Amtsgericht verurteilt Supermarktmitarbeiter

Kassierer betrog mit Pfandbons: Bewährungsstrafe

Kassel. So einfach, kurz und schmerzlos erträumen sich Richter ihre Verfahren: Kaum hatte am Donnerstag vor dem Kasseler Amtsgericht der Prozess um die illegale Selbstbedienung eines Supermarktkassierers begonnen, da war er auch schon wieder vorbei.

Genau drei Minuten brauchte Richterin Focke, um nach halbstündiger Verhandlung ihr Urteil zu verkünden. Und alle waren’s zufrieden.

Wegen 76-facher „veruntreuender Unterschlagung“ (sowie einmaligem Fahren ohne Führerschein) verurteilte sie den 23 Jahre alten Angeklagten zu einer siebenmonatigen Bewährungsstrafe – und folgte damit dem Antrag, den die Staatsanwaltschaft gestellt und dem auch die Verteidigung nicht widersprochen hatte. So harmonisch geht es selten zu bei Gericht. Aber auch selten so wortkarg.

Im Sommer 2011 hatte der angeklagte Einzelhandelskaufmann in einem Vellmarer Supermarkt gearbeitet. Und sich dabei selbst immer wieder Pfandbons ausgestellt, ohne tatsächlich Leergut zurückgegeben zu haben.

Nicht eben unauffällig wählte er stets runde Beträge – mal fünf, mal zehn, mal zwanzig Euro. Mitunter griff er sogar mehrmals täglich in die Kasse. Als die Unterschlagungen schließlich nach mehr als drei Monaten doch noch auffielen, hatte der junge Mann 1275 Euro kassiert.

„Das ist korrekt“, bekannte der 23-Jährige. Er habe auch bereits begonnen, die Schulden bei seinem damaligen Arbeitgeber zu tilgen. Aber wie kam es überhaupt zu den dreisten Unterschlagungen? Das habe „mit einer Gruppe“ zu tun gehabt, erklärte er. „Dazu will ich aber nichts weiter sagen.“ Auch die Spritztour ohne Führerschein gab der Angeklagte unumwunden zu. Der Wagen habe „einem Freund der Oma“ gehört. „Wir haben uns einfach die Schlüssel genommen.“

Nicht auf sich sitzen lassen wollte der 23-Jährige allein, dass er im Juli 2011 auch noch leere Getränkekästen vom Gelände eines anderen Vellmarer Einkaufsmarkts gestohlen haben soll – immerhin 46 Stück im Wert von 200 Euro. „Das ist totaler Schwachsinn“, sagte er – und bekam Rückendeckung vom einzigen Belastungszeugen: Der Beschäftigte des Markts hatte geglaubt, den Ex-Kollegen frühmorgens auf dem Grundstück gesehen zu haben, war sich später aber nicht mehr sicher.

Auch vor Gericht stand der 57-Jährige zu seiner Unsicherheit. Die Polizei, berichtete er treuherzig, habe ihm das erlaubt. „Wenn ich das so sage, werde ich nicht bestraft.“ Was natürlich stimmt. Genauso wenig konnte damit aber auch dem 23-Jährigen der Einbruchsdiebstahl noch zur Last gelegt werden: Unmittelbar nach der Aussage des 57-Jährigen wurde dieser Anklagevorwurf eingestellt. Auch das in Einigkeit und ohne viele Worte. Einfach, kurz und schmerzlos eben. (jft)

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