Kassels Ex-Baurat Lohse erntet als Bremer Umweltsenator heftige Kritik

Entscheidungsschwach und politisch unerfahren: So lautet die Analyse der Arbeit des Bremer Umweltsenators Joachim Lohse im Weser-Kurier. Foto: Koch/Archiv

Kassel / Bremen. Neue Stadt, alte Probleme: In Kassel gab es am Ende der kurzen Amtszeit des Stadtbaurats Dr. Joachim Lohse nicht viele in Verwaltung und Politik, die den Grünen-Politiker lobten. Seit Juni 2011 ist Lohse Umweltsenator in Bremen. Auch dort stößt er auf Kritik.

„Der glücklose Senator“ lautet die Überschrift eines Artikels in der Zeitung Weser-Kurier. Die Vorwürfe gleichen jenen, die in Kassel laut wurden: Kommunikationsprobleme, politische Unerfahrenheit, Entscheidungsschwäche. Schon beim Amtsantritt Lohses in Kassel hatten Kritiker moniert, der Chemiker und Umweltfachmann sei nicht in der Lage, ein Baudezernat zu führen. Lohse hatte entgegnet, er sehe sich als Moderator von Prozessen in der Stadt, fachliche Probleme würden von Experten in seinen Ämtern gelöst. Diesem Anspruch ist er nicht immer gerecht geworden.

Als große Fehler seiner 16-monatigen Amtszeit gelten aus Sicht der mit den Grünen regierenden SPD sowie der Opposition die Verzögerung beim Umbau der Altmarktkreuzung aufgrund von mangelhafter Abstimmung mit dem Land sowie eine Reihe von Pannen bei der Einführung des Fahrradleihsystems.

Im Weser-Kurier heißt es über Lohse, „kaum ein Projekt geht störungsfrei über die Bühne. Konflikten geht der Ressortchef nach Möglichkeit aus dem Weg. In der vergangenen Legislaturperiode war die Politik der Grünen lange der Motor der Koalition. Heute ist davon - bis auf die Einrichtung einer Fahrradzählstelle - kaum noch etwas zu spüren“.

Im Kasseler Rathaus und unter den Stadtverordneten kursieren Kopien des Artikels aus dem Weser-Kurier, die Analyse stößt auf großes Interesse. In seiner Bremer Behörde stifte Lohse „Unfrieden und Enttäuschung“, ist dort zu lesen, die Stimmung sei nicht gut im Amt. Von „politischen Ohrfeigen“ durch den Koalitionspartner SPD wird berichtet, wenn der Senator sich mit nicht abgestimmten Vorschlägen zu Mobilitätskonzept und Müllgebühren vorwagte und diese von den Genossen kassiert wurden. Die Amtsführung des Umweltsenators werde rings um den Bremer Marktplatz - dort steht das Rathaus - mit Kopfschütteln quittiert.

Auch in der Fraktion der Grünen in Bremen bekomme „man langsam eine leichte Ahnung davon, dass etwas schiefläuft“, heißt es im Weser-Kurier. Das wurde am Ende von Lohses Amtszeit in Kassel auch von den hiesigen Grünen kolportiert - nach 16 Monaten stand nicht mehr jeder hinter Lohse. Sein Wechsel nach Bremen war allerdings ein Aufstieg: Vom Behördenchef in einer Großstadt zum Senator im Stadtstaat und damit Landesminister. (hai)

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