Damit die Weihnachtspost gut ankommt

Vom Kasten in flinke Hände: Im Waldauer Briefzentrum ist Tempo angesagt

Tempo beim Trennen: Eylem Altuner (links) und Silke Reinbold bei der Vorsortierung der eingehenden Briefflut, die ab 18 Uhr aus den Briefkästen und Poststandorten der Postleitregion 34 im Waldauer Briefzentrum angeliefert wird. Fotos:  Fischer

Kassel. Am Förderband der Briefordnerei fliegen die Hände. Eylem Altuner und Silke Reinbold wühlen im Strom der heranflutenden Briefe und verteilen sie in atemberaubendem Tempo auf unterschiedliche Transportbahnen.

Hierhin die Standardbriefe und -karten, die maschinell verarbeitet werden können. Dorthin die größeren Formate, die nebenan von Kollegen weiter aufgeteilt werden – was ist bereits vorfrankiert oder muss noch gestempelt werden? Was geht an weiter entfernte Empfänger oder bleibt im Raum Kassel zur Auslieferung?

Vor Weihnachten ist das Geschäft besonders stressig für die Mitarbeiter im Briefzentrum 34 der Post in Waldau. Dennoch sind alle mit gelassener Konzentration bei der Sache, jeder Handgriff sitzt. Schnell muss es gehen, wenn ab 18 Uhr die Postberge aus Nordhessens Briefkästen heranströmen – doppelt so viele Sendungen wie üblich sind in diesen Tagen zu verarbeiten. Und ab 21.30 Uhr kommen per Lkw schon weitere Brieffluten an, die von überallher an Adressaten im Postleitzahlgebiet 34 geschickt wurden. Die Waldauer sortieren sie in jener Reihenfolge, in der die Briefträger am nächsten Morgen von Haus zu Haus laufen.

Technik erkennt die Adressaten: Nada Zelic nimmt automatisch sortierte Briefe aus einer Maschine.

Vor allem Vorsortier- und Maschinenfütterungsarbeit leisten die Beschäftigten, denn mittels hochentwickelter Schrifterkennungssysteme werden die allermeisten Briefe automatisch auf den richtigen Weg gebracht. In diesen Tagen aber steigt der Anteil dessen, was per Hand sortiert werden muss, auf 10 bis 15 Prozent.

„Viele kleben Basteleien auf den Umschlag oder stecken kleine Gegenstände in den Brief“, sagt Maria Fross, Sachgebietsleiterin im Briefzentrum. Für das Deko-Bedürfnis vor dem Fest habe sie Verständnis, aber „dann streiken natürlich unsere Maschinen“.

Was die alles automatisch können, versetze Besucher des Briefzentrums stets in Erstaunen, erzählt Fross, während neben ihr eine Sortieranlage in schneller Frequenz Briefe und Postkarten in die Zielfächer für die 82 anderen deutschen Briefzentren schießt. Gerade purzelt eine Weihnachtskarte herein: In mädchenhafter Kringelschrift ranken sich Festtagsgrüße bogenförmig um die Anschrift in Bayern, die die Maschine problemlos identifiziert hat.

In ein besonderes Fach hat die Maschine ein Bündel Briefe ausgeworfen, an denen auch die ausgeklügelte Lesetechnik scheitert – zum Beispiel, weil sehr dunkles Umschlagpapier und ein heller Lackstift verwendet wurden. „Die bekommen noch eine zweite Chance“, sagt Maria Fross und nimmt den Problem-Packen heraus.

Für diese Sonderbehandlung sitzen in Hannover, der Zentrale für die Postleitzone 3, spezielle Mitarbeiter vor einem Bildschirm. Zu einem verabredeten Zeitpunkt lassen die Kasseler ihre nicht automatisch lesbaren Briefe durch eine Maschine laufen, die ein Videobild von der Briefvorderseite erzeugt.

Dieses Bild läuft in Hannover auf, wo ein geschultes menschliches Auge in Sekundenbruchteilen feststellt, ob eine Postleitzahl erkennbar ist. Nachdem diese in 170 Kilometern Entfernung in einen Tastenblock eingetippt wurde, rutscht in Kassel der Brief ins richtige Fach für seine Reise zum Empfänger.

Von Axel Schwarz

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