Auf 400 Quadratmetern

Kassels größtes Graffiti-Werk: Das Kulturzentrum D-116

Kassel. Als Axel Besserer im April das private Kulturzentrum in der Dennhäuser Straße kaufte, wusste er, dass die Wand nicht so bleiben konnte. „Die Fassade hatte einen gewissen DDR-Charme“, sagt der Hobby-Musiker, der mit seiner Band Franklin D. in dem Gebäude in Niederzwehren probt.

Besserer hätte die Wand einfach überstreichen können – er besitzt ja selbst einen Malerbetrieb in der Nordstadt. Stattdessen engagierte er den Sprayer Dustin Schenk, der auf den drei Außenwänden Kassels angeblich größtes Graffiti-Werk anfertigte.

Auf fast 400 Quadratmetern hat der 33-Jährige seit August bunte Megakunst geschaffen, die er „Lost in Paradise“ nennt. Verloren im Paradies muss sich allerdings niemand fühlen. Die Graffiti-Bilder geben dem unscheinbaren Gebäude neben dem Heizkraftwerk endlich ein Gesicht. Neben Besserers Band Franklin D. proben noch 25 weitere Gruppen in dem Haus, das zudem eine Druckerei und eine Autowerkstatt beherbergt. Es hat nun sogar einen eigenen Namen: „D-116“ ist von der Hausnummer abgeleitet.

Für Schenk, der sein erstes Graffito 1994 als Teenager sprühte, ist es die bislang größte Arbeit. Im Zentrum steht ein riesiges Auge, das den Betrachter anschaut. Auch sonst geht es viel um Gegensätze – etwa den zwischen den Elementen. Eine böse Micky Maus kämpft gegen eine blaue Welle, was man als Kritik an der Wasserprivatisierung durch internationale Konzerne wie Nestlé verstehen kann. Daneben sieht man eine Atomkernspaltung, und um die Ecke thront ein König wie aus einem Manga-Comic.

„Diese Wand erzählt viele Geschichten“, sagt Schenk, der für den Herbst noch eine Vernissage mit Führungen plant. Der gelernte Werbetechniker, der zwei Semester an der Kasseler Kunsthochschule absolviert hat, stellte bereits in Berlin, Zürich und Peking aus. Auch auf der anderen großen Kasseler Graffiti-Wand, in der Unterführung am Weinberg, sind Arbeiten von ihm zu sehen. Dank Aufträgen wie in Niederzwehren kann er von der Kunst leben.

Kassels größtes Graffiti-Werk

Schenk hält die Stadt für ein Mekka der Szene: „Nirgendwo sonst gibt es so viele legale Flächen. Kassel ist wie ein Kinderzimmer, in dem man sich austoben kann. Nur leider sieht es fast keiner.“ Das könnte sich nun ändern: „Lost in Paradise“ ist sogar von der Autobahn 44 zu erkennen.

Von Matthias Lohr

Kulturzentrum D-116, Dennhäuser Straße 116.

www.dustinschenk.de

Rubriklistenbild: © Koch

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