"Sie weiß über meine Schöpfung mehr als ich"

Kasselerin Ylva von Löhneysen ist Beraterin des Fantasy-Bestseller-Autors Tad Williams

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Verstanden sich auf Anhieb: Bestsellerautor Tad Williams und die Kasselerin Ylva von Löhneysen.

Kassel. Dass der Bestseller-Autor und Star der Fantasy-Literatur, der amerikanische Autor Tad Williams, am Freitagabend in der Buchhandlung am Bebelplatz aus seinem neuesten Buch liest, ist vor allem Ylva von Löhneysen zu verdanken. 

Die Kasselerin ist ein Fan der ersten Stunde. 1994 hatte sie ihrem Vater zum Geburtstag Williams ersten Band seiner Osten-Ard-Trilogie „Der Drachenbeinthron“ geschenkt, es dann aber – noch bevor der Vater überhaupt darin blättern konnte – selbst verschlungen, wie sie sagt.

Fortan war Ylva von Löhneysen infiziert. „Tad Williams ist für mich der intelligenteste, poetischste, smarteste und fesselndste Autor, den ich kenne. Außerdem ist er ein ganz feiner Mensch.“

Heute ist die 47-Jährige eine von weltweit zwei „official consultants“, also offiziellen Beratern des Besteller-Autors. Sie hat sämtliche seiner rund 20 Bücher wiederholt gelesen. Tad Williams ist von Ylva schwer beeindruckt. Im Nachwort seines neuesten Werks „Die Hexenholzkrone“ attestiert er der Kasselerin, dass sie „über jedes erwartbare und vermutlich auch zumutbare Maß“ hinausgegangen sei, um zur Entstehung des Buchs beizutragen“.„Ja, Ylva weiß mehr über meine Schöpfung als ich selber“, schwärmt er. Sie habe ihm geholfen, die Moral und die Seitenproduktion hochzuhalten.

Tatsächlich war Ylva von Löhneysen neben Williams’ Frau, der Schriftstellerin Deborah Beale, und seiner Agentin die erste, die das 745-Seiten-Opus, die 30 Jahre später ansetzende Fortsetzung des Welterfolgs „Das Geheimnis der großen Schwerter“ gelesen hat. „Es hat mich komplett geflasht. Und verraten durfte ich niemandem etwas.“

Lesen stand am Anfang der ungewöhnlichen Zusammenarbeit. Nachdem Ylva von Löhneysen an Williams Werken Feuer gefangen hatte, ergab es sich, dass sie ihrem Idol nach und nach immer näher kam. Zuerst im Internet, wo Williams unter anderem über ein Message-Board, eine Informations-Plattform, einen intensiven Austausch mit seinen Lesern pflegt. Der Kontakt im Netz schwappte ins reale Leben, als sich Autor und Fan 2002 während einer Signierstunde in Köln persönlich kennenlernten. Beim anschließenden Bier ging das Gespräch über die Literatur hinaus schnell ins Persönliche. „Da war sofort ein enger Draht zwischen uns“, sagt Ylva von Löhneysen.

Als sie später ihre Schwester, die in San Francisco lebt, besuchte, war klar, dass sie in Kalifornien auch bei Tad und seiner Familie vorbeischaute.

Ihre wachsende Freundschaft war stets von Ylvas Kompetenz und Sachkenntnis geprägt. Als Tad Williams beschloss, die Fortsetzung von „Das Geheimnis der großen Schwerter“ zu schreiben, wurde Ylva von Löhneysen für ihn zur wichtigen Beraterin. Denn sie, so war der Autor überzeugt, kannte die Details seiner Bücher – die er, einmal veröffentlicht, nicht mehr wiederlas – besser als er selber. Und er hatte recht. Dass ein bestimmtes Schmuckstück silbern statt golden war – Ylva fielen solche „Fehler“ sofort auf. „Ich bin ein echter Leser“, sagt sie bescheiden.

Studiert hat die verheiratete Mutter von zwei elf und 15 Jahre alten Töchtern Geschichte und Psychologie und für ihren Beruf als Freiwilligenmanagerin beim Nachbarschaftsverein Piano brenne sie, sagt sie.

Aber dass sie jetzt von Williams deutschem Verlag Klett-Cotta einen ersten kleinen Lektoren-Auftrag bekommen hat, mache sie überglücklich. „Was gibt es Schöneres, als sich mit seiner Leidenschaft beschäftigen zu können. Bei mir ist es das Lesen.“

Die Lesung am Freitag ist ausverkauft.

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