Trend zur Urnenbestattung sorgt für viele freie Flächen

Kassels Friedhöfe nicht mehr ausgelastet: Wieder freie Wahl bei Grab

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Freie Flächen: Jürgen Rehs, Leiter der Friedhofsverwaltung, betrachtet die sich ausdünnenden Grabreihen im nördlichen Teil des Hauptfriedhofs.

Kassel. Noch vor 30 Jahren gab es auf Kassels Friedhöfen akuten Platzmangel. Heute gibt es immer mehr freie Flächen.

Für die Menschen in Kassel hat das erst mal positive Folgen: Aufgrund der entspannteren Platzverhältnisse ist kürzlich die sogenannte Wohnsitzbeschränkung aufgehoben worden. Bisher galt, dass nur Bewohner des Stadtteils Anspruch auf eine Bestattung auf dem zugehörigen Friedhof hatten. Jetzt kann jeder Kasseler frei wählen, auf welchem Friedhof er seine letzte Ruhe finden möchte. Auch ein Rothenditmolder kann beispielsweise in Wehlheiden beigesetzt werden - und umgekehrt.

Der Platzbedarf für Grabstätten auf dem Hauptfriedhof und den 13 Stadtteilfriedhöfen ist in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Deshalb müssen die Friedhöfe in den kommenden Jahrzehnten voraussichtlich deutlich verkleinert werden. Wenig nachgefragte Stadtteilfriedhöfe könnten womöglich sogar ganz aufgelöst werden.

Von den insgesamt 95 Hektar Friedhofsflächen sind aktuell etwa 15 Hektar ungenutzt, schätzt Jürgen Rehs, Leiter der Friedhofsverwaltung. Bis 2020 werden es voraussichtlich 20 Hektar sein – also mehr als ein Fünftel der Friedhofsflächen. 20 Hektar entsprechen der Größe von 28 Fußballfeldern.

Ein Grund für den wachsenden Flächenüberhang ist vor allem der Trend zur Urnenbestattung. Während früher die meisten Verstorbenen im Sarg beigesetzt wurden, liegt der Anteil der Urnenbeisetzungen heute bei 64 Prozent. Für einen Urnengrab ist nur ein Drittel der Fläche einer Erdbestattung nötig. Zum anderen entscheiden sich immer mehr Menschen - inzwischen über 20 Prozent - für alternative Bestattungsformen außerhalb Kassels, zum Beispiel See- oder Waldbestattungen. Bei den rund 2300 Sterbefällen in der Stadt fanden zuletzt 1600 Beisetzungen auf den städtischen Friedhöfen statt. Zum Vergleich: 1980, als noch nahezu alle Verstorbenen auf den städtischen Friedhöfen beigesetzt wurden, gab es noch 2800 Bestattungen.

„Wenn man über die Friedhöfe geht, dann sieht man schon, dass es sich ausdünnt“, sagt Rehs. Die Lücken treten allerdings verstreut auf. Ziel des Kasseler Friedhofausschusses ist es, neue Bestattungen künftig auf bestimmte Friedhofsbereiche zu konzentrieren, sodass zusammenhängende freie Flächen entstehen. Wie diese dann künftig genutzt werden, steht noch nicht fest.

Im Landkreis rechnen die Kommunen derzeit nicht mit einem drastisch sinkenden Platzbedarf auf den Friedhöfen.

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