

Kassel. Der Kasseler Weihnachtsmarkt ist in der Vorweihnachtszeit fester Bestandteil des Stadtbildes. Dabei befand er sich längst nicht immer auf Friedrichs- und Königsplatz.

In seiner über 250-jährigen Geschichte sind die Schausteller mit ihren Marktbuden viel in der Stadt umhergewandert. Ein Rückblick.

Ursprünglich befanden sich die Buden des sogenannten Christmarktes noch auf dem Altmarkt. Nachdem Landgraf Friedrich II. im Jahr 1767 – vor nun genau 250 Jahren – den Königsplatz bauen ließ, zog dieser dorthin um. Bis zu 100 Buden standen schon damals auf dem Königsplatz, dessen Mitte ein kleiner Wald aus jungen Tannenbäumen zierte.

Angeboten wurden an den Ständen beispielsweise Honigkuchen, Pfeffernüsse, Weihnachtsäpfel und getrocknete Zwetschen. Feilgeboten wurden auch vergoldete Ruten, die viele Eltern für ihre Kinder unter den Baum legten.

In Kassels guter Stube blieb der Markt dann auch viele Jahrzehnte bis um das Jahr 1900. Es war die Zeit, als die elektrischen Straßenbahnen schließlich die Dampfbahnen ablösten.

Weihnachtliche Stände vor dem Fridericianum: Diese Aufnahme entstand in der Vorkriegszeit.

Die neue Heimat des Christmarktes wurde der Meßplatz. Dieser befand sich am damaligen Meßhaus, das wiederum 1904 für das heutige Rathaus abgerissen wurde. Abermals musste der Weihnachtsmarkt ausweichen und fand nun am Ständeplatz statt.

Zeitgenossen berichteten kurz nach dem Ersten Weltkrieg, dass der Weihnachtsmarkt am Ständeplatz nicht besonders attraktiv war. Die Poesie, die der Markt noch auf dem Königsplatz verbreitet habe, sei verschwunden, beklagten sie in Leserbriefen an damalige Zeitungen. Und so kam es, wie es kommen musste: Die Händler wechselten erneut den Standort.

1930er-Jahre: Diese Aufnahme zeigt den Weihnachtsmarkt am Friedrichsplatz in Kassel. Im Hintergrund ist schemenhaft das alte preußische Staatstheater zu sehen.

Ab 1929 schlugen die Marktbeschicker und Schausteller auf dem Friedrichsplatz ihre Zelte auf. Aber auch dort war nicht Endstation: In den 1950er-Jahren dienten zunächst der Karlsplatz und später der Messeplatz (heute steht dort die wiederaufgebaute Unterneustadt) als Kulisse. Von 1959 bis 1968 fiel der Weihnachtsmarkt in Kassel komplett aus, dann folgte ein vierjähriges Intermezzo am Entenanger.

Erst 1972 zog der Weihnachtsmarkt zurück auf den Friedrichsplatz. 23 Schausteller machten den Anfang: Schon damals boten sie die ganze Bandbreite von Speckkuchen und Zuckerwatte über Holzarbeiten aus dem Erzgebirge bis hin zu Haushalts- und Spielwaren.

Weihnachtsmarkt am Entenanger in Kassel: Dieses Bild entstand im Jahr 1971. Vier Jahre lang fand der Kasseler Weihnachtsmarkt am Entenanger statt.

Seit 1985 gibt es den Weihnachtsmarkt, wie wir ihn heute kennen: Auf Friedrichs- und Königsplatz. Die Schausteller hatten sich diese Ausweitung seinerzeit gewünscht und über Jahre geplant.

Eine Attraktion in Kassel: Viele Jahre lang landeten zum Weihnachtsmarkt auf dem Friedrichsplatz der Nikolaus, der Weihnachtsmann und die Lichterkönigin mit dem Hubschrauber.

Von den 1980er-Jahren bis Anfang der 2000er-Jahre gehörten Hubschrauberlandungen auf dem Friedrichsplatz zum alljährlichen Spektakel rund um den Weihnachtsmarkt. Dem Hubschrauber entstiegen abwechselnd Nikoläuse, Weihnachtsmänner und Lichterköniginnen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.