Zahl der Förderschüler um ein Viertel gesunken

Kassels Sonderschulen in Existenz gefährdet

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Kassel. In Kassel ist die Zahl der Förderschüler in zehn Jahren um ein Viertel geschrumpft. Seit dem Schuljahr 2003/04 sank sie um mehr als 450 Schüler von 1670 auf 1211.

Förderschulen bedroht diese Entwicklung in ihrer Existenz. Immer mehr Eltern melden ihre Kinder mit Förderbedarf an Regelschulen an. Deshalb ist die Zahl der Förderschüler in der ganzen Republik rückläufig.

Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung kommt die Inklusion, das gemeinsame Lernen von Kindern mit und ohne Behinderung in einer Schule, im deutschen Schulsystem "gut voran". Inzwischen besuche jeder vierte Schüler mit Förderbedarf eine reguläre Schule. Seitdem sich Deutschland vor vier Jahren verpflichtet hat, Schüler mit und ohne Behinderung gemeinsam zu unterrichten, ist der Inklusionsanteil bundesweit um ein Drittel (von 18,4 auf 25 Prozent) gestiegen. Gleichzeitig werde aber bei immer mehr Schülern sonderpädagogischer Förderbedarf diagnostiziert. Der Anteil der Sonderschüler an der Schülerschaft bleibe bundesweit nahezu konstant. Das geht aus einer Studie der Bertelsmann-Stiftung hervor.

In Kassel ist ein anderer Trend überdeutlich: Während die Zahl der Kinder, die eine Schule mit dem Förderschwerpunkt körperliche und motorische Entwicklung besuchen, in zehn Jahren gestiegen ist (von 187 auf 224), sind die Schülerzahlen der Lernhilfeschulen rückläufig: seit 2003 von 893 auf 374 Schüler.

"Inklusion ist keine Frage des Ob, sondern des Wie", sagt Schuldezernentin Anne Janz. Für sie gilt als oberstes Prinzip, nichts über den Kopf der Beteiligten hinweg zu entscheiden. Benötigt werde ein entsprechender Schulentwicklungsplan, sagt die Leiterin des Schulverwaltungsamts, Gabriele Steinbach. Gemeinsam mit dem Staatlichen Schulamt prüfe man die Idee einer Modellregion inklusive Beschulung.

Folgende Förderschulen gibt es in Kassel

• Schulen für Lernhilfe und sonderpädagogische Beratungs- und Förderzentren: Astrid-Lindgren-Schule, Hupfeldstraße 8; Osterholzschule, Osterholzstraße 29; Mönchebergschule (außerdem Schule für Kranke), Mönchebergstraße 48c, Pestalozzischule, Mattenbergstraße 24

• Schulen für Praktisch Bildbare: August-Fricke-Schule, Adolfstraße 67

• Sprachheilschule, Schule für Sehbehinderte/Hörgeschädigte, Wilhelm-Lückert-Schule, (sonderpädag. Beratungs- und Förderzentrum), Gräfestraße 8

• Schule für Körperbehinderte: Alexander-Schmorell-Schule (sonderpäd. Beratungs- und Förderzentrum), Grenzweg 10

• Dazu kommen private Schulen: Georg-Büchner-Schule (Schule für Erziehungshilfe), Roßpfad 14; Heil- und Erziehungsinstitut Lauterbad, Schule für Erziehungshilfe und Praktisch Bildbare, Ehlener Straße 27; Jean-Paul-Schule, Schule für Erziehungs- und Lernhilfe, Praktisch Bildbare und Sprachheilschule, Württemberger Straße 18.

Von Christina Hein

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