Schul- und Jugendamt sehen im Ausbau der Grundschulkindbetreuung eine wichtige Aufgabe

Kassels Kinder sind gut behütet

Die Betreuung von Grundschulkindern, wie hier an der Schule Am Wall, wird künftig eine immer wichtigere Rolle spielen, schätzen das Schul- und Jugendamt. Foto: Archiv/Malmus

Kassel. Schul- und Jugendamt ziehen Bilanz: Knapp 40 Prozent aller Grundschüler in Kassel verfügen aktuell über einen Betreuungsplatz für die Zeit vor und nach dem Unterricht. Zum Vergleich: Im Landesschnitt sind es nur 24 Prozent, in den westdeutschen Bundesländern sogar nur 21 Prozent.

„Es sieht aktuell gut in Kassel aus“, heißt es im Rathaus. Aber: Von Schule zu Schule gibt es starke Abweichungen vom Durchschnittswert. Beispiel: Während der Versorgungsgrad der Schule Am Lindenberg bei knapp 20 Prozent liegt, weist die Herkulesschule eine Versorgungsquote von 76,2 Prozent auf. Auch in anderen Schulbezirken (Schule Am Heideweg, Grundschule Kirchditmold, Hupfeldschule und Grundschule Wolfsanger-Hasenhecke) ist die Nachfrage nach Plätzen weiterhin hoch.

Betreuungslücken schließen

So müssen nach wie vor Lücken geschlossen werden – auch mit Blick in die Zukunft. Denn schon in absehbarer Zeit werden wieder mehr Kinder in den Grundschulen Kassels lernen – im Jahr 2017 sind es 200 mehr als jetzt (6285 Kinder). Die Folge: Es werden mehr Klassen gebildet, Raumnot in einzelnen Schulen ist zu befürchten.

U3-Ausbau

Zudem wird das U3-Angebot in den Kindertagesstätten weiter ausgebaut, sodass dort bislang untergebrachte Hortgruppen neue Räume benötigen. „Nicht zuletzt führt der Wirtschaftsaufschwung in der Region dazu, dass die Arbeitslosenquote sinkt“, sagt Anne Janz, Dezernentin für Jugend, Schule, Frauen und Gesundheit. Weil mehr Eltern arbeiten gingen, „auch, weil sie es wegen geringer Einkommen müssen“, wachse der Betreuungsbedarf für die Kinder. All das zeige den Handlungsbedarf. „Derzeit arbeiten wir an einem Konzept mit Grundschulen und anderen Trägern, wie das Betreuungsangebot vor allem bis 17 Uhr weiter ausgebaut werden kann“, sagt Janz.

Auf der Lösungssuche

Unterbringung, Verpflegung, Platzangebot, Personal, Kosten – all diese Faktoren spielten bei der Lösungssuche eine Rolle.

„Weil die Kinder keine langen Wege in benachbarte Einrichtungen gehen sollen, ist ein Ausbau der Betreuung im direkten Umfeld der jeweiligen Grundschulen weiter erforderlich“, sagt Janz.

Nicht zuletzt mache die weitere Entwicklung ganztägig arbeitender Schulen Investitionen in Infrastruktur und Personal notwendig. „Familien stehen vor unlösbaren Schwierigkeiten, wenn sie weder in der Grundschulkindbetreuung noch in der Tagespflege einen Betreuungsplatz für ihr Kind finden“, sagt Janz. Damit würden Bildungs- und Teilhabegerechtigkeit sowie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf von vornherein aufs Spiel gesetzt.

Von Boris Naumann

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