Geldquelle sprudelt bald

Der weite Weg zum Langen Feld: Kassels letzter Gewerbepark wird nun gebaut

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Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel gehört zu den Befürwortern des Gewerbegebiets Langes Feld.

Kassel. Das Lange Feld im Süden Kassels ist das letzte Areal, das die Stadt in ein Gewerbegebiet verwandeln kann. Umweltschützer kritisieren das Projekt heftig. Die Stadt hingegen sagt, dass es die Zukunft Kassels sichere.

Aufbruchstimmung herrschte, als am Mittwoch Oberbürgermeister Bertram Hilgen und Stadtkämmerer Dr. Jürgen Barthel (beide SPD) auf dem noch rapsgrünen Langen Feld zum Spatenstich antraten.

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Allein Stadtbaurat Christof Nolda (Grüne) schluckte etwas – hatten die Grünen das Gewerbegebiet doch bis zum Schluss verhindern wollen. „Aber es sind eben Entscheidungen gefallen, und die gilt es zu guten Projekten zu machen“, sagte Nolda. Tatsächlich hat sein Dezernat ganze Arbeit geleistet. Wohl kein zweites Gewerbegebiet in Hessen weist so viele Grün- und Ausgleichsflächen aus wie das Lange Feld. Mehr als ein Drittel der Gesamtfläche wird später von Grün bedeckt sein. „Damit halten wir die Verletzung der Natur in Grenzen“, sagte Nolda. Die Durchlüftung des Areals sei ebenso gegeben wie der Abtransport von Luftverunreinigungen.

Das Lange Feld im Süden Kassels ist das letzte Areal, das die Stadt in ein Gewerbegebiet verwandeln kann. 800 Hektar werden aktuell in Kassel gewerblich genutzt. Mit den zusätzlichen 139 Hektar lasse sich die positive wirtschaftliche Entwicklung Kassels der vergangenen Jahre fortsetzen, sagte Hilgen.

Tatsächlich wird es für die Stadt Kassel nie wieder so leicht sein, über Gewerbesteuer Geld zu verdienen. Um die Erschließung überhaupt realisieren zu können, mussten Eigentums- und Besitzverhältnisse neu geordnet, Grundstücke hinzugekauft werden. So umfasst der gesamte Bebauungsplan 175,5 Hektar, davon gehören der Stadt 154,5 Hektar. Mit sieben Landwirten wurden Grundstückstausch- und Pachtverträge abgeschlossen. Barthel: „Die Landwirte haben Ersatzflächen erhalten, um deren Existenz zu sichern.“

Hilgen hob das „hohe Maß an Bürgerbeteiligung“ während der Planung hervor. Mehrere Gutachten seien erstellt worden, vier Bürgerinformationen veranstaltet und die Ortsbeiräte an der Diskussion beteiligt worden. Der Grund: Kaum ein anderes Projekt stieß in den vergangenen Jahren auf so viel Gegenwehr. Kritik kam vor allem von der Bürgerinitiative Pro Langes Feld. Im September 2012 scheiterte sie jedoch mit einem Bürgerbegehren gegen die Bebauung des Areals.

Das Verwaltungsgericht hatte das Begehren als unzulässig abgelehnt, weil es zu spät eingereicht wurde. Die Umweltschützer sind davon überzeugt, dass die Stadt Belange des Naturschutzes, der Luftreinhaltung und der Erholungssicherung nicht ausreichend berücksichtigt hat. Eine Normenkontrollklage gegen den Bebauungsplan scheiterte aus formaljuristischen Gründen. Eine weitere Klage wurde nicht mehr angestrengt. Die Befürworter sehen hingegen im Gewerbegebiet Langes Feld ein Projekt, „dass die Zukunft der Stadt Kassel sicherer macht“, sagte Barthel.

Von Boris Naumann

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