Zeitzeugin Elisabeth Klemme erzählt

Zeitzeugin erinnert sich an Bombenangriffe vor 70 Jahren

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Stark beschädigt: Bei den Bombenangriffen vor 70 Jahren wurden auch die Werkshallen von Fieseler am Flughafen Waldau getroffen.

Kassel. „Das darf doch nicht in Vergessenheit geraten“, sagt die 87-jährige Elisabeth Klemme. Sie meint damit die ersten großen Tagesangriffe der Amerikaner vor 70 Jahren auf Kassel. Am 28. und 30. Juli 1943 kamen im Kasseler Osten fast 200 Menschen ums Leben.

Zu den Opfern hätte um ein Haar auch Elisabeth Klemme gehört. Sie hieß damals noch Zimmermann, war auf einem Bauernhof in Großenritte aufgewachsen und half im Betrieb des Waldauer Landwirts Konrad Scherb. Auf dem Gelände, auf dem heute die Messehallen stehen, hat sie morgens Erbsen geerntet. Ein wunderschöner Tag mit viel Sonne und blauem Himmel sei dieser 28. Juli gewesen, erinnert sich Elisabeth Klemme.

Erinnert sich noch ganz genau: Elisabeth Klemme.

Als ein junger Soldat von der nahe gelegenen Flak-Station zu ihr kam und sie eindringlich vor einem Großangriff warnte, habe sie das gar nicht glauben wollen. Bisher hatte es nur nachts Bombenalarm gegeben. Den hörte sie zwar, doch erst als wirklich Flugzeuge von Westen über dem Herkules zu sehen waren, wurde ihr die Gefahr bewusst. Immer tiefer seien die Bomber geflogen.

„Die sahen aus wie Silbervögel“, sagt sie. Und dann ging alles ganz schnell. Bombenangriffe hatte sie schon häufiger erlebt, doch noch nie das Pfeifen einer Bombe gehört, die ganz in der Nähe vorbeizischte. Elisabeth Klemme warf sich flach auf den Boden, hörte die Flak schießen und sah die Erdfontänen, wenn Bomben auf dem Acker aufschlugen. Nach der ersten Welle sprang sie auf ihr Fahrrad und flüchtete zur Bahnhofsgaststätte in Waldau.

Jugendfoto: Elisabeth Klemme mit 17 Jahren.

Dort saß sie mit anderen zitternd im Keller, wurde mehrfach durch den Druck von Detonationen hin- und hergeworfen und hatte furchtbare Angst. „Wer bis dahin nicht beten konnte, der hat es gelernt“, sagt sie. Mit knapper Not kam sie davon und hatte zwei Tage später fast noch mehr Glück. Kurz vor diesem Angriff war sie auf einem Kartoffelfeld und flüchtete diesmal schnell zum Haus des Bauern. Das wurde zwar getroffen, sie und die übrigen Hilfskräfte überlebten aber. „Oft frage ich mich, warum ich so viel Glück hatte und andere nicht“, sagt Elisabeth Klemme.

Zwei Jahre nach Kriegsende heiratete sie ihren vor zehn Jahren verstorbenen Mann Wilhelm Klemme. Im Obstbau und mit der Konservenfabrik ist das ein bekannter Name in der Region.

Mehr Infos

Alles zur Bombennacht finden Sie in unserem Themen-Spezial und im Regiowiki.

Elisabeth Klemme lebt in Grebenstein / Schachten, hat fünf Kinder, zwölf Enkel, 13 Urenkel und arbeitete neben dem Haushalt als Prokuristin. Bis heute kann sie kein Feuerwerk sehen und hören, ohne dass die Angst von damals wieder hochkommt.

Von Thomas Siemon

GuestAntwort
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@BlackSun84, man sollte schon etwas mehr wissen!
Coventry war eine Rüstungsstadt mit etwa 300000 Einwohnern.
Die Zahl der Toten betrug bei 2 Angriffen über 1200.
Jaja, die bösen Faschisten, welche alle mitgemacht haben!
http://de.wikipedia.org/wiki/C..., hier steht mehr, warum soll ich das alles schreiben.
Wer's wissen will, kann's lesen!
Außerdem soll Churchill das Ziel gewußt haben.
Churchill war ein ganz Übler, der hat auch die Lusitania auf Grund schicken lassen, der wollte die USA im Krieg haben!
Und der hat den Karlspreis bekommen! :-((

GuestAntwort
(2)(0)

Ursache und Wirkung. Die Deutschen haben Hitler unterstützt und bekamen die Quittung. Sicher, was konnten Kleinkinder und Frauen dafür? Aber so ist nunmal Krieg, Kinder aus Warschau oder Coventry waren auch unschuldig und verbrannten im deutschen Bombenhagel - und gerade für Coventry war Dresden die Rache.

moiaussi
(4)(0)

Einer Tante von mir ist es auch nicht möglich Luftschauen oder Flugkunstvorführungen bzw. Flugtage zu besuchen. Das Geräusch eines herabschnellenden Propellerflugzeuges erweckt bei ihr grauenvolle, traumatische Erinnerungen. Als sie während des Krieges mit ihrer Mutter in einem Personenzug unterwegs war wurde dieser durch amerikanische Tiefflieger angegriffen. Sie berichtet selten darüber, weil es sie so emotional mitnimmt. Sie sagt immer: Wie die Geisteskranken hätten sie angegriffen. Ohne Gnade und Rücksicht. Sie wären so angeflogen, dass die Bordwaffen die Wagons von vorn bis hinten in Fensterhöhe bestrichen hätten. Selbst als es dem Lokomotivführer noch gelungen war den Zug in einen Tunnel einzufahren, flogen die Tiefflieger die Tunneleingänge an und schossen mit ihren Bordwaffen von vorn in den Tunnel, so dass dieser mit hunderten von Querschlägern erfüllt gewesen wäre. In einem anderen Fall war ihre Schulklasse das Ziel eines Tieffliegers. Durch das geistengegenwärtige Handeln des Lehrers waren aber zum Glück keine Opfer zu beklagen.

In wenigen Jahren werden Schilderungen der Kriegserlebnisse von Zeitzeugen aus unserem persönlichem Umfeld der Vergangenheit angehören...

Kommentare

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