Modellversuch zur Abgabe von Cannabis

Kasseler will Haschisch-Club gründen

Mike Freidank

Kassel. Der Kasseler Mike Freidank will einen Cannabis Social Club in der Stadt gründen. Dahinter verbirgt sich die Idee, die Droge auf legalem Anbau- und Vertriebsweg an die Konsumenten zu bringen. Am Dienstag will er das Vorhaben dem Eingabeausschuss der Stadt vorstellen.

In Spanien, den Niederlanden und Belgien gibt es solche Clubs bereits. Deren volljährige Mitglieder haben die Erlaubnis, für den Eigenbedarf Hanfpflanzen anzubauen, zu verarbeiten und in begrenzter Menge (ein Gramm pro Tag soll abgegeben werden) zu konsumieren.

Auf diese Weise werde den kriminellen Vertriebsstrukturen der Drogenhändler der Boden entzogen, sagt Freidank, der mit seiner Frau Melanie ein Geschäft für Hanfbedarf an der Neuen Fahrt führt. Kämen Jugendliche erst mit Drogenhändlern in Kontakt, würden sie über diese Kanäle oft verunreinigtes Haschisch und auch stärkere Drogen angeboten bekommen.

Neben einer Schwächung der Drogenkriminalität habe ein solcher Club weitere Vorteile: Die Cannabisabgabe erfolge zum Selbstkostenpreis an registrierte Mitglieder. „Niemand wird damit Profit machen. Auch für mein Geschäft ergibt sich daraus kein Vorteil“, sagt Freidank. Er werde vermutlich sogar weniger Produkte, beispielsweise Wachstumslampen, verkaufen.

Die Gefahr, dass durch einen Cannabis-Club Menschen zum Konsum verführt werden, sieht er nicht. „Wer Haschisch konsumieren will, der konsumiert es auch ohne Erlaubnis der Stadtverordneten.“ Ein Verbot mache Cannabis erst interessant. Die Erfahrung zeige, sobald eine Substanz im Ruf ist, gefährlich zu sein, steige die Nachfrage. Der geplante Club solle nicht beworben werden und an einem gesicherten Ort beheimatet sein.

Freidank wünscht sich vom Eingabeausschuss eine objektive Beurteilung seines Vorschlags. Eine wissenschaftliche Begleitung des Modellversuchs hält er für sinnvoll. Es sei klar, dass Cannabiskonsum im Straßenverkehr nichts zu suchen habe. Haschisch sei aus seiner Sicht aber nicht gesundheitsschädigender als Alkohol und Zigaretten, die überall zu kaufen seien.

Der Eingabeausschuss tagt am 29. Oktober ab 17 Uhr öffentlich im Magistratssaal.

Hintergrund: Gesetzliche Bestimmungen

Ohne Genehmigung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte sind Anbau, Herstellung, Handel, Einfuhr, Ausfuhr, Abgabe, Veräußerung, sonstige Inverkehrbringung, Erwerb und Besitz von Cannabis in Deutschland verboten. Eine Genehmigung kann nur zu wissenschaftlichen oder anderen im öffentlichen Interesse liegenden Zwecken erteilt werden.

Deshalb fordert Mike Freidank die Stadt auf, für seinen Modellversuch eine Ausnahmegenehmigung beim Bundesinstitut zu beantragen. Der Konsum von Betäubungsmitteln ist in Deutschland nicht verboten. Er gilt als Selbstschädigung, die straffrei ist. Es ist von Richtern anerkannt, dass man Drogen konsumieren kann, ohne sie erworben zu haben. (bal)

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