Polizei und Verbände warnen: Gefahr für den Straßenverkehr

Kassels Autofahrer vergessen das Blinken

Kassel. Viele Autofahrer in Kassel blinken nicht ordnungsgemäß. Das erklären auf HNA-Anfrage das Polizeipräsidium Nordhessen, der ADAC Hessen-Thüringen, die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) sowie die Fahrlehrervereinigung Hessen.

 „Wir beobachten, dass in vorgeschriebenen Situationen oftmals nicht geblinkt wird“, sagt Wolfgang Jungnitsch, Pressesprecher der Polizei Nordhessen. Dies könne schnell zu Missverständnissen im Straßenverkehr führen, so Jungnitsch. Udo Sellner ist im Vorstand der Fahrlehrervereinigung Hessen mit Sitz in Kassel. Der Fahrlehrer ist sich sicher, es werde mittlerweile „definitiv weniger geblinkt“.

Auch Heide-Marie Hamdad, Pressesprecherin der KVG, bestätigt die „schlechte Blinkmoral“, die dem Fahrpersonal von Bussen und Trams mitunter zu schaffen mache.

Susanne Martin vom ADAC berichtet, dass laut einer Untersuchung des Automobilclubs nur rund zwei Drittel der Autofahrer regelmäßig den Blinker benutzten. Im Stadtgebiet würden demnach 45 Prozent der Verkehrsteilnehmer den Spurwechsel nicht anzeigen.

Fahrer häufig zu bequem

Besonders häufig vergessen Autofahrer laut Polizei das Setzen des Lichtzeichens beim Anfahren vom Fahrbahnrand oder beim Befahren einer abknickenden Vorfahrtsstraße.

Als Gründe, den Hebel hinter dem Lenkrad nicht zu betätigen, kommen für Sprecher Jungnitsch vor allem Bequemlichkeit oder Gedankenlosigkeit in Frage. Alle Befragten sind sich einig, dass die „Blinkmuffel“ eine Gefahr für den Straßenverkehr darstellen. „Diese Disziplinlosigkeit führt unbestreitbar zu Unfällen und Beinahe-Zusammenstößen“, sagt Hamdad. Jungnitsch stellt klar: „Man kann nicht alle Autofahrer über einen Kamm scheren.“

Fahrlehrer Sellner und seine Kollegen versuchen, den Fahrschülern das Blinken richtig beizubringen, um der Blink-Verdrossenheit in Kassel vorzubeugen.

Hintergrund

Wer nicht blinkt, zahlt zehn Euro

Der Blinker heißt korrekt Fahrtrichtungsanzeiger. Er ist laut Polizeisprecher Jungnitsch ein wichtiges Kommunikationsmittel im Straßenverkehr und soll anderen Verkehrsteilnehmern frühzeitig eine Fahrtrichtungsänderung anzeigen. Wann zu blinken ist, regelt die Straßenverkehrsordnung: Etwa bei Fahrstreifenwechsel, Überholen und Einscheren, Abbiegen, Verlassen eines Kreisverkehrs sowie Ausfahren aus einer Parklücke. Die Vorgänge sind „rechtzeitig und deutlich anzukündigen“.

Wer nicht blinkt, riskiert ein Verwarnungsgeld von zehn Euro. Jungnitsch betont: Sollte dadurch ein Unfall verursacht werden, können auch straf- und zivilrechtliche Folgen drohen. (Hof)

Von Matthias Hoffmann

Archiv-Video: Nicht-Blinken bereitet auch Schulkindern Probleme

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