Plötzliche Unwetter sind schlimm für die Kunst

Kassels Wahrzeichen: Herkules aus Sand entsteht auf dem Königsplatz

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Das hat schon Gesicht: Zweieinhalb Meter hoch ist die Herkules-Skulptur, die Sandkünstler Yosef Bakir derzeit auf der oberen Hälfte des Königsplatzes erschafft. 

Die rätselhafte Sandbaustelle auf dem Königsplatz zieht schon seit Anfang der Woche Neugierige an. Seit Mittwoch nun zeigt dieser Sand Gesicht.

Es sind die Züge von Kassels Wahrzeichen Herkules, die der Künstler Yosef Bakir allmählich und mit viel Fingerspitzengefühl aus einem zweieinhalb Meter hohen Sandblock schält. Der Herkules ist die erste von drei Sandskulpturen mit Kassel-Bezug, die der 47-Jährige dort in den kommenden zwei Wochen bauen will. 15 Tonnen Sand braucht er nach eigenen Angaben dazu – und der dürfe nicht zu trocken sein. Daher hat Bakir stets einen Wasservorrat samt Gießkanne parat. Das ist vor allem wichtig, um die Skulpturen-Rohlinge vorzubereiten.

Für den Herkules hat der Sandkünstler zunächst aus Brettern eine Verschalung gebaut, die sich wie eine Stufenpyramide nach oben verjüngte. Schicht für Schicht kam dort angefeuchteter Sand hinein, dann griff Bakir zu einer Art Bohrhammer mit einer Stahlplatte auf der Spitze und rüttelte den Rohstoff für sein vergängliches Kunstwerk fest. Am Mittwoch war nur noch der untere Teil des Sandblocks eingeschalt, während oben bereits die Züge des Sagenhelden und Kasseler Schutzpatrons sichtbar wurden.

Doch was ist, wenn während der Feinarbeit etwas abrutscht oder sonstwie danebengeht? „Kleinere Schäden sind nicht schlimm, die kann man reparierem“, sagt Bakir, der als Kurde in Syrien geboren wurde, dort auch Kunst studierte und seit über 30 Jahren als Maler und Bildhauer in Deutschland lebt.

Viel schlimmer sei es, wenn ein plötzliches Unwetter aufziehe – dann könne die Kunst-Arbeit von Tagen binnen kürzester Zeit vernichtet werden. Deshalb, und nicht allein wegen der Hitze, arbeitet der Sandkünstler inzwischen unter einem Zeltpavillon. Der schützt die im Entstehen begriffene Skulptur insbesondere nachts, wenn sie auch eingezäunt und bewacht wird.

Als Schöpfer von Sandskulpturen gehörte Yosef Bakir vor gut 20 Jahren zu den ersten, die sich dieser Kunstform verschrieben haben. Inzwischen wird er international zu Festivals eingeladen.

In all der Zeit haben sich in der Szene auch Tricks herauskristallisiert, wie man feine Oberflächen detailreicher Sandskulpturen haltbarer macht, verrät Bakir: Durch Besprühen mit einer Art Stärkelösung bleibt jedes Körnchen stabiler an seinem Platz als früher beim Sandburgenbau im Ostsee-Urlaub.

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