Umbau entzweit Anlieger

Baustelle Friedrich-Ebert-Straße: Vorfreude auf Boulevard, Ärger über Umsatzrückgang

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Von der Baustelle betroffen: Asena Akbas vom Kosmetikstudio Anezra an der Friedrich-Ebert-Straße. Die Kunden kommen nur noch über eine Brücke in das Kosmetikstudio. Ihre Chefin spürte schon in der ersten Bauphase 2013 einen Umsatzrückgang.

Der am Dienstag wieder aufgenommene Umbau der Friedrich-Ebert-Straße entzweit die Anlieger: Viele freuen sich auf den bis 2015 entstehenden Boulevard, aber etliche Geschäftsleute wissen nicht, wie sie bis dahin über die Runden kommen sollen. Wir sprachen mit Betroffenen.

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Kassel. Es ist ein Uhr mittags und im Imbiss „Mr. Thai“ wartet Oyunsukh Purevdorj-Battefeld auf hungrige Kunden. Vor der Tür ihres Geschäfts an der Friedrich-Ebert-Straße ist der Gehweg aufgerissen. „Mit der Baustelle ist es ganz schön schwierig. Die Laufkundschaft bleibt weg“, sagt die gebürtige Mongolin.Vergangenes Jahr, als die erste Bauphase lief, seien ihre Umsätze um 50 Prozent eingebrochen.

Die Imbissbetreiberin bat bei ihrem Vermieter um eine Mietminderung. Ohne Erfolg. Die Hoffnung auf einen schönen Boulevard Ende 2015 bringe ihr jetzt nichts, wo sie ihre Kosten decken müsse.

Ganz ähnlich sieht es Gabriele Klein, die nebenan „Ihr Sonnenstudio“ betreibt. „Viele meiner Kunden kommen von außerhalb“, sagt Klein. Wegen der aktuellen Parkplatznot vermieden es viele, in die Stadt zu fahren. Auch Gül Yaman vom Kosmetikstudio „Anezra“ spürt einen Kundenrückgang. Sie sei froh, wenn die Baustelle vorbei sei.

„Diese monatelange Baustelle vernichtet Arbeitsplätze.“

Schuhmacher Wilfried Grulke, der 50 Meter weiter Schuhe repariert, findet noch deutlichere Worte: „Diese monatelange Baustelle vernichtet Arbeitsplätze. Letztes Jahr hatte ich 54 Prozent weniger Umsatz“, sagt Grulke. Schon jetzt stünden etliche Ladenflächen leer. Als Beispiele nennt er die ehemaligen Geschäftsräume von Uhrmacher Busse, Heidis Blumenlädchen und des Golfladens Ballgreen, der jetzt im Königstor zu finden ist.

Ganz anders sieht es der Leiter der Komödie, Markus Exner: „Wir freuen uns auf den Boulevard. Natürlich gibt es Lärm, Krach und weniger Parkplatz, aber dafür ist es hinterher umso schöner.“ Der Theaterleiter, der von München nach Kassel kam, ist Schlimmeres gewöhnt. Die Kasseler sollten mal in München Parkplätze suchen, dann wären sie für die Verhältnisse in ihrer Stadt dankbar. Exner räumt aber ein, dass er verglichen mit anderen Anliegern nicht auf Laufkundschaft angewiesen sei.

Dass es kompliziert ist, die Anlieger der Friedrich-Ebert-Straße zu erreichen, davon kann DHL-Paketzusteller Sven Teske ein Lied singen. Er brauche wesentlich mehr Zeit für seine Arbeit, weil er die Geschäfte nicht mehr direkt anfahren könne. „Augen zu und durch“, lautet seine Devise.

Von Bastian Ludwig

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