Magazincover, Werbeverträge, Paparazzi

Sultans Lieblingsfrau: Wie eine Kasselerin zum Fernsehstar wurde

+
Von der Sklavin zur Ehefrau: Als „Hürrem“ erobert Meryem Uzerli in der türkischen TV-Serie „Muhtesem Yüzyil“ das Herz des Sultans Suleyman mit einem hinterlistigen Plan.

Kassel. Sie ist die wohl berühmteste Kasselerin im arabischen Raum: Meryem Uzerli. Mit ihrer Rolle in der türkischen Fernsehserie „Muhtesem Yüzyil“ gelang ihr der Durchbruch als Schauspielerin - Magazincover, Werbeverträge und Paparazzi-Belagerung inklusive.

So wie ihre Serienfigur „Hürrem“ Sultan Suleyman den Prächtigen (Halit Ergenç) eroberte, spielte sich die 30-Jährige rasch in die Gunst des Publikums. Mehr als 20 Millionen Zuschauer verfolgten jede Woche, wie sie als rothaarige Femme fatale zunächst als Sklavin an den osmanischen Hof gebracht wird und schnell zur Lieblingsfrau des Sultans aufsteigt.

Die TV-Serie

Muhtesem Yüzyil („Das prächtige Jahrhundert“) spielt im Osmanischen Reich des 16. Jahrhunderts und erzählt die Geschichte des Sultans Suleyman des Prächtigen. Über 200 Millionen Zuschauer in 52 Ländern verfolgen die wöchentlich ausgestrahlten Episoden. Wegen der Darstellung von Vielweiberei und Sklaverei stieß die Serie bei konservativen Gruppen auf Empörung. Sie demonstrierten gegen den Sender.

Mittlerweile hat sich Meryem Uzerli nicht nur von ihrer roten Lockenpracht getrennt, sondern auch nach drei Jahren ihren Ausstieg aus der Serie bekannt gegeben. „Das Arbeitspensum war unwahrscheinlich hart“, sagt die Schauspielerin, die im vergangenen Jahr in ihre Wahlheimat Berlin zurückgekehrt ist. Pro Staffel seien zehn Monate am Stück gedreht worden, erst danach habe es zwei Monate frei gegeben. „Gerade für Familienbesuche in meiner Heimatstadt Kassel war das irgendwann zu wenig“, sagt Meryem Uzerli.

Aufgewachsen ist die Tochter einer deutschen Lehrerin und eines türkischen Gesellschaftswissenschaftlers mit ihren drei Geschwistern in Kassel-Bad Wilhelmshöhe. Dort besuchte sie die Waldorfschule, wo ihr schauspielerisches Talent rasch erkannt und gefördert wurde.

Lesen Sie auch:

Meryem Uzerli im Regiowiki

„Mit 14 Jahren lag ich nach einer Blinddarm-Operation im Klinikum Kassel zufällig neben der Dramaturgin des Kulturhauses Dock 4“, erinnert sich Uzerli. Nach langen Gesprächen mit ihr habe sie gefühlt, dass die Schauspielerei ihre Berufung sei. Von den 700 D-Mark, die sie sich schließlich als 17-Jährige auf der Krebsstation des Krankenhauses verdiente, leistete sie sich Unterricht bei der Dramaturgin. Mit 17 Jahren begann sie als jüngste Schülerin an der Hamburger Schauspielschule Frese.

Die berühmten Locken sind ab: Nach ihrem Serienausstieg wagt Meryem Uzerli auch optisch einen Neustart.

„Das Umfeld, in dem ich mich bis dahin bewegt habe, war komplett deutsch geprägt“, sagt die Schauspielerin. Istanbul kannte sie bis dato nur aus Familienurlauben, und Türkisch lernte sie trotz der väterlichen Bemühungen nie sprechen. Dennoch entschied sie, sich für die Rolle der „Hürrem“ zu bewerben. Mit Erfolg: Die Sprachprobleme waren nicht hinderlich, sondern von den verantwortlichen Produzenten sogar erwünscht. Die Kasselerin setzte sich im Casting gegen 2000 Konkurrentinnen aus aller Welt durch und zog innerhalb von 24 Stunden von Deutschland nach Istanbul.

Trotz ihres Serienausstieges will Meryem Uzerli eine Rückkehr in die Türkei nicht ausschließen. „Meine Heimat aber ist Kassel“, erklärt sie. „Es ist der Ort, wohin ich immer wieder zurückkehre.“

Von Emily Spanel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.