Beinprothese bis ausgestopfter Fuchs

Kassels Kuriositäten-Kabinett: Fundbüro erhält monatlich 400 Neuzugänge

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Auch kuriose Fundstücke wie Gebisse (Bild), Drohnen, Kinderwagen oder Beinprothesen landen bei Roenie Probst.

Kassel. Sind die Kasseler vergesslich? Angesichts von monatlich 400 abgegebenen Fundsachen liegt der Verdacht nahe.

Ganz sicher ist, dass sie auf den neuesten Stand der Technik zurückgreifen – das beweisen unter anderem die vielen modernen Smartphones in den Fundbüro-Schubladen von Roenie Probst. „Als ich vor 15 Jahren angefangen habe, waren es im Monat vielleicht fünf Handys, heute sind sie Standard“, sagt er. Probst bekommt es aber auch schon mal mit kuriosen Stücken zu tun, beispielsweise einer Beinprothese, Gebissen, Drohnen oder ausgestopften Füchsen. „Es gibt nichts, was es nicht gibt“, sagt er.

Das musste auch Kerstin Platte bereits feststellen, die gerade den Fahrzeugschein eines Belgiers bei dem Mitarbeiter des Ordnungsamts abgibt. Ihr Schwager hatte vor ein paar Jahren einen fünfstelligen Geldbetrag für den Kauf eines Autos in Kassel verloren. Immerhin 10 000 Euro konnte Platte im Fundbüro wieder abholen. „Etwas wiederzubekommen ist angenehmer, als etwas zu bringen“, sagt sie. Ein Beispiel für die Hilfsbereitschaft und Ehrlichkeit der Kasseler ist sie trotzdem. Auf die hofft auch Sascha Duphorn. „Ich habe im September den Schlüssel eines Kunden verloren“, sagt er, während er die vollbehängte Wand gleich neben dem Eingang absucht. Sein Exemplar ist wieder nicht dabei. Ganz vergebens war der Besuch im Fundbüro an der Kurt-Schumacher-Straße 31 aber nicht. Denn Duphorn nimmt gleich einen Tipp von Probst mit: Am 7. Dezember werden das nächste Mal Stücke verkauft, deren sechsmonatige Aufbewahrungsfrist abgelaufen ist und deren Finder keine Besitzansprüche angemeldet haben.

In dem gesonderten Raum finden sich vom Fahrrad, Roller und Kuscheltier bis zu Fernglas und Bohrmaschine alle möglichen Gegenstände. Verkauft wird jeden ersten Mittwoch im Monat.

Am schönsten sei es aber, die eigentlichen Eigentümer zu finden, erklärt Probst. So wie die Asiatin, die während der documenta ihr Smartphone verloren hatte und der Probst es über das deutsche Konsulat in Japan zurückgeben konnte.

Von Torben Hinz

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