Hessen-Forst stellt alle Arbeiten ein

Kassels Eichwald gilt ab sofort als schützenswert

Bettenhausen. Hessen-Forst stellt seine Arbeiten im Eichwald in Bettenhausen ein. Der gilt nämlich künftig als „Kernfläche Naturschutz“ - und wird so zum Urwald.

Die Umwidmung erfolgt im Rahmen der seit August 2010 geltenden Naturschutzleitlinie für den hessischen Staatswald.

Praktisch hat die Umwidmung zunächst wenig Konsequenzen für die Rolle des Eichwaldes als Naherholungsziel. Der Wald wird weiterhin für Spaziergänge auf eigene Gefahr nutzbar sein. Einzige Änderung: Die Waldwege werden künftig nicht mehr professionell gepflegt. „Der Eichwald im Kasseler Osten ist schon seit mindestens 30 Jahren ein kaum genutzter Wald“, sagt Uwe Zindel, Leiter des Forstamtes Wolfhagen. Jedoch habe dieser Status bislang immer nur vorläufig Gültigkeit gehabt.

„Durch die Umwidmung wird das 24 Hektar große Areal aus Gründen des Naturschutzes nun dauerhaft aus der forstwirtschaftlichen Nutzung herausgenommen“, sagt Zindel. Für Hessen-Forst sei damit sicher, dass die Waldwege nicht mehr benötigt würden. „Somit wird für uns auch deren Pflege überflüssig.“

Allerdings heiße das nicht, dass nun alle Wege zwangsläufig zuwuchern müssten, obwohl das aus Sicht des Naturschutzes sinnvoll sei. „Wir sind bereit, einen Teil des Wegenetzes im Eichwald durch eine private Bürgerinitiative weiter pflegen zu lassen“, sagt Zindel. Infrage kämen dafür der zentrale Weg durch den Wald (Waldsportpfad) sowie die Querverbindung vom Grillplatz an der Eichwaldstraße bis hinauf zum Sportplatz.

Alle übrigen Wege wie der alte Waldlehrpfad sollten aber künftig von der Pflege ausgenommen werden. Rechtlich ziehe die Umwidmung für Waldbesucher keine Änderungen nach sich. Auch künftig gelte: „Der Wald kann und darf zum Zweck der Erholung auf eigene Gefahr genutzt werden“, sagt Zindel. Fällt also jemandem ein morscher Ast auf den Kopf, gibt es keinen Haftungsanspruch.

Ziel sei es, das Waldstück als Naturschutz-Kernfläche zu etablieren. „Der Eichwald ist der Urwald von morgen“, sagt Zindel. Schon jetzt mute der Forst sehr urwüchsig an. Im Baumbestand wachsen über 280 Jahre alte Eichen und weit über hundertjährige Buchen. Vor allem wegen dieser alten Bäume leben dort seltene Tiere, die streng unter Schutz stehen – die Hohltaube, einige Fledermausarten und als Besonderheit der Eremit (siehe unten).

Um diese Arten dauerhaft zu schützen, „setzen wir das fort, was wir im Eichwald ohnehin schon seit Jahrzehnten machen – wir nutzen ihn nicht“, sagt auch Bereichsleiter Dieter Schorbach. Lediglich die Waldränder entlang des Fasanenweges und der Eichwaldstraße seien bislang aus Gründen der Verkehrssicherheit gepflegt worden. „Das wird auch weiterhin passieren“, sagt Zindel.

Von Boris Naumann

Der Eremit: Holzspezialist steht unter Schutz

Der Eremit ist ein in Deutschland sehr selten gewordener Käfer. Er ist bis zu vier Zentimeter lang und zwei Zentimeter breit. Das unauffällig lebende Insekt steht in der FFH-Richtlinie unter strengem Schutz. Die Weibchen legen bis zu 80 Eier in alte Bäume. Die Larven sind sehr anspruchsvoll. Sie fressen nur Mulm. Mulm ist von Fäulnis und Pilzen zerfressenes Holz. Es wird nur Mulm in noch lebenden und stehenden Bäumen akzeptiert.

Die Tiere wählen gern Mulm-Höhlen in etwa 6 bis 12 Metern Höhe. Für solche Höhlen müssen die Bäume eine gewisse Dicke und ein Alter von mindestens 150 bis 200 Jahren haben. Genau solche Bäume, vor allem Eichen, gibt es noch im Eichwald. Einige von ihnen sterben altersbedingt allmählich ab. Jedoch wachsen dank der extensiven Nutzung genügend älter werdende Bäume nach, sodass der Eremiten-Bestand im Eichwald wohl noch Jahrzehnte gesichert ist. (bon)

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