Zähneputzen geht auch ohne Bürste

Kasselerin hat ein Zahnreinigungssystem für pflegebedürftige Menschen entwickelt

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Keine Bürsten mehr notwendig: Olga Schikurski ist die Entwicklerin von „Oralite“, das aus einem Mundstück (vorne) und einer Station besteht. Mit Wasser, Ultraschall und rotem Licht kann das System die Zähne reinigen. 

Eines Abends putzte Olga Schikurski ihre Zähne. Dabei fragte sich die Kasselerin plötzlich, wie sich eigentlich Menschen mit Behinderungen der Arme um ihre Zahnpflege kümmern. Inspiriert von dieser Frage, entwickelte die 28-Jährige ein automatisches Zahnpflegesystem.

Mit ihrem automatischen Zahnpflegesystem hat die 28-jährige Kunsthochschulstudentin in diesem Jahr den Hessischen Staatspreis für Universelles Design gewonnen.

Mit einer Zahnschiene, die für den Nutzer individuell hergestellt wird und mit einer Station verbunden ist, lassen sich die Zähne ganz ohne Bürste putzen. „Das Mundstück wird auf die Zähne gesteckt und durch leichtes Zubeißen aktiviert. Dadurch wird der Mundraum zunächst mit Wasser ausgespült. Durch eine Ultraschallbehandlung lösen sich zudem Plaque und Essensreste“, erklärt Schikurski, die Produktdesign studiert hat. Anschließend werden die Zähne mit einer Flüssigkeit benetzt, die bei Bestrahlung mit rotem Licht Sauerstoffe freisetzt, die die Bakterien abtöten. Mit einem letzten Spülen und einer Ultraschallbehandlung wird verbliebene Plaque ausgespült und die Zähne sind gereinigt. 

Schikurski, die ihr Gerät namens „Oralite“ als Diplomarbeit bei der Kunsthochschule Kassel im vergangenen Jahr ausgearbeitet hat, hat bei ihrer Recherche Pflegeheime besucht und mit Ärzten und Betroffenen gesprochen. „Ein an Parkinson erkrankter Mann erzählte mir, dass das Zähneputzen mit einer Bürste für ihn unmöglich sei. Bei elektrischen Bürsten wurde sein Zittern nur noch verstärkt“, sagt Schikurski. 

Dazu komme in Pflegeheimen das Zähneputzen oft zu kurz: „Bei einem Bewohner dauerte das Putzen nur 15 Sekunden. Die Pflegekräfte haben einfach viel zu wenig Zeit und können es nicht gar schaffen, den Bewohnern eine angemessene Zahnhygiene zu gewährleisten“, sagt Schikurski.

Mit der neuen Erfindung habe man beide Hände frei und einen festen zeitlichen Ablauf. So sei das System nicht nur für Menschen mit Behinderungen interessant, sondern auch für Personen, die während der Zahnpflege mit ihren Armen andere Dinge erledigen möchten.

Zur Zeit sucht Schikurski nach Kooperationspartnern, die ihr dabei helfen, das Projekt zu unterstützen. Das Zahnpflegesystem müsste noch in Zusammenarbeit mit Ingenieuren und Medizinern weiterentwickelt und verschiedenen Tests unterzogen werden, ehe es frei erhältlich wäre. Wie viel „Oralite“ kosten würde, kann Schikurski nicht genau sagen. „Die Station könnte rund 200 Euro kosten“, schätzt sie. Ein einzelnes Mundstück sei hingegen für 50 Euro zu haben. „Ein Mundstück würde bis zu fünf Jahre halten. Eine Station auch mit mehreren Mundstücken innerhalb einer Familie verwendet werden“, sagt Schikurski, die hinzufügt: „Bislang war die Resonanz sehr positiv.“

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