Einer der bundesweit ältesten Feuerversicherer

Kassels Brandkasse wird 250 Jahre alt - und überlebte Krisen und Kriege

Sitz der Brandkasse bis zu seiner Zerstörung im Oktober 1943: das damalige Gebäude Kölnische Straße 46. Heute steht hier ein Neubau, rechts davon das in den 70er-Jahren errichtete Hochhaus Fotos: Sparkassenversicherung/nh

Kassel. Die Brandkasse Kassel feiert am 27. April ihr 250-jähriges Bestehen. Damit gehört das 2004 in der SV Sparkassenversicherung aufgegangene Unternehmen zu den ältesten in Nordhessen und bundesweit zu den ältesten Feuerversicherern.

Sie hat zahlreiche politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umwälzungen, Fürsten, Könige und Kaiser sowie eine Reihe von Krisen und Kriegen überstanden: Ende des Monats feiert die Brandkasse 250. Geburtstag und präsentiert sich als größter Gebäudeversicherer in den angestammten Geschäftsgebieten Hessen, Thüringen, Baden-Württemberg und Teilen von Rheinland-Pfalz.

Als der Landgraf von Hessen-Kassel Friedrich II. (1720 bis 1785) am 27. April 1767 die „Fürstlich-Hessische General-Assekurations Societaet“ – kurz „Brand-Cassa“ – in Kassel gründete, hatte er nicht nur das Wohl seiner Untertanen, sondern vor allem auch sein eigenes im Sinn. Denn durch verheerende Brände verarmten in jener Zeit viele Menschen – und fielen „abgebrannt“ für lange Zeit oder für immer als Steuerzahler aus. Geführt und verwaltet wurde die „Brand-Cassa“ von landgräflichen Beamten.

Landgraf Friedrich II.

Sie überstand die napoleonische Besatzungszeit ab 1806, in der Hessen-Kassel dem Königreich Westfalen zugeschlagen wurde, ebenso wie die preußische Regentschaft ab 1866. Unabhängig davon kaufte die Brandkasse 1828 ein Haus am Friedrichsplatz. Ab 1884 firmierte sie in „Hessische Brandversicherungsanstalt Kassel“ um. Um diese Zeit setzte sich der Begriff „Brandkasse“ im Sprachgebrauch durch und wird bis heute verwendet. 1885 zog sie an den Ständeplatz. 1934 erwarb die Feuerversicherung das Gebäude Kölnische Straße 46, das noch heute Sitz des Nachfolge-Unternehmens ist. Allerdings wurde der damals prächtige Bau in der Bombennacht vom 22. auf den 23. Oktober 1943 vollständig zerstört und erst 1949/50 wiederaufgebaut – in der damals schlicht-funktionalen Bauweise.

Hochhaus „Langer Hans“

Von 1972 bis 1974 schließlich wurde das benachbarte Hochhaus errichtet, das wegen des damaligen Brandkassen-Direktors, Hans Mangold im Volksmund schnell den Namen „Langer Hans“ bekam. 2014 verkaufte der Rechtsnachfolger der Brandkasse, die SV Sparkassenversicherung, den Brandkassen-Anteil an dem Gebäude an die Kommunalen Versorgungskassen (Kurhessen-Waldeck (KVK), nutzt es aber weiterhin als Mieter.

1994 fiel das seit 1829 geltende Monopol auf Feuerversicherungen, worauf auch die Brandkasse ihr Geschäft auf andere Bereiche ausdehnte.

Durch die Erweiterung des Geschäftsgebiets im Zuge der deutschen Wiedervereinigung und der Fusion von vier Brandversicherern in Hessen und im nassauischen Teil von Rheinland-Pfalz (1997) sowie zuletzt 2004 mit der Sparkassenversicherung Baden-Württemberg entstand schließlich das heutige Gebilde unter dem Dach der Sparkassen-Finanzgruppe. In ihrem angestammten Geschäftsgebiet gehört die SV zu den Platzhirschen der Branche und ist bei Gebäudeversicherungen die Nummer eins.

Heute residiert die Brandkasse in der Kölnischen Straße 42-46. Das architektonisch auffällige, markant rote und mit Designpreisen bedachte Gebäude wurde 2011 bis 2013 für 13 Millionen Euro komplett renoviert und aufgestockt. Es ist eines von sechs SV-Niederlassungen.

Festakt zum Jubiläum

Die Brandkasse/SV Sparkassenversicherung begeht das seltene Jubiläum am 27. April mit einem großen Festakt im Ständehaus am Ständeplatz, zu dem unter anderem Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier, der Vorstandschef der Sparkassenversicherungg, Ulrich-Bernd Wolff von der Sahl, der für Kassel zuständige Vorstand Dr. Klaus Zehner sowie Kassels Oberbürgermeister Bertram Hilgen erwartet werden. Höhepunkt der Feierlichkeiten ist am Nachmittag die Enthüllung einer Skulptur vor dem Hochhaus , die der Künstler Stefan Geyer aus dem alten Schriftzug der Brandkasse hergestellt hat. Dadurch soll die Brücke von der Vergangenheit zur Gegenwart geschlagen werden. Denn für viele Kasseler und Nordhessen heißt die Brandkasse noch immer so. Im Anschluss daran geht es zum benachbarten Kulturbahnhof, wo im Südflügel ein großes Mitarbeiterfest stattfindet.

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