Für Nobelpreisträger-Tagung ausgewählt

Kasselerin forscht zu Signalwegen in Zellen

Pseudonomas-Keimen auf der Spur: Dr. Daniela Bertinetti im Labor der Biochemie. Foto: Rudolph

Kassel. Der Pseudonomas-Keim ist in Kassel seit vorigem Sommer allgemein bekannt: Das gesundheitsgefährdende Bakterium war im Wasser des Auebads nachgewiesen worden, weshalb sich die Eröffnung des nagelneuen Bads um mehrere Wochen verschob.

Dr. Daniela Bertinetti vom Fachgebiet Biochemie der Uni Kassel hantiert regelmäßig mit den Botenstoffen dieser Keime. Die 35-Jährige spricht mit einem Augenzwinkern von „meinen Tierchen“.

Die wissenschaftliche Mitarbeiterin untersucht die Wege der Informationsübertragung in den Zellen. „Das Pseudonomas-Bakterium hat die Besonderheit, dass es sich in eine Art Schleimmantel einhüllt, sodass Antibiotika keine Angriffsfläche haben“, erklärt sie. Dem Botenstoff, der zur Schleimproduktion führt, ist Bertinetti auf der Spur. Würde man ihn finden, ergäben sich neue Ansatzpunkte für die Behandlung von Pseudonomas-Infektionen.

Ende Juni lässt die Kasselerin ihre Freundchen im Labor ein paar Tage allein: Sie wurde als eine von weltweit 550 exzellenten Nachwuchswissenschaftlern zur Nobelpreisträger-Tagung in Lindau eingeladen (siehe Hintergrund). Dort kommt die Kasselerin mit 37 Nobelpreisträgern zusammen – zwei auch aus ihrem Forschungsbereich (Edmond Fischer, Ferid Murad). „Dort dabei sein zu dürfen, ist schon eine große Motivation für die eigene Arbeit“, sagt die 35-Jährige, die aus dem Ruhrgebiet stammt und mit dem Labortechniker Oliver Bertinetti verheiratet ist, der ebenfalls am Fachgebiet arbeitet.

Selbst träumt die Biochemikerin nicht von einem Nobelpreis. „Wenn man so weit kommen will, darf es rechts und links der Wissenschaft gar nichts mehr geben.“ Bertinetti schätzt aber die Vielfalt ihrer Arbeit an der Uni. „Ich mag die Mischung aus Forschung und Lehre und lasse mich gern inspirieren durch die Fragen der Studenten.“

Antrieb ist für die Wissenschaftlerin nicht die Jagd nach Preisen, sondern der Wunsch, Krankheiten besser zu erforschen. Sie ist auch beteiligt an Forschungsprojekten zu Parkinson, Diabetes und Malaria. „Bei allen Krankheiten läuft etwas bei der Signalübertragung in der Zelle falsch. Aber wir wissen noch nicht genau, was“, sagt Bertinetti. Sie und ihre Kollegen untersuchen ein bestimmtes Enzym, das für den Informationsfluss zwischen den Zellen eine wichtige Rolle spielt. Tritt dort ein Fehler auf, ist die gesamte Signalübertragung gestört. „Solange man den Fehler selbst nicht kennt, kann die Medizin nur die Folgen behandeln“, weiß Bertinetti. Sie hofft, mit ihrer Forschung einen Baustein dazu beizutragen, dass später eine bessere Behandlung oder sogar Heilung möglich ist.

Von Katja Rudolph

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.