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Kassels Magistratsmitglied Kai Boeddinghaus kritisiert Verschwendung bei Tablets

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Von: Matthias Lohr

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Hat zwei iPads zur Verfügung gestellt bekommen, obwohl er nur eins braucht: Die Software für Kommunalpolitiker kann Magistratsmitglied Kai Boeddinghaus mit seinen beiden Tablets und auch auf seinem Smartphone sowie am heimischen Rechner nutzen.
Hat zwei iPads zur Verfügung gestellt bekommen, obwohl er nur eins braucht: Die Software für Kommunalpolitiker kann Magistratsmitglied Kai Boeddinghaus mit seinen beiden Tablets und auch auf seinem Smartphone sowie am heimischen Rechner nutzen. © Matthias Lohr

Kai Boeddinghaus, Magistratsmitglied in Kassel, kritisiert Verschwendung bei Tablets. Für ihn sind zwei Geräte eins zu viel.

Kassel – Papier braucht der Kasseler Kommunalpolitiker Kai Boeddinghaus fast nicht mehr für sein Ehrenamt. Für die Linken sitzt der parteilose 63-Jährige im Verwaltungsrat der Kasseler Sparkasse. Dort hat er ein iPad Pro erhalten, um seinen Aufgaben nachzukommen. Im September bekam er im Magistrat wie alle ehrenamtlichen Mitglieder dort auch noch ein iPad Air in die Hand gedrückt, obwohl er es doch gar nicht braucht, wie er sagt. In der Rathausrunde meldete er sich und sagte: „Ich hab schon ein Gerät.“ Nehmen musste er es trotzdem.

Boeddinghaus ist umtriebig und weiß, dass er manchen mit seiner Hartnäckigkeit auf die Nerven gehen kann. Mit der Stadt steht er immer wieder in juristischen Auseinandersetzungen.

Trotzdem kann man nachvollziehen, wenn er nun diese eine Frage stellt: „Geht die Stadt bei der Digitalisierung nachhaltig vor und ist sie beim Umgang mit Ressourcen und Geld sparsam genug?“

In der Magistratsrunde habe man ihm gesagt, die Software, mit der er arbeiten müsse, sei nicht kompatibel für beide Geräte. Boeddinghaus wäre aber nicht Boeddinghaus, wenn er die App iRich, mit der Magistratsmitglieder Zugriff auf Vorlagen und andere Dokumente haben, nicht auf dem iPad der Sparkasse installiert hätte. Ergebnis: Die Anwendung, die laut Werbung „papierlose Ratsarbeit in Vollendung“ verspricht, funktioniert einwandfrei.

Selbst auf seinem privaten Smartphone kann er sie nutzen. Als Boeddinghaus die Geräte an seinem Schreibtisch vorführt, lacht er und schüttelt den Kopf.

Bei der Stadt heißt es auf Anfrage, dass man „unter Berücksichtigung der Aspekte Sicherheit, Datenschutz, Service keine Ressourcen“ verschwende. Zudem werde ein technischer Support nur bei städtischen Geräten übernommen und nicht für Fremdgeräte.

11 000 Euro haben die Geräte gekostet, die im September an alle Magistratsmitglieder ausgegeben wurden. Auf der anderen Seite wird viel Geld eingespart, weil Unterlagen nicht mehr ausgedruckt werden müssen. Allein der Aufwand für jährlich etwa 60 000 Blatt bedrucktes Papier, die Zustellung der Unterlagen und den Personalaufwand im Magistratsbüro beträgt laut Stadt etwa 8000 Euro pro Jahr. Nicht berücksichtigt ist dabei der Personalaufwand in den Fachämtern, damit die Unterlagen bereitgestellt werden können.

Die Stadtverordneten sollen übrigens kein Tablet bekommen. Laut Stadtverordnetenvorsteherin Martina van den Hövel-Hanemann (Grüne) sollen sie „ein eigenes digitales Endgerät in der Gremienarbeit einsetzen“. Dafür soll es dann eine höhere, monatliche Aufwandsentschädigung geben. Falls jemand ein iPad braucht – Boeddinghaus hätte theoretisch eins übrig.

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