Was es mit den ungewöhnlichen Namen auf sich hat

Kassels Straßennamen: Tatsächlich ein Knick in der Hecke in der "Knickhecke"

Kassel. Man mag es gar nicht glauben, aber es gibt ihn wirklich – den Knick in der Hecke in der Straße Knickhecke. Zugegeben: Wir machen es gerade ein bisschen lustiger, als es wirklich ist.

Denn die Bezeichnung Knickhecke kommt nicht, wie man vermuten könnte, von einer geknickten Hecke, sondern bezeichnet mit Gehölzen bewachsene Erd- und Steinwälle, die sich möglicherweise zu früherer Zeit auch an dieser Stelle in Niederzwehren befunden haben. Die Bezeichnung ist vor allem in Niedersachsen und Schleswig-Holstein gebräuchlich.

Nichts spiegelt das kulturelle, gesellschaftliche und historische Leben einer Stadt so sehr wider, wie ihre Straßennamen. So ist es nicht verwunderlich, dass die Benennung auch oft im Nachgang noch für Diskussionen sorgt. Bekannte Beispiele aus Kassel sind der Streit um die Karl-Branner-Brücke und die Waldemar-Petersen-Straße. In beiden Fällen ging es um die nationalsozialistischen Verstrickungen der Namensgeber.

Mit den wenigsten Buchstaben: Die Straße Graben in der Nähe der Markthalle.

Da sich Bewohner oftmals sehr stark mit ihrer Straße identifizieren, gibt es bestimmte Vorgaben, damit aktuelle und dauerhafte Akzeptanz für die Benennung bei den Anwohnern geschaffen wird. Wichtig ist, dass sich der Name einer neubenannten Straße in das bestehende Umfeld integriert. Beispielsweise wäre im Wilhelmshöher Flüsseviertel, die Benennung nach einem Dichter- oder Komponisten eher unpassend. Außerdem müssen die Namen lesbar und verständlich sein. Straßen dürfen außerdem nicht nach noch lebenden Personen benannt werden. Vorschläge für die Bennenung von Straßen kommen von den Bürgern, von Vereinen und Verbänden und von politischen Parteien und Gremien. Aktuell gibt es bei der Stadt Kassel rund 150 Namen auf der Vorschlagsliste.

Nur knapp 50 Meter lang: Wenige Kasseler werden von sich behaupten können, dass sie an der Kurzen Straße wohnen. Dort gibt es lediglich drei Häuser.

Sobald die Benennung alle formalen Gremien durchlaufen hat, wird die Straßennamendatenbank und das amtliche Kartenmaterial aktualisiert. Außerdem müssen das Bürgeramt, Polizei und Feuerwehr informiert werden.

Während manche Straßennamen, wie die Bennenung nach Flüssen, Bergen oder Tier- und Pflanzennamen selbsterklärend ist, gibt es auch einige Namen, die auf den ersten Blick doch eher kurios sind. Beispielsweise die Bennenung Knickhecke. Was man in der kleinen Straße im Stadtteil Niederzwehren vergeblich sucht, ist eine geknickte Hecke. Leider findet sich auch keine Insel in der Straße „An der Insel“ oder am Inselweg.

Eine tiefere historische Bedeutung hat vermutlich die Kreuzung zwischen den Straßen „Graben“ und „Die Freiheit“. In unserem Stadt-Blog Kassel Live erklären wir Ihnen Kassels Straßennamen. Aller Beiträge aus der Serie finden Sie hier auf Kassel Live. 

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