Im Rathaus

Neujahrsempfang der Stadt: Kassels neues Selbstbewusstsein

Kassel. Das Beste kommt zum Schluss: Getreu diesem Motto hob sich Oberbürgermeister Bertram Hilgen die Überraschung bis ganz zum Ende seiner Rede beim Neujahrsempfang auf:

Er schlug vor, dass Kassel sich als Kulturhauptstadt für das Jahr 2025 bewirbt. Dafür erntete er donnernden Applaus von den über 1000 Gästen im Rathaus.

Den Titel hatte Kassel schon einmal angestrebt - für das Jahr 2010. Zwar wurde daraus nichts, doch in der Bewerbungsphase zwischen 2002 und 2005 rief die Initiative ein breites Engagement in der Bevölkerung hervor. So mancher Kasseler wurde sich erst richtig bewusst, welche kulturellen Schätze die Stadt zu bieten hat.

Mit der Welterbe-Anerkennung des Bergparks Wilhelmshöhe ist das kulturelle Selbstbewusstsein der Stadt inzwischen gewachsen. Und in den kommenden Jahren wird sich noch vieles tun, wie Hilgen aufzeigte: Die neue Grimm-Welt wird fertig, das Landesmuseum mit Tapetenmuseum sowie das Stadtmuseum öffnen wieder ihre Türen.

Kulturelles Aushängeschild Kassels ist auch die documenta. Hier bekräftige der OB, der zugleich Kulturdezernent ist, angesichts der umstrittenen Entscheidung, die Ausstellung auch in Athen stattfinden zu lassen, die Freiheit des künstlerischen Leiters Adam Szymczyk. In künstlerischen Frage werde er weder jetzt noch künftig ein Machtwort sprechen, sagte Hilgen.

Auf Kassels außerordentliche Entwicklung auch jenseits der Kultur ging Hilgen in seiner über einstündigen Rede ausführlich ein: Die Möglichkeiten, die sich durch die zentrale Lage im wiedervereinigten Deutschland ergaben, habe man „entschlossen genutzt“. Beste Arbeitsmarktzahlen seit 30 Jahren, ein Rekordjahr im Tourismus mit einem Zuwachs von sechs Prozent und erstmals ein Haushaltsplan, der ein sattes Plus aufweist, skizzierte er die aktuelle Situation.

Neujahrsempfang der Stadt Kassel

Eine andere Leistung, die sich nicht mit Geld aufwiegen lässt, würdigte der Oberbürgermeister ebenfalls: Das Engagement vieler Kasseler für die Flüchtlinge, die hierherkommen. Angesichts der islamkritischen Demonstrationen der Gruppe „Kassel gegen die Islamisierung des Abendlandes“ (Kagida), sprach er sich für ein weltoffenes Kassel aus - wie es die Stadtverordneten im Dezember mit einer Resolution getan haben. Niemand könne sich in seine kleine Welt abschotten und dann behaupten, ein patriotischer Europäer zu sein.

Von Katja Rudolph

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