2006 gegründete Partei tritt erstmals zur Kommunalwahl an – Ziel ist mindestens ein Sitz in der Stadtverordnetenversammlung

Kassels Piraten setzen auf Protestwähler

Piraten startklar zur Wahl: (von links) Oberbürgermeister-Kandidat Olaf Petersen (anders als bisher berichtet, geht er nicht nur für die Partei ins Rennen, sondern ist auch Mitglied), Kreisvorsitzender Volker Berkhout und der Spitzenkandidat zur Stadtverordnetenwahl Jörg-Peter Bayer. Foto: Michaelis

Kassel. Auf mindestens einen Sitz hoffen die Piraten in der neuen Stadtverordnetenversammlung. Die 2006 gegründete Piratenpartei tritt zum ersten Mal bei einer Kommunalwahl in Kassel an. Zuversichtlich stimmten die bisherigen Ergebnisse bei Wahlen, sagt der Kreisvorsitzende Volker Berkhout bei einer Pressekonferenz. Auf 10,3 Prozent kamen die Piraten bei der vorigen Hochschulwahl an der Uni Kassel.

Mit ihren Plakaten und Broschüren setzt die junge Partei, die in Kassel nach eigenen Angaben etwa 60 Mitglieder hat, besonders auf Protestwähler. Gehe es nach den Piraten, dürften Bürger bei Großprojekten viel mehr mitentscheiden, sagt Jörg-Peter Bayer, der auf Platz eins der Liste zur Stadtverordnetenwahl kandidiert. Und gerade bei Großprojekten wie dem Ausbau des Flughafens Kassel-Calden und der Entwicklung des Langen Feldes müssten Bürger früher eingebunden werden.

Was Protest für Piraten heißt, erklärt Landesschatzmeister Knut Bänsch. Während seine Parteifreunde bis dahin ihre Vorstellungen eher ruhig vortrugen, redet sich Bänsch in Rage. Er spricht von betrügerischen Machenschaften an der Grenze zur Kriminalität in den etablierten Parteien. Bürger würden an der Nase herumgeführt. Während sich Bänschs Stimme überschlägt, grinsen Berkhout und seine Mit-Piraten wie kleine Jungen, die sich über den Grantelnden amüsieren. Sie freuen sich über die Formulierungen, in denen die Partei stets mit dem Image der Freibeuter spielt – „Klarmachen zum Ändern.“

Den Flughafenausbau, den Bau des Kombibades am Auedamm, die Bebauung der Dönche – all das lehnen Piraten ab, sagt Berkhout. Ebenso das Gewerbegebiet auf dem Langen Feld. Aber der Partei sei bewusst, dass Gewerbeflächen in Kassel knapp seien. Antworten auf die Frage nach alternativen Flächen haben die Piraten allerdings nicht. Berkhout sagt nur, dass es genügend Flächen im Landkreis gebe.

Zwar sagen Berkhout, Bayer und Oberbürgermeisterkandidat Petersen zumeist, wogegen sie sind. Aber sie nennen auch einige Punkte, wofür sie sich einsetzen wollen. Den Piraten schwebe vor, dass Besucher in Museen und Ausstellungen die Höhe ihres Eintrittsgeldes selbst bestimmen sollen. „Zahl, was es Dir wert ist“, heißt es im Wahlprogramm.

Ein Herz für Autofahrer haben Piraten auch. Sie wollen laut Berkhout sich dafür einsetzen, dass man in der Innenstadt 30 Minuten frei parken können soll. Erst danach sollten Autofahrer Tickets ziehen müssen.

Von Claas Michaelis

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