Kasseler Windplaner in der Wüste aktiv

Voruntersuchung mit 50 Meter hohem Rohrmast: Mitarbeiter der Kasseler Firma Cube Engineering am Standort eines künftigen Windparks in der jordanischen Region Tafila. Ab 2014 sollen an dieser Stelle 38 Windräder eine elektrische Leistung von 114 Megawatt liefern. Fotos: Cube Engineering

Kassel. Stefan Chun weiß, woher der Wind weht bei der Nutzbarmachung erneuerbarer Energie: Während Technikproduzenten wie SMA unter dem Druck asiatischer Billigkonkurrenten stöhnen, ist die Energiewende für Chuns Unternehmen Cube Engineering reine Kopfsache.

Aus der Ein-Mann-Firma, die der Elektroingenieur 1991 nach seinem Studium in Kassel gegründet hat, ist ein weltweit gefragtes Beratungsbüro für Windenergieprojekte und andere grüne Energiequellen geworden, das inzwischen 69 Mitarbeiter beschäftigt und 6 Millionen Euro Jahresumsatz macht.

„Wir verkaufen keine bestimmten Produkte – wir helfen, Ideen zu verwirklichen“, beschreibt der 46-Jährige das Geschäftsmodell. Wie dies funktioniert, kann man im Nahoststaat Jordanien verfolgen. Dort konzipiert Cube einen Windpark mit 38 Propellern, der 2014 in Betrieb gehen soll.

Die Anlage wird die erste überhaupt im Land sein. Jordanien muss 95 Prozent seines Energiebedarfs durch Importe decken, ist aber seit den Wirren des Arabischen Frühlings von billigen Gaslieferungen aus Richtung Ägypten abgeschnitten. Seither müsse Erdöl in Kraftwerken verfeuert werden. „Das ist für die wahnsinnig teuer“, sagt Stefan Chun.

Die EU und die Weltbank gäben Geld, um Abhilfe durch selbst erzeugten Windstrom zu schaffen. Da in Jordanien niemand weiß, wie das funktioniert, kommen die Kasseler Spezialisten ins Spiel: Sie klären Standort- und Behördenfragen, konzipieren die passende Technik, überwachen den Anlagenbau und steuern zunächst auch den Betrieb, bis sich die Partner vor Ort auskennen.

Stefan Chun

Auch in Kenia und Südkorea ist Cube Engineering aktuell mit ähnlichen Projekten befasst. Seit den Anfängen vor 22 Jahren hat die Firma 4000 Anlagen in über 50 Ländern mit einer Gesamtleistung von 15 Gigawatt ans Netz gebracht. Neben Windkraft gehören inzwischen auch Solarenergie, Netztechnik und weitere Disziplinen der grünen Energieerzeugung zum Angebot.

Der Bedarf nach solcher Beratung wächst laut Chun – und das zunehmend auch auf dem heimischen Markt: Wurden bis 2011 etwa 80 Prozent des Umsatzes im Ausland erzielt, habe sich das Verhältnis seit den deutschen Anstrengungen für eine Energiewende in Richtung 50 zu 50 verschoben. Auch in Nordhessen ist Cube an einigen Windkraftprojekten beteiligt – etwa bei den Stadtwerken Wolfhagen oder privaten Investoren aus der Landwirtschaft.

Ansonsten ist das Kundenspektrum von Cube breit gefächert: Energiekonzerne wie RWE, Vattenfall und BP gehören dazu, nationale Energieministerien sowie Technikhersteller wie Siemens und Enercon.

Um dem Wachstum Rechnung zu tragen, soll laut Geschäftsführer Chun der Firmensitz in einem früheren Gebäude der Deutschen Bahn an der Breitscheidstraße 6 in Kürze aufgestockt und auf die doppelte Raumkapazität erweitert werden. Bis 2015 will die Kasseler Beratungsfirma, die Niederlassungen in Hamburg und Hannover unterhält, auf 120 Mitarbeiter anwachsen.

Von Axel Schwarz

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