Sogar Sofas liegen im Gebüsch

Immer mehr Müll in Kassels Parks: Leute werden gleichgültiger

Wenig einladend: Besucher der Karlsaue haben Chipstüten, Schalen von geknabberten Kernen, Eis- und Getränkebecher an einem Eingang zurückgelassen. Mitarbeiter der MHK sammeln hier jede Woche bis zu fünf Kubikmeter Müll ein.

Michael Boßdorf, Leiter der Gärten der Museumslandschaft Hessen Kassel (MHK), kann Verhaltensweisen einiger Parkbesucher in Kassel kaum noch nachvollziehen. Es geht um Müll.

Es sei vermehrt vorgekommen, dass Menschen einen Bringdienst anrufen und sich zehn Pizzen an das Marmorbad in der Karlsaue bestellen. Dagegen sei nichts einzuwenden. Allerdings ließen die Besteller nach Verzehr die Schachteln mit Essensresten an Ort und Stelle einfach liegen.

Jörg Bauermeister arbeitet seit 1998 für die MHK. Er ist einer der Mitarbeiter, die den Müll der Besucher tagtäglich einsammeln müssen. Im Laufe der Jahre seien die Menschen gleichgültiger und ignoranter geworden, sagt Bauermeister. Wenn er Besucher der Karlsaue darauf anspreche, dass sie ihren Müll selbst entsorgen sollen, so habe er auch schon die Antwort bekommen, dass er doch dafür zuständig sei. Und das mehr als einmal. Dabei begehen Leute, die ihren Müll in den Parks zurücklassen, eine Ordnungswidrigkeit. Theoretisch müssen sie mit einem Bußgeld rechnen. Wenn sie erwischt werden. Am schlimmsten sei es im Mai, wenn in der Karlsaue viele Abi-Feten gefeiert würden, sagt Boßdorf.

Am Freitagmorgen sammelt Bauermeister nicht nur Sektflaschen, leere Chipstüten und Zigarettenschachteln sowie Pappe von Sechserträgern auf der sogenannten Kifferwiese (hier wird gern mal ein Joint geraucht) unterhalb des Rosenhangs ein. Hier hat er auch eine defekte Wasserpfeife aus dem Gebüsch gezogen. Ein Kollege hat am Freitag zudem einen Verstärker gefunden, der offenbar nicht mehr benötigt wurde.

Zunehmend Sperrmüll 

Sondermüll: Michael Boßdorf (MHK) mit einem Verstärker, der in den Büschen entsorgt worden ist.

Die MHK-Mitarbeiter müssten nicht nur den Partymüll wegräumen, so Boßdorf, sondern zunehmend auch Sperrmüll. Weggeworfene Sofas in Rhododendren, ausgemusterte Fernseher und Kühlschränke werden von den Besitzern mittlerweile auch in Kassels historischen Parkanlagen entsorgt. Die Stadt Kassel zahlt jedes Jahr 90 000 Euro für die Reinigung des Buga-Geländes und 15 000 Euro für den Friedrichsplatz an die Stadtreiniger, sagt Jörg Gerhold vom Umwelt- und Gartenamt. Natürlich würden in den Sommermonaten die Müllmengen zunehmen, wenn sich viele Menschen draußen aufhalten.

Im Gegensatz zur Karlsaue, wo sich Besucher auch schon mal über noch nicht entsorgten Müll beschwerten, gebe es solch „massive Kritik“ für das Buga-Gelände nicht. „Die Leute scheinen das zu tolerieren“, sagt Gerhold. Besonders gern werden verschmutzte Einweggrills auf den Wiesen liegen gelassen.

Wenn es sehr warm ist, dann säubern die Stadtreiniger die Buga auch an den Wochenenden, sagt Christian Herbort. Auch wenn hier die Müllmenge mit 35 Tonnen in den vergangenen Jahren gleich hoch geblieben sei, hätten seine Kollegen festgestellt, dass vermehrt Spritzen und auch Hausmüll in dem Naherholungsgebiet zurückgelassen werden.

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