Einsatz für Migranten

Kasselerin für Ehrenamtspreis nominiert

Eine Frau, die etwas bewegt: Die Kasselerin Ümmühan Ciftci (23) setzt sich für bessere Bildungschancen von Migrantenkindern ein und ist für die „Goldene Bild der Frau“ nominiert. Foto:  Bild der Frau / nh

Kassel. Sie ist 23 Jahre alt, als Kind türkischer Eltern in der Kasseler Nordstadt aufgewachsen und wird ihre Geschichte schon bald vor einem Millionenpublikum im Fernsehen erzählen.

Ümmühan Ciftci gehört zu den fünf bemerkenswerten Frauen, die für den Preis der größten Frauenzeitschrift Europas nominiert sind. Das ist die „Bild der Frau“ aus dem Springer-Verlag mit einer wöchentlichen Auflage von knapp einer Million Exemplaren. Die Zeitung zeichnet seit 2006 außergewöhnliche Frauen für ihren ehrenamtlichen Einsatz aus.

Ümmühan Ciftci ist so eine Frau. Sie hat gegen einige Widerstände Abitur gemacht und eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Die angehende Ärztin, die in Marburg Medizin studiert, gilt als Musterbeispiel für gelungene Integration. Dafür hat sie schon als Kind gekämpft.

„Ohne Bildung ist Integration sehr schwierig.“

Ümmühan Ciftci

Ihre Klassenlehrerin an der Carl-Anton-Henschel-Schule hatte sie trotz guter Noten nicht für das Gymnasium empfohlen. Ümmühan ließ sich nicht entmutigen, biss sich am Goethegymnasium durch und legte mit einem Notenschnitt von 1,4 ein hervorragendes Abitur hin. In die Wiege war ihr das nicht gelegt. Ihre Mutter hat sich Lesen und Schreiben selbst beigebracht, der Vater ist Maurer. „Trotzdem haben sie mir und meinen vier Geschwistern vorgelebt, dass Bildung unsere Zukunft ist und uns immer unterstützt“, sagt Ümmühan.

Die Studentin strotzt vor Energie und hat damit schon als 19-Jährige beeindruckt. „Das ist eine sehr starke Frau“, sagte der damalige Bundespräsident Horst Köhler nach einer Diskussionsrunde im Schloss Bellevue. Um Aufstieg und Bildung ging es damals. Als Vorzeigetürkin gehörte Ümmühan, die auch Mitglied des hessischen Integrationsbeirats war, zu den geladenen Gästen. Die HNA hat darüber berichtet. „Ümmühan ist auf dem Weg nach oben“, lautete damals die Überschrift.

Erst Nachhilfe, dann Verein

Andere, die mehr Unterstützung brauchten, hat sie nicht vergessen. Noch während der Schulzeit gab sie Migrantenkindern unentgeltlich Nachhilfe. „Ohne Bildung ist Integration sehr schwierig“, sagt sie. Viele eingewanderte Eltern hätten Probleme mit der deutschen Sprache und seien kaum in der Lage, ihren Kindern während der Schulzeit zu helfen. Auch deshalb hat Ümmühan vor drei Jahren den Verein „Integreater“ gegründet.

In dem engagieren sich junge Leute aus Migranten-Familien. Menschen wie Ümmühan, die schon etwas auf die Beine gestellt haben und anderen als Ratgeber und Mutmacher zur Seite stehen. Sie bezeichnen sich als Leuchttürme, die dabei helfen, den Weg durch den Bildungsdschungel zu finden. 90 Ehrenamtliche machen schon mit. Bedarf gibt es mehr als genug. Unter den jüngeren Einwanderern bis 35 hat ein Drittel keinen Berufs- oder Schulabschluss. Darüber kann man lamentieren oder etwas tun. Ümmühan hat sich entschieden.

Von Thomas Siemon

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