Kassel Marketing gibt fünfstellige Beträge aus, damit die Stadt im Angebot von Reiseveranstaltern vorkommt

Kataloge kosten Eintrittsgeld

Für Kunst, Geschichte und Natur ab nach Kassel: In den Städtereise-Katalogen von Dertour und Ameropa ist die Nordhessenmetropole seit Jahren präsent. Dafür muss Kassel Marketing nach eigenen Angaben aber erheblichen finanziellen Anschub leisten. Insofern sei es eine Frage des Budgets, wie Kassel in Katalogen vorkomme. Montage: Trolp

Kassel. Tourismus-Profis wissen oft wenig über Kassel – dieser Eindruck entstand kürzlich bei einem Besuch von Reisekaufleuten. An den Aktivitäten der städtischen Tourismuswerber könnten die Wissenslücken nicht liegen, meint Kassel-Marketing-Chefin Angelika Hüppe: „Ich glaube, dass wir unsere Mittel sehr effizient einsetzen.“ Dafür sprächen auch die Übernachtungszahlen, die im mehrjährigen Vergleich beständig steigen würden.

Die Besucher hatten unter anderem moniert, Kassel Marketing (KM) tue zu wenig, um die Stadt in Katalogen namhafter Reiseveranstalter zu positionieren. „Das ist faktisch falsch“, sagt KM-Pressefrau Birgit Kuchenreiter. KM habe keinen Einfluss darauf, welche und wie viele Kasseler Hotels letztlich in die Prospekte aufgenommen würden. Man gebe aber fünfstellige Summen aus, damit Kassel grundsätzlich als Städtereiseziel in den Katalogen von Dertour und Ameropa aufgelistet werde.

Es sei nicht die Frage, wie freundlich oder hartnäckig man die Werbetrommel rühre. Den Platz im Katalog ließen sich die Anbieter nämlich bezahlen – und zwar von KM. „Das kostet uns pro Seite 10 000 bis 20 000 Euro“, erklärt Kuchenreiter. KM liefere Bilder und Texte zur Stadt allgemein und zu Spezialthemen wie der documenta. Auch mache man Vorschläge für passende Hotels. Die Veranstalter hätten dann ein Mehrfaches an Häusern zur Auswahl, als sie im Katalog unterbekommen. Alles Weitere sei eine Sache direkter Verhandlungen zwischen Reiseanbietern und Hotels.

„Wenn aber die Verkaufszahlen nicht stimmen würden, flöge Kassel aus solchen Katalogen raus“, sagt Kuchenreiter. Das sei dann auch nicht mehr mit Geld zu regeln. Seit fünf bis sieben Jahren aber führen Dertour und Ameropa offenbar gut mit Kassel im Angebot.

Aus Sicht der Stadt sei der Erfolg schwer zu beziffern, sagt Angelika Hüppe: „Das Geschäft kommt ja nicht bei uns selbst an.“ Für Kassel Marketing sei einzig der Werbeeffekt durch die Kataloge relevant. Wer dadurch für Kassel interessiert worden sei, steige nicht unbedingt in einem der gelisteten Häuser ab, sondern suche sich unter Umständen ein ganz anderes Quartier.

Bei einer Vielzahl von Anlässen versuche KM, die Nordhessenmetropole bei Reisefachleuten bekannt zu machen. 2011 habe man Kassel auf 14 Tourismusmessen präsentiert, neben allen wichtigen deutschen Terminen unter anderem in Brüssel und Barcelona. Zudem organisiere KM jedes Jahr 15 bis 20 Journalistenreisen und lade regelmäßig auch Reiseverkehrskaufleute aus dem gesamten Bundesgebiet ein. Ende des Monats etwa würden 20 Teilnehmer eines von KM organisierten Kassel-Workshops erwartet, der Anfang des Jahres in Lübeck von 300 Teilnehmern besucht worden sei.

Die einzig harte Währung, in der der Erfolg solcher Aktivitäten gemessen werden kann, sind die Übernachtungszahlen. Die hätten im 1. Halbjahr um 3 bis 4 Prozent über dem Vorjahreswert gelegen, sagt Hüppe. Und seit dem documenta-Start am 9. Juni sehe es nach einem neuen Besucherrekord aus.

Von Axel Schwarz

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