Call-Center in Kassel geplant

Kassenärzte organisieren Bereitschaftsdienst neu

Kassel. Bis Ende des Jahres soll in Kassel ein Call-Center für den ärztlichen Bereitschaftsdienst in Nordhessen aufgebaut werden. In Frankfurt gibt es eine solche Dispositionszentrale bereits seit zehn Jahren. Landesweit sollen die beiden Call-Center unter der einheitlichen Rufnummer 116117 erreichbar sein.

Wo das Call-Center in Kassel angesiedelt wird, stehe noch nicht fest, sagte die Sprecherin der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) Hessen, Petra Bendrich. Die angestrebten Veränderungen sind Bestandteil einer neuen Bereitschaftsdienstordnung, die die Vertreterversammlung der KV Hessen beschlossen hat. Diese solle den „Flickenteppich“ im Land beenden, Ärzte entlasten und Patienten verlässliche Strukturen bieten.

Die bis zu 35 Mitarbeiter in den beiden Zentralen seien an 365 Tagen rund um die Uhr erreichbar. In Kassel sind 15 Vollzeitstellen geplant. Ansprechpartner in den Call-Centern seien eigens geschulte Fachleute aus Medizin- und Heilberufen und immer auch ein Arzt. Sie beantworten Fragen am Telefon oder behandeln ambulante Patienten; sie fordern einen Arzt für einen Hausbesuch an, und sie melden einen Notfall an den Rettungsdienst. „Es wird künftig möglich sein, mehr Hausbesuche anzubieten“, sagt Petra Bendrich.

In ländlichen Gebieten bediene ein Bereitschaftsarzt bisher das Telefon, behandle Patienten in der Praxis und mache zwischendurch Hausbesuche. In Zukunft heiße Bereitschaft: entweder „Sitzdienst“ in der Zentrale oder „Fahrdienst“ zum Patienten.

Durch die Zusammenlegung der Gebiete werde ein Arzt häufiger und weiter unterwegs sein, aber auch seltener Dienst haben. Es sei geplant, rund 50 Bereitschaftsdienstzentralen möglichst an Krankenhäusern anzusiedeln. Bisher gibt es 110 Standorte mit unterschiedlichen Rufnummern. Im Idealfall sollten 70 bis 100 Ärzte einen Bezirk bilden, derzeit seien es mitunter nur 30 Ärzte, die abwechselnd in Bereitschaft sein müssten.

Manch freier Arztsitz auf dem Land sei unbesetzt geblieben, weil die häufigen Bereitschaftsdienste junge Mediziner abschreckten. Deshalb sei die Reform überfällig gewesen. Zudem sollen die Bereitschaftsdienste besser bezahlt werden.

Bei den Bereitschaftsdiensten sollen künftig einheitliche Öffnungszeiten gelten. Einen Nachteil für die Patienten räumte die KV allerdings ein: Für manchen Kranken werde der Weg zum Arzt außerhalb der Sprechzeiten weiter werden. Eine längere Fahrzeit als 30 Minuten solle es aber nicht geben.

Das neue System sei mit 50 Millionen Euro jährlich kalkuliert. (hei/lhe)

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.