9200 Stellen der Zahl Pi hat er bereits geschafft

Kassels Superhirn will’s wieder wissen: Daniel Jaworski tritt für zwei Merk-Rekorde an

Der Kasseler Daniel Jaworski mit einer Menge Zahlen im Hintergrund.
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Er jongliert mit Zahlen: Der Kasseler Daniel Jaworski hat sich schon 9200 Nachkommastellen der Zahl Pi gemerkt. Am Freitag tritt er für zwei neue Rekorde an. Um zwischendurch den Kopf frei zu kriegen, jongliert der 44-Jährige auch mit den Bällen.

Der Kasseler Gedächtnisprofi Daniel Jaworski will am Freitag zwei Rekorde aufstellen. Er kann 300-stellige Zahlenreihen vorwärts und rückwärts aufsagen und hat 200 Städte samt Einwohnerzahlen im Kopf.

Kassel – Eigentlich muss sich Daniel Jaworski nichts mehr beweisen. Dass sein Gedächtnis sensationell ist, hat er schon mehrfach Schwarz auf Weiß bestätigt bekommen: Er hat sich 9200 Nachkommastellen der Kreiszahl Pi gemerkt und damit ebenso einen Rekord aufgestellt, wie mit dem Einprägen von 407 historischen Ereignissen mit ihren Jahreszahlen.

Der Kasseler begreift das Gedächtnis als Muskel, den man trainieren kann. Und so ist er wie ein Sportler bemüht, immer neue Höchstleistungen zu erzielen. Heute will der 41-Jährige zwei neue Meilensteine im Merken setzen und vom Rekord-Institut für Deutschland beurkunden lassen.

Diesmal hat der Gedächtnissportler vor, jeweils 300 Stellen der Zahl Pi aufzusagen – erst vorwärts und dann rückwärts. Außerdem hat er sich die 200 größten Städte Deutschlands samt Einwohnerzahl (gerundet auf Tausender) eingeprägt und lässt sich dazu in zufälliger Reihenfolge abfragen.

Nicht nur persönlicher Ehrgeiz treibt den Kasseler an, der neben seinem Job im Vertriebsmanagement bei der Kasseler Sparkasse als freiberuflicher Gedächtnistrainer Kurse für Schüler, Studenten und Unternehmen anbietet. „Ich will Merktechniken salonfähig machen und das Potenzial aufzeigen, das in jedem Menschen schlummert“, sagt Jaworski. Er ist überzeugt: „Was ich mache, kann im Prinzip jeder – es ist nur eine Frage des Trainings.“

In seinen Seminaren seien die Teilnehmer oft erstaunt, dass sie sich innerhalb weniger Stunden um die 150 Informationen einprägen können. „Wir werden mit einem Hochleistungscomputer im Gehirn geboren“, formuliert es Jaworski. Man müsse diesen nur richtig bedienen. Der häufigste Fehler, der beim Lernen gemacht werde, sei fehlende Wiederholung. „Wenn man sich Stoff nur drei Tage vor der Prüfung reinhaut, dann schreibt man vielleicht eine gute Note, aber kurz darauf hat man alles wieder vergessen.“

Um sich Dinge einzuprägen, bedient sich der Kasseler traditioneller Memotechniken. Das Gehirn merke sich nur ungern abstrakte Informationen wie Zahlen, weiß der 41-Jährige, der in Oberzwehren wohnt. Deshalb ordnet er Ziffern bestimmten Buchstaben zu. Aus denen bildet er Wörter, die er dann in eine Geschichte einbettet. „Je verrückter, desto einprägsamer“, ist dabei die Devise.

Und warum setzt sich jemand, der bereits eine 9200-stellige Ziffernfolge aus dem Kopf aufsagen konnte, das dagegen bescheidene Ziel von 300 Stellen der Zahl Pi vorwärts und rückwärts? „Weil auf die Idee noch keiner gekommen ist“, sagt der Kasseler und grinst entwaffnend. Die 300 Ziffern vorwärts seien in der Tat ein Kinderspiel, so der Merkprofi. „Rückwärts ist es deutlich schwieriger. Das kann man sich vorstellen, also ob man mit dem Auto den ganzen Weg von der Arbeit nach Hause rückwärts fahren muss.“

Die Einwohnerzahlen der 200 größten Städte seien jedoch die größere Herausforderung, sagt Daniel Jaworski. „Die meisten Städte kenne ich nicht wirklich und muss ein Bild dafür finden.“ Denn nur so kann er die Informationen in eine kleine Geschichte einbetten. Seine Kasseler Eselsbrücke von einem Rosenverkäufer spielt etwa auf dem Königsplatz.

Auch jenseits von Rekorden nutzt der Gedächtnisprofi seine Fähigkeiten: Einkaufszettel schreibt er sich nur bei Großeinkäufen. Ansonsten platziert er die Dinge, die er braucht, gedanklich an verschiedenen Stellen seines Körpers und ruft im Supermarkt dann ab, dass er Bananen auf dem Kopf trägt und eine Nudelpackung auf dem Fuß balanciert. Und während viele seiner Arbeitskollegen auch nach Jahren noch nicht die Durchwahlen ihres Teams im Kopf haben, braucht Daniel Jaworski längst nicht mehr nachzuschlagen, wenn er zum Hörer greift. (Katja Rudolph)

danieljaworski.de

So merkt man sich‘s

Daniel Jaworski benutzt vor allem zwei Merktechniken. Beim Major-System werden die einzelnen Ziffern Buchstaben bzw. Lauten zugeordnet:

1 = D, T 2 = N

3 = M 4 = R

5 = L 6 = SCH, CH, J

7 = C, CK, K,G 8= F, V, W, PH

9 = P, B 0 = S, Z, ß

Um sich viele Zahlen – etwa die Nachkommastellen von Pi – zu merken, teilt Daniel Jaworski die Ziffern jeweils in Zweier- oder Dreierblöcke. Für jeden denkt er sich entsprechend den zugeordneten Buchstaben ein Wort aus. Aus den Wörtern bildet er dann eine Geschichte. Die Folge 141 beispielsweise entspricht TRT, woraus man das Wort Torte bilden kann.

Um die einzelnen Bilder in der richtigen Reihenfolge abzurufen, verknüpft der Kasseler Gedächtnisprofi sie mit Orten. Diese Merktechnik nennt man Loci-Methode. So überlegt sich Jaworski vorher eine Route durch einen ihm gut bekannten Ort – in seinem Fall das Möbelhaus in Kassel, in dem er viele Jahre gearbeitet hat. Durch dieses bewegt er sich gedanklich und ruft an den einzelnen Orten eine Geschichte ab. Über diese Eselsbrücke kann er die Zahlen wieder rekonstruieren. So merkt Jaworski sich die ersten Stellen der Zahl Pi:

„Mit einer ToRTe (T1 R4 T1) schmeiße ich die Drehtür ein. In der Sofoaecke im Foyer schmiere ich mir LeiBNitzkekse (L5 B9 N2) an die Knie. Im Fahrstuhl zerschlage ich die Tür mit einer LaVaPeitsche (L5 V8,P9). In der Toilette im Eingangsbereich trinke ich ein KaBa-Milchgetränk (K7,B9,M3).“

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